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Engel des Vergessens
 
 
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Engel des Vergessens [Gebundene Ausgabe]

Maja Haderlap
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 250 Seiten
  • Verlag: Wallstein (Juli 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3835309536
  • ISBN-13: 978-3835309531
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 12,8 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 10.117 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»eine Geschichte voller Kraft mit großen poetischen Ansprüchen« (Peter Turrini, News, 28/2011) »Es ist eine ewige Geschichte zwischen Vater, Tochter, Enkelin und Großmutter. Es gibt da gewaltige Stellen: der Vater, der als Kind zu den Partisanen gegangen ist und als Heranwachsender nicht mehr weiß, zu wem er gehört. Er hat einen Stolz und kann ihn nicht leben. Oder die Großmutter, die im KZ war: Das sind Geschichten, die man in Österreich überhaupt nicht kennt und die nach 70 Jahren endlich erzählt werden. Dann gibt es Passagen, in denen sie ihr eigenes Leben schildert, wie sie von zuhause fortgeht, studiert, ihr Leben lebt. Es ist eine herzergreifende Geschichte.« (Peter Handke, News, 28/2011) »Sie erzählt kühl analytisch und doch achtsam von einer Gemeinschaft, die stolz ist auf ihre Eigenart und auf die Tragödien der Vergangenheit – und zugleich verbittert über ihr Los, ausgeschlossen zu sein. ... Das Buch »Engel des Vergessens« hat Haderlap in deutscher Sprache niedergeschrieben, in einem klaren, trotzdem poetischen Ton, in dem die Zeit ein »behäbiger Gletscher« ist, der alles, was der jungen Heldin erst wunderbar und unverrückbar scheint, unter sich zermalmt.« (Wolfgang Höbel, Der Spiegel, 18.07.2011)

Kurzbeschreibung

Ein großes Romandebüt, das von einem Leben in der Mitte Europas erzählt; mit kraftvoller Poesie; Geschichten, die uns im Innersten betreffen.Maja Haderlap gelingt etwas, das man gemeinhin heutzutage für gar nicht mehr möglich hält: Sie erzählt die Geschichte eines Mädchens, einer Familie und zugleich die Geschichte eines Volkes. Erinnert wird eine Kindheit in den Kärntner Bergen. Überaus sinnlich beschwört die Autorin die Gerüche des Sommers herauf, die Kochkünste der Großmutter, die Streitigkeiten der Eltern und die Eigenarten der Nachbarn. Erzählt wird von dem täglichen Versuch eines heranwachsenden Mädchens, ihre Familie und die Menschen in ihrer Umgebung zu verstehen. Zwar ist der Krieg vorbei, aber in den Köpfen der slowenischen Minderheit, zu der die Familie gehört, ist er noch allgegenwärtig. In den Wald zu gehen hieß eben "nicht nur Bäume zu fällen, zu jagen oder Pilze zu sammeln". Es hieß, sich zu verstecken, zu flüchten, sich den Partisanen anzuschließen und Widerstand zu leisten. Wem die Flucht nicht gelang, dem drohten Verhaftung, Tod, Konzentrationslager. Die Erinnerungen daran gehören für die Menschen so selbstverständlich zum Leben wie Gott.Erst nach und nach lernt das Mädchen, die Bruchstücke und Überreste der Vergangenheit in einen Zusammenhang zu bringen und aus der Selbstverständlichkeit zu reißen und schließlich als (kritische) junge Frau eine Sprache dafür zu finden. Eindringlich, poetisch, mit einer bezaubernden Unmittelbarkeit.Maja Haderlap hat eine gewaltige Geschichte geschrieben... Die Großmutter wie noch keine, der arme bittere Vater wie noch keiner, die Toten wie noch nie, ein Kind wie noch keines.(Peter Handke)

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23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von A. Zanker TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 2011 hat Maja Haderlap einen Startschuss, in eine mögliche Schriftsteller-Karriere gesetzt. In ihrem Roman, beschreibt sie ein Dorf der Kärntner Slowenen, in dessen Mittelpunkt die elfjährige Mic steht, die dort aufwächst, und die Menschen dort, ihre Familie und vor allem ihre Grossmutter verstehen will. Maja Haderlap gibt mit ihrem neuen und aktuellen Roman, (der bei Erscheinen schon in der 2.Auflage steht) dem Widerstand im 2.Weltkrieg der dortigen Gegend, gegen die Deutschen eine Stimme, und das von einer slowenischen Minderheit innerhalb Österreichs, von der zumindest ich bisher nichts wusste.

