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Engel des Südens: Roman [Gebundene Ausgabe]

Najem Wali , Imke Ahlf-Wien
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

7. März 2011
Nach dreiundzwanzig Jahren Exil kehrt Harun in seine Heimatstadt Amaria im Irak zurück. Zwischen den Ruinen, die der Krieg hinterlassen hat, stößt er auf der Suche nach der eigenen Vergangenheit auf eine Inschrift, die er als Kind hinterlassen hat: "Der Engel des Südens". So nannte er das Idol seiner Jugend, eine Jüdin, die für ihn das goldene Zeitalter verkörpert, als die Ethnien und Religionen noch friedlich zusammenlebten. In dieser und unzähligen anderen Geschichten bringt Najem Walis historisch profunder und märchenhafter Roman die dramatische Vergangenheit aus Krieg, Diktatur, aber auch Sehnsucht und Hoffnung einer einst multikulturellen Stadt ans Licht.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (7. März 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446236430
  • ISBN-13: 978-3446236431
  • Originaltitel: Engel des Südens
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 15,2 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 480.144 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Najem Wali hat aus der wechselhaften Vergangenheit des Iraks einen großen Roman geschaffen." Irene Binal, Neue Zürcher Zeitung, 19.04.11

"Ein bemerksenswerter, akuteller Roman, der viel über die Vergangenheit des Irak und die orientalische Kunst des Erzählens verrät." Neues Volksblatt, 12.05.11

"Eine ergreifende Lektüre über die Angst vor dem anderen." Sabine Berking, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.05.11

"Eine Liebeserklärung an den alten, den kosmopolitischen Irak, ein Manifest des antinationalen Widerstands." Andreas Fanizadeh, Die Tageszeitung, 04./05.06.11

"Was wissen wir über den Irak? Wer sich von Najem Wali in die Hand nehmen lässt und ‚Engel des Südens' liest, bekommt einen tiefen Einblick in die Geschichte dieses Landes." Norbert Mayer, Die Presse, 18.06.11

"Der Einblick in die komplexe irakisch (-panarabische) Geschichte, den der Roman vermittelt, zählt zu dessen großen Verdiensten." Astrid Kaminski, Frankfurter Rundschau, 09.07.11

"Najem Wali, König der Ellipsen, Meister der Fuge, ist ein großer Epiker, und es macht ihm offensichtlich Spaß, seine Leser zu verwirren. "Der Weg ist lang, um zur Geschichte zu gelangen", wiederholt der Großvater des Icherzählers nicht selten; sein Enkel hat sich diesen Leitsatz zu Herzen genommen - wahrlich zur Freude des Lesers." Peter Stephan Jungk, Die Welt, 09.07.11"Es ist ein besonderes Verdienst des im südirakischen Basra geborenen Najem Wali, das er auch die in weiten Teilen Europas noch immer unbekannte Religionsgemeinschaft der Traditionen und Rituale einmal näher vorstellt." Stephanie Rupp, Nürnberger Zeitung, 18.07.11

