"Engel im Schnee" ist annäherungsweise ein Episodenfilm, 3 Handlungen, recht eng miteinander verknüpft, entspinnen sich unabhängig voneinander.
Zunächst sei gesagt, dass der Covertext auf der DVD (hier nicht veröffentlicht) ziemlich irreführend ist und eher auf ein Liebesmärchen hinweist. Die kurze Inhaltsangabe von Amazon ist beiweitem näher an der eigentlichen Handlung. So etwas ist für den Zuschauer immer etwas ärgerlich, und könnte eine Erklärung für die schlechten Rezensionen sein.
In "Engel im Schnee" geht es um Liebe, allerdings weniger im "unterhaltenden", "hollywoodbeseelten" Sinne. Arthur und Lilly erleben ihre erste Liebe. Die beiden sind junge, eigensinnige und intelligente Highschoolschüler, ihre Annäherung etwas unbeholfen, aber aufrichtig.
Eine reifere Liebe in der Krise stellt die Beziehung von Arthurs Eltern dar: Sein Vater, ein Professor, zieht aus, hat offenbar eine Geliebte, sehnt sich aber gleichzeitig immer noch nach seiner Familie.
Die tragischste, gescheiterte Liebe ist die von Annie, einst Arthurs Kindermädchen, und ihrem Ex-Mann Glenn. Die beiden haben eine kleine Tochter (Tara), doch die Ehe ist an Glenns rasender Eifersucht bis hin zur Gewaltbereitschaft gescheitert. Während Annie eine Affäre mit dem Mann einer guten Freundin hat und mit der Erziehung von Tara und dem Geldverdienen einigermaßen überfordert ist, schwankt Glenn zwischen Alkoholismus und fanatischem Christentum. Obwohl offensichtlich ist, dass es für die Ehe der beiden keine Hoffnung mehr gibt, versucht er verzweifelt, Annie zurückzugewinnen. Als Tara eines Tages verschwindet, ist das der Beginn (oder das Ende) einer Tragödie.
Hier stehen sich drei Generationen und drei Situationen gegenüber, der hoffnungsvolle Anfang einer Beziehung, verkörpert von Arthur und Lilly, und gewissermaßen auch schon mögliche Fortsetzungen (wobei man den beiden sympathischen Youngsters auch ganz andere Fortsetzungen zutrauen möchte..) durch Arthurs Eltern und Annie und Glenn. Dramatisch gesehen steht die Beziehung von Annie und Glenn im Mittelpunkt, die auch am meisten "Action" bietet und den wirklich schlimmstmöglichen Ausgang einer Beziehung beschreibt. Zu dieser einigermaßen realitätsnahen Handlung passt nur eine realitätsnahe Umsetzung, die meiner Meinung nach gut gelungen ist. Die Dialoge wirken nicht gestelzt (wobei ich den Film OmU gesehen habe...), das Bild ist wackelig und hat eine gewisse Alltagsästhetik, die Menschen werden (auch rein von der Erscheinung her) dargestellt, wie sie eben im wahren Leben aussehen.
Meiner Meinung nach ist "Engel im Schnee" ein intelligenter, aber auch gleichzeitig deprimierender Film, der Klischees weitläufig umgeht. Wer unterhaltende Liebesdramen mit Happy End sucht, wird hier nicht bedient, wem die Darstellung von Liebe im Hollywood-Mainstream aus den Ohren herauskommt, wird "Engel im Schnee" mehr zu schätzen wissen.