Mich persönlich erinnerte dieser Roman ein wenig an Fegefeuer: Roman von Sofi Oksanen, denn was beide Romane ein wenig verbindet, ist ihre Beschreibung der Partisanen, gegenüber einem intoleranten politischem System. Wir sind in der ländlichen Gegend nahe der slowenischen Grenze, in Lepena, nur sieben Kilometer von Eisenkappel. Eine Gegend, wo die Menschen von der Milch- und der Landwirtschaft leben. Die elfjährige Mic, wächst dort mit ihren Eltern und ihrer Grossmutter auf, die ihr ihre Vergangenheit anvertraut. Am 13. November 1943 wurde sie ins KZ Ravensbrück deportiert. In gut dosierten Erzählungen, scheint sie ihrer Enkelin, ihre Lager-Vergangenheit als eine Art Vermächtnis anzuvertrauen.

Als stille Beobachterin, möchte dieses Mädchen die dortigen Menschen in Lepena verstehen, die an ihrer Vergangenheit leiden. Das Mitteilen und Erzählen jener vergangenen grauenhaften Zeit, ist auch eine Art Eintritt in die Kindheit. Denn Mic erfährt auch, wie z.B. ihr Vater als Kind der Krieg in der dortigen Gegend erlebt hat. Ganz nah erlebt der Leser, das Leben der dortigen Bauern, mit ihren Bräuchen, ihrem Leben, ihrer Mentalität, aber auch ihren Sorgen, vergangenen Wunden und Narben, und menschlichen Erschütterungen und Beschädigungen, die der deutsche Nationalsozialismus den einfachen Bauern dort, so manches Leben zerstörte. Dieses Buch erzählt von den inneren Beschädigungen, Zerstörungen, die diese Menschen immer noch in sich tragen, auch wenn diese Zeit der Vergangenheit angehört. Maja Haderlap gibt viel Raum dafür, wie sich die dortigen Bürger im Widerstand zusammenschlossen, wie Kinder den Krieg und vor allem auch den Tod erlebten. Wir erfahren gründlichst, was es bedeutete, den Deutschen Widerstand zu bieten. Jeder Widerstand wurde meisst mit dem Tod oder der Deportation bestraft. Der Wald wurde Schutzzone, für jene Partisanen, die sich der Unmenschlichkeit, Angepasstheit, dem politischen Sytem nicht beugen wollten.

Es gibt hier einzelne Passagen zu lesen, wo man das wirkliche Potential einer Maja Haderlap zu spüren bekommt. Die literarische Atmosphäre geht von berührend, herzlich, heftig, grausam, schwer, politisch, fast überworfen, poetisch, bis hin zu phantasierend-träumerisch. In kleinen Phantasiereisen, nimmt sie zeitenweise den Leser mit, in ihre innere Traumwelten und poetischen Ausflüge. Ganz besonders hat mich berührt, wie sie das dortige ländliche Leben beschreibt. Wer wie ich, ebenso auf einem Bauernhof aufwuchs, wird verstehen warum. Wir finden hier Wörter und Sätze, die mich an meine eigene Kindheit zurückversetzten, als ob Worte Anker der eigenen Kindheitserinnerungen sind. Wörter wie: die Sense dengeln, oder Most, Stiegenhaus, wegbeten, Moosgeruch, Krautbottich, Gerstenkorn, Asche und Mostfässer, erinnern an eigene Kindheitserfahrungen, wer diese Kindheitsanker hat, hat einen zusätzlichen Gewinn dieser Lektüre.

Fazit: Das vorliegende Buch ist ein Buch darüber, wie sehr innere Beschädigungen Menschen leiden lassen und ihren Überlebenswillen beeinträchtigen können. Es ist auch ein Buch das sich mit Tod und Kindheit, sowie der Verarbeitung von belastender Vergangenheit des 2. Weltkrieges auseinandersetzt. Maja Haderlaps "Engel des Vergessens" ist auch eine biographische Aufarbeitung, ein endloser Nachhall des Krieges, aber auch eines Lebens und den Erinnerungen, die die Autorin immer in sich trug. Natürlich geht man durch Schwere, Enge, Beklommenheit, wie sollte es auch anders sein, wenn das Trauma des 2.Weltkrieges verarbeitet werden möchte. Es kann einen traurig machen, wenn man von all den ausgelöschten Menschenleben und betroffenen Lebensschicksalen liest. Hier möchte eine Vergangenheit, weitergereicht, verarbeitet und erzählt werden, einen Raum bekommen. Warum? Weil sie für die betroffenen Menschen jener Zeit etwas bedeutet, das wir in seiner ganzen Dimension wahrscheinlich nur erahnen können.

