Dieser Film ist, offen gesagt, eine Frechheit. Genau wie der erste Teil der "3 Engel für Charlie". Und ich meine das keineswegs böse: der Regiesseur namens McG und seine Crew liefern ein absolut-gnadenlos witziges, blödelndes, krachendes Action-Feuerwerk ab. Der Anspruch tendiert gegen Null (es sei denn man zählt ein paar schlaue Querverweise und Zitate auf bekannte Filme und Kulturphänomene). Beim Vorgänger war die Story schon dünn, diesmal hat man sich mit einem dünnen Aufguss davon zufrieden gegben, der gerade noch das Prädikat "zweckerfüllend" bekommt (daher keine Details an dieser Stelle).
Wen das nicht stört, für den gibt es viel Positives zu berichten: der Film ist mit soviel "Eye Candy" (Zucker für die Augen) ausstaffiert, dass der Bildschirm überzubersten droht. Die drei Hauptakteurinnen Cameron Diaz, Lucy Liu und Drew Barrymore sind jede auf ihre eigene Art humorvolle, sexgeladene, intelligente Engel, die noch dazu über doppelt soviel Schlagkraft verfügen wie die gesamte Hundertschaft an Handlangern, die ihnen von den verschiedenen Bösewichtern auf den Hals gejagt werden. Die Action ist auf Matrix-Stil getrimmt (Stichwort "wire-work" / unsichtbare Drähte), und ist so an den Haaren herbeigezogen, dass die Überwindung der Schwerkraft in "Tiger and Dragon" plötzlich gar nicht mehr so unrealistisch erscheint - jedenfalls im Vergleich zu dem hier gebotenen Quatsch. Die Schauplätze sind durchwegs exotisch und McG ist sich nicht zu schade, in Sachen Beleuchtung der Sets (mal ganz in rot, mal ganz in blau getaucht) eigene Wege zu gehen: weg mit dem Realismus, Spaß soll es machen und gut aussehen. Dazu kommen mehr Special-Effects pro Quadratmeter als der Zuschauer überhaupt wahrnehmen kann. Die Nebencharaktere sind, in Sachen Humor, einfach wunderbar. Bernie Mac (der neue "Bosley") nimmt den Faden da auf, wo Bill Murray (sein "weißer Bruder") im Vorgänger aufgehört hatte, und Crispin Glover (richtig, der alte McFly aus "Zurück in die Zukunft") ist als psychopathischer Gegenspieler ein komödiantischer Meilenstein.
Wer eine intelligente Story sucht, wird hier nicht so schnell fündig werden. Dafür gibts Action und Gags en masse, alles von wechselnder Qualität, aber durchaus den Preis eines Kinotickets wert. Ob man sich das dann mehr als 2 oder 3 mal auf DVD "antun" will, sei dahingestellt. In der geselligen Runde zu Hause ist der Film bestimmt ein Knaller.
Die gelungene DVD-Umsetzung ist es letztendlich, die den Preis dieser Scheibe rechtfertigt. Wer hier über fehlende Zusatzfeatures meckert hat wohl vor Aufregung vergessen, die DVD in den Player einzulegen. Was auf diese eine Disc draufgequetscht wurde ist schier unglaublich:
- deutscher und englischer Digitalton (sehr gute Qualität)
- ein akzeptabler Bild-Transfer (allerdings nicht so brillant wie andere Top-DVDs)
- 2 unterhaltsame Audiokommentare (einer mit McG, einer mit den Drehbuchautoren)
- ein Dutzend kleiner Featurettes zu den verschiedensten Themen: die "Pussycat Dolls" (eine sexy Tanztruppe in L.A.); schnelle Autos; die Choreographie von Kampfszenen; der Einsatz von Computer-Animation etc.
- ein witziges Feature namens "Engel-Vision": es werden Sprechblasen/Textfelder während des Films eingeblendet, die witzige Informationen zu der aktuellen Szene im Film liefern; sehr schön gemacht
- dazu noch ein paar Trailer, ein Musikvideo (Pink - "Feel Good Time") und ein Überblick über die im Film verwendeten Musikstücke
Für soviel Körpereinsatz in Sachen Bonus-Features verdient der DVD-Inhalt glatte 5 Sterne, der Film, naja, sagen wir mal 3 Sterne. Ein schöner Spaß ist es allemal und in filmtechnischer Hinsicht ein Glanzstück. Vielleicht kann man sich für den dritten Teil mal eine "vernünftige" Story ... ach was vergesst es, man geht ja auch mal ins Kino um das Gehirn auszuschalten und sich zu amüsieren. Wem das nicht passt, der kann sich ja stattdessen einen zumindest halbwegs "realistischen" Agententrhiller wie "Mission Impossible" anschauen.