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

No man's land
Dreiundzwanzigster Entwurf
"Sehr geehrte Gäste. Ich erlaube mir, Sie im Namen Ihrer Majestät der britischen Königin, im Namen der britischen Regierung und im Namen des Verteidigungsministers und Oberbefehlshabers der Streitkräfte Geoff Hoon, zu begrüßen. Wie Sie wissen, ist heute der 11. November, der Tag, der in unseren Herzen, als Briten, teure Erinnerungen weckt. Eine Gedenkminute lang stehen die Arbeiten in allen Bereichen des Lebens still, um des Endes des Ersten Weltkriegs am 11. November 1918 um elf Uhr zu gedenken. So erweist man den Opfern der Kampfhandlungen die Ehre. Dabei haben sie eine halbe Generation das Leben gekostet. Warum erzähle ich Ihnen das? Weil ich der befehlshabende Offizier jener militärischen Einheit bin, die man "No man's land" nennt. Uns hat man die Aufgabe übertragen, Ausgrabungen für die britische Armee durchzuführen. Damit Sie sich unsere Arbeit besser vorstellen können, werde ich sie etwas genauer erläutern. Mein Team aus Soldaten und Mitarbeitern ist auf der Suche nach den sterblichen Überresten von Soldaten, die auf den Schlachtfeldern fielen und ihr Leben für die Krone opferten. Die meisten wurden anonym in die Schützengräben geworfen. Wir wollen uns nicht damit begnügen, die Bedingungen zu erforschen, unter denen die Soldaten tagtäglich an der Front gelebt haben. "No man's land" bedeutet mehr: All jenen unbekannten Soldaten eine Identität und Biografie zu schenken, deren Leichname wir in den Schützengräben von einst finden.
Sie sollen nicht dem Vergessen anheimfallen. Lassen Sie mich hinzufügen, dass meine Einheit auch deshalb so eifrig damit beschäftigt ist, der Geschichte von Schützengräben und Soldatengräbern nachzuspüren, weil die Bürger des Königreichs den im "Great War" Gefallenen ein Gefühl tiefer Verbundenheit entgegenbringen. (Denn Großbritannien, Great Britain, braucht eben auch einen "Great War"!) Bitte verstehen Sie, dass diese Aufgabe nicht einfach ist. Bei der Entdeckung des Grabes eines unbekannten Soldaten überkommen einen immer gemischte Gefühle. Einerseits ist es ein großer Erfolg, egal ob der Soldat Türke oder Brite, Deutscher oder Franzose war. Denn unsere Arbeit beginnt genau dort, mit der Feststellung der Identität der Person, die wir finden. Nur dann können wir die Angehörigen des Soldaten anrufen und ihnen mitteilen, dass der als verschollen geltende Gefallene doch noch in allen Ehren bestattet werden kann. Andererseits möchte ich Ihnen nicht verhehlen, dass die Entdeckung von menschlichen Knochen, die jahrelang vergessen in Soldatengräbern lagen, immer sehr aufwühlend ist. Um Ihnen ein anschauliches Beispiel zu geben werde ich Ihnen erzählen, was sich vor zwei Tagen ereignet hat. Eine wirklich unangenehme Sache. Immerhin steckten wir mitten in der Befreiung des Irak (ist er also doch nicht besetzt?!), des Südirak, mitten in einer neuen Expedition, um genau zu sein. Sie stand unter dem Motto: "Finding the Fallen". Wir begannen, die Leichname der Soldaten zu untersuchen. Diesmal nicht, weil man sie in den Schützengräben zurückgelassen hatte, sondern weil die Gräber, in denen sie seit vielen Jahren lagen, zerstört worden waren. Und zwar nicht nur in Bagdad. Dort hatte man den Englischen Friedhof dem Erdboden gleichgemacht und an seiner Stelle ein Mädchenkolleg gebaut - stellen Sie sich vor: ein Mädchenkolleg! Wie kann man die Toten nur so gering schätzen! Wo auch immer man im Süden Ihres Landes heutzutage hinschaut, fällt der Blick auf zerstörte Friedhöfe: in Basra, in Kut, in Nassaria. Die Gräber der Soldaten sind zerstört. Räuber, Diebe, Pöbel, Gesindel - verzeihen Sie - haben die schwarzen Steinplatten gestohlen, die die Namen der Opfer der Krone trugen. Schlimmer noch: beim Öffnen der Gräber haben sie sich nicht damit begnügt, die Knochen der Toten zu stehlen, die sie, wie man hört, für