Für mich hat dieses Buch zu Recht den Ingeborg-Bachmann-Preis erhalten. Wer sich dafür interessiert, wie einfache Bauern, der deutschen Wehrmacht Widerstand entgegen setzte, hier im Speziellen der Kärtner Slowenen, dürfte hier eine gehaltvolle und aussagekräftige Lektüre finden, die Klasse hat. Ich persönlich bin froh um Maja Haderlap, und dem, was sie der Literatur und damit den Lesern zu geben hat. Mir hat sie viel gegeben. Kompliment an diese neue und noch unbekannte Autorin, das sich bald, wenn nicht schon jetzt, ändern wird und das ist gut so...
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35 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Maja Haderlap hat mit dem Romanauszug aus "Engel des Vergessens" vor wenigen Tagen in Klagenfurt, Kärnten, Österreich, den Ingeborg-Bachmann-Preis 2011 zugesprochen bekommen. Im ersten Roman der bisher als Lyrikerin, Essayistin, Dramaturgin am Klagenfurter Stadttheater und Literaturzeitschriften-Herausgeberin bekannten Kärntnerin arbeitet Haderlap an ihrer eigenen Familiengeschichte die bisher wenig beleuchtete Historie der zumeist slowenischsprachigen Kärntner Widerstandskämpfer, der "Partisanen", auf. Oder gibt zumindest Impulse, sich für diese zu interessieren.
Die Autorin beginnt und schließt den Roman mit starken Bildern, welche sie selbst und ihre kämpferische, später verhärmte Großmutter beschreiben. "Großmutter gibt mir ein Zeichen mit der Hand, ich solle ihr folgen", heißt es da zu Beginn, und am Schluss, in einer Traumbegegnung mit der bereits verstorbenen Großmutter: "[Sie..] gibt mir mit der Hand zu verstehen, dass ich leise sein soll. Nicht so laut, sagt sie, sonst kann man nichts hören".
Schon dieser Zirkelschluss illustriert die hoch artifizielle Struktur des Romans. Am schönsten sind jene von der Autorin gestalteten Atmosphären, die bäuerliche Alltagshandlungen beschreiben. In diesen, wie im "weiblichen Schreiben" typologisch, finden sich Gewalterfahrungen, Abwehrhaltungen und -handlungen in das ganz Gewöhnliche hineinverwoben, welche den Leser hellhörig machen.
Vieles bleibt in Andeutungen, Ahnungen. Die von den Kriegshandlungen geschändete Landschaft, die traumatisierten Gemüter, die weitgehende Sprachlosigkeit, das Bedürfnis nach Zeugenschaft und eben das Erinnern, und nicht das Vergessen, sind die wesentlichen Elemente im preisgekrönten Buch.
Erst in den letzten Abschnitten flackert mehr Deutlichkeit auf und das beschriebene Geschehen schnürt einem fast den Atem ab: "Die Kämpfer [gemeint sind die auf Seiten der Alliierten kämpfenden Partisanen, die Widerstand gegen das Nazi-Regime leisten und dies unter Todesbedrohung bzw unter größter Gefahr für ihre Angehörigen] werden an den Haaren ihrer Frauen, Kinder und Eltern aus dem Wald gezerrt. Sie werden mit ihren Familien bekämpft, die auf den Äckern stehen, nicht in den Schützengräben".
Bad Eisenkappel im südlichsten Kärnten ist der beschriebene regionale Abschnitt, ein Graben mit Seitengräben, wo die weitgehend agrarische und slowenischsprachige Kärntner Bevölkerung den Hügeln und Wäldern mit Land- und Forstwirtschaft ihren kargen Lebensunterhalt abringt.
Lauter authentische Zeugnisse liegen der Erzählung zugrunde, wie Briefe, Gedichte von weiblichen Vorfahren, ein Haussegen oder ein "Lagerbuch" der Großmutter aus deren Zeit im KZ Ravensbrück. Eine zweite Schiene sind die am eigenen Leib und in der eigenen Seele gemachten Erfahrungen der Autorin als Kind, junge Frau und Erwachsene. Sie, und hier tritt die Mutter als Förderin auf den Plan, besucht in Klagenfurt das Gymnasium und schließt später ein Studium der Theaterwissenschaft in Wien an.
