Die Fünfziger Jahre, die Jahre des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders, werden heute oftmals als verlorene Jahre für die Emanzipation betrachtet. Nachdem in den Zwanziger Jahren alles möglich wurde, Frauen sich ihren Platz in der Kunst, Wissenschaft und im Berufsleben eroberten, schien nach Diktatur und Krieg der Platz der Frau ausschließlich am Herd und in der Familie zu sein.
So wird diese Wirtschaftswunderphase heute oftmals als muffig und restaurativ empfunden.
Brigitte Ebersbach stellt in ihrem Buch "Engel und Sünderinnen" Idole jener Zeit vor, die mit eben diesem Kinder-Küche-Kirche Ideal nichts zu tun haben. Audrey Hepburn und Marilyn Monroe, die in ihren Filmen häufig etwas vollkommen anderes verkörperten als die gängige Moral. Simone de Beauvoir, die die geistige Pionierarbeit leistete für die in den sechziger Jahren neu erwachende Frauenbewegung und gleichzeitig schon damals als intellektuelles Vorbild galt. Mit ihr verkörpern auch Francoise Sagan und Edith Piaf einen neuen Geist, der allmählich aus Paris herüberschwappt.
Hildegard Knef wiederum wird hierzulande zum Star, obwohl sie sich nie in das übliche Heimatfilm-Klischee pressen lässt.
Brigitte Ebersbach entwirft ein Bild kultureller Vielfalt, ohne die die Aufbrüche zehn Jahre später kaum möglich gewesen wären. Wenn es auch Frauen mit Eigensinn schwerer hatten als heute, dürfen sie in ihrer Bedeutung für heutige Frauengenerationen nicht unterschätzt werden!
Besonders viel Sorgfalt wurde auch bei diesem Projekt auf Typographie und Bildauswahl verwendet. Die vielen Schwarzweiß-Aufnahmen runden diese Kollektivbiographie ab. Ich kenne keinen anderen Verlag im deutschsprachigen Raum, der das besser könnte! Und es ist umso erfreulicher, dass so ein kleines Haus wie die "Edition Ebersbach" sich ein so unverwechselbares Profil gegeben hat!
Ein wunderbares Buch!