Mit diesem Album besiegelte StS gleich zwei Entwicklungen, die man nicht mögen muss, denen ich zunächst auch eher skeptisch gegenüber stand, letztlich aber zum Schluss kam, dass das Ergebnis objektiv und nur für sich betrachtet jede Veränderung rechtfertigt.
Erstere Entwicklung ist die inhaltliche; sie ist die Grundlage für alles weitere. War zwar die Musikrichtung mittelalterlich, so war es nicht die Botschaft. Vielmehr sang die Band von zeitlosen Phänomenen und Abgründen des menschlichen Verstands, von Mord und Moral, von Liebe und Leben. Die sprachlichen Bilder bzw. die Stellvertreter für den jeweiligen Sachverhalt entsprechen dem musikalischen Thema. Nun allerdings geht es um Abarten, welche die heutige Zeit hervorruft.
So ließ sich StS inspirieren von einem verzweifelten, (vom System) in die Enge getriebenen Mann, dem Mord der letzte Ausweg war; von falschen Führern und deren diplomatischem Selbstmord; von Aidsinfizierten, die indem sie bewusst andere infizieren ihr Vermächtnis wahren und durch ihr Blut ( = ihre Krankheit) weiterleben; von Desillusion und Enttäuschung; von sexuellem Missbrauch in der Familie; von körperlicher Selbstzerstörung zur Kompensation von seelischem Leid; vom Wunsch, seine unlebenswerte Existenz beenden zu lassen; von gescheiterten Persönlichkeiten, deformiert von der perversen Gesellschaft; von sich wie Raubtiere verhaltenden Menschen; von destruktiver, hingebungsvoller Liebe und schließlich von der Hoffnungslosigkeit unserer Kultur.
Dabei wird das Thema meist durch Abstraktes oder Synonyme verschleiert und nicht beim Namen genannt.
Daraus resultiert zwangsweise eine musikalische Weiterentwicklung. Engelskrieger ist rocklastiger und insgesamt, sowie ja auch der Stoff, härter ausgefallen. Melodie hat natürlich trotzdem weiterhin einen sehr hohen Stellenwert, wobei ich sagen muss, dass sie hier nicht ganz so ausgefeilt sind wie etwa auf dem Vorgänger (gemeint sind Lieder wie „Herrin des Feuers", „Kleid aus Rosen" oder „So rot"), daher keine Maximalbewertung.