In dieses Gerüst von Lebensdaten flicht Maja Haderlap in sehr lesenswerter Sprache neben dem selbst Erlebten auch noch davon, was man ihr erzählt hat, Moralisches, Verheimlichtes, Erschütterndes. Die Kärntner Leser werden einiges, die Ortskundigen alles wiedererkennen. Gerade das macht für die Kärntner Leser die Besonderheit dieses Buches aus und die Tatsache, dass es einen Preis bekommen hat, so großartig und identitätsstiftend.
Wer nicht mit der Örtlichkeit und den Konflikten vertraut ist, wird trotzdem einigen Lesernutzen und auch -vergnügen daraus ziehen. Es ist ein "Antikriegsbuch", denn wichtige Protagonisten, wie der Vater, ertragen das Erlebte nicht. Er wurde als 12-jähriger Bub gefoltert, hat sein Schweigen bewahrt. Trägt aber aus dieser traumatischen Erfahrung schwer, ist depressiv und alkoholkrank.
Sekkant und die Mutter stets herabwürdigend hat der Vater in der Familie Spuren voller Todessehnsucht und seinem ihn zumeist bestimmenden Unwertsgefühl hinterlassen. Nur in guten Zeiten hat er für Anrainer und Auswärtige den klassen, unterhaltsamen Burschen herausgekehrt und ist bester Holzarbeiter, Jäger, Musiker, was immer. Als er tot ist, sitzt man zuhause "einander gegenüber, jedes der Geschwister mit seinem eigenen Vater beschwert, jedes mit seiner eigenen Vaterfigur um den Hals, und starren uns an, müde vom Vatergewicht, erschöpft von den Geschichten und Erinnerungen, die sich, wenn wir sie einander erzählen, immer anhören wie Vorwürfe [...]". Man sieht an den Geschehnissen, die zwar schon einige Zeit zurück, in den Seelen der Menschen aber blank mit Ohnmachtserfahrungen verbunden liegen, sich deren ganze und auch nachkommende Generationen belastende Macht entfalten.
Ich wünsche diesem Buch viele Leser, und dem Literaturbetrieb recht viele kundige Vermittler des notwendigen Drumherum. Es wird wahrscheinlich eine Welle von Schreibversuchen auslösen bei jenen Zeitgenossen, die noch einiges zu berichten hätten und die den "Engel des Vergessens" lieber nicht alles schenken, sondern das Erlebte in irgendeiner Form aufgezeichnet wissen möchten, um letztlich auch damit zu einer gewissen Ruhe zu kommen.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein Akt der Befreiung 12. September 2011
Von Mag Wolfgang Neubacher TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Maja Haderlap, Gewinnerin des "Ingeborg-Bachmann-Preises 2011", legt mit diesem Siegerbuch einen wahrhaft sensationellen Roman vor. Die Autorin, in Bad Eisenkappel/Zelezna Kapla im südlichen Kärnten geboren, entstammt der slowenischen Volksgruppe im südlichen Österreich.
Erzählt wird der Roman aus der Perspektive eines (kleinen) Mädchens, wobei die Perspektive am Schluss bis zur reifen Frau reicht. Das kleine Mädchen erfährt sehr viel von seiner Großmutter, die das KZ Ravensbrück überlebte. Daneben taucht immer wieder der Partisanenkampf der Slowenen gegen die Nazis auf. Auch nach der Befreiung Österreichs 1945 wird die slowenische Minderheit (und ihr verlustreicher Kampf gegen den Naziterror) nicht akzeptiert, ja eher "geschnitten"; die Erinnerungen bleiben aber präsent...
(Und dass der Kampf um zweisprachige Ortstafeln, die eigentlich schon 1955 (!!) hätten aufgestellt werden müssen, erst im Sommer 2011 mit einem Kompromiss endete, passt eigentlich auch ganz gut zur Geschichte.)
Die Autorin erzählt in einer sehr plastischen Sprache mit vielen ausdrucksstarken Bildern, die den Leser betroffen machen.
Höchste Leseempfehlung für dieses Buch, das für die Autorin sicherlich auch ein gewisser Akt der Befreiung ist!
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