irgendwelche Hexenbräuche verwenden. Sie haben alles mitgehen lassen, was mit den Soldaten begraben worden war. Keine Ahnung, was sie damit anfangen wollen. Stellen Sie sich vor, sie haben Hundemarken, Brotbeutel, Sardinenbüchsen, Patronen, Lumpen, Soldbücher, Uniformtücher, Tücher zum Polieren der Stiefel gestohlen - alles, was dem Archäologen und Militärhistoriker helfen könnte, den Begrabenen mitsamt seinen Knochenresten zu identifizieren und gegebenenfalls in der Nähe seiner Angehörigen zu begraben. Um die Zerstörung vollkommen zu machen, haben sie auch ein paar dort verscharrte kleine Fässer mitgehen lassen, die zweifellos einmal giftige Gase enthielten. Die Räuber, die dieses Risiko eingingen, wussten nicht, welch einen Schaden sie sich selbst zufügten. Trotzdem, glauben Sie mir: eine Zerstörung wie die des Friedhofs in Ihrer Stadt hätte ich mir nie ausgemalt.
Der Friedhof Ihrer Stadt, meine sehr verehrten Herren, ist der schönste Friedhof im Süden unseres Reiches. Auf diesem Friedhof haben die geschicktesten Gärtner gearbeitet. Ihre Namen hat man in goldenen Lettern in das Archiv des Ministeriums für die Friedhöfe Britanniens eingetragen. Was schließlich geschah, ist eine Beleidigung des Erbes jener guten und mutigen Männer aus dem Süden, die mit uns arbeiteten und zwischen Muslimen und Christen nicht unterschieden. Sie starben ruhigen Gewissens, begegneten ihrem Herrn mit offenem Herzen - und würden sie auferstehen, könnten sie ihren Augen nicht glauben, denn alles, buchstäblich alles wurde herausgerissen und entfernt. Meine sehr verehrten Herren, während die zuständige Einheit die Knochen der Soldaten einsammelte, um die Klassifizierung vorzubereiten, stießen sie zufällig auf ein Grab, das nicht angetastet worden war. Als hätten die Diebe es nicht zerstören wollen. Alles deutet darauf hin, dass es sich um eine wichtige Persönlichkeit handelte, einen General aus der britischen Armee beispielsweise, dem die Bewohner der Stadt eine besondere Ehrerbietung entgegenbrachten. Was die Aufmerksamkeit unseres Trupps erweckte, war die Tatsache, dass man das Grab jahrelang mehr gepflegt hatte als die anderen Gräber. Die Totengräber hatten offensichtlich auch den Platz etwas abseits der übrigen Gräber mit Bedacht gewählt. Dieses Grab lag an einem schwer auffindbaren Ort, in der Nähe des Platzes, an dem das alte Steinhaus steht. Ein kleiner Jasminbusch wuchs auf ihm, in den Grabstein war ein wunderschöner poetischer Satz gemeißelt, den man nur schwer vergisst: "Das Gras singt über den stillen Gräbern". Anscheinend stammte dieser Jasminbusch ursprünglich nicht vom Englischen Friedhof, sondern war von einem anderen Ort hierher verpflanzt worden. Vielleicht sollte er einen Hinweis auf das Grab geben. Was uns erstaunte, war, dass der Grabstein erst vor Kurzem behauen oder sagen wir: bearbeitet worden war. Der Name darauf erstaunte nicht nur uns, sondern auch die britische Regierung. Wir riefen das Verteidigungsministerium an und sprachen mit Minister Sir Geoff Hoon persönlich. Wir telefonierten mit dem Ministerium, das für die der Krone unterstehenden Friedhöfe auf dem Boden des ehemaligen Empires zuständig ist und zum Archiv des Imperial War Museum in London gehört, dem auch unsere Einheit untersteht. Ja, wir zogen sogar die seriöse britische Zeitung Times zu rate. Aber alle waren höchst verwundert. Keiner wollte glauben, dass dort tatsächlich der Mann liegen sollte, dessen Name auf dem schwarzen Stein unter dem erwähnten Vers stand: Sir T. S. Eliot! Unseren Informationen zufolge gilt es als erwiesen, dass Herr Eliot die letzten Jahre mit seiner ältesten Tochter in der Altstadt von Jerusalem lebte. Dort gab er unter dem Titel Zwischen dem Paradies von Amaria und Samaria einen Gedichtband heraus, bevor er am 4. Januar 1965 im Alter von sechsundsiebzig Jahren in London verstarb. Es ist unmöglich, dass er in Ihre Stadt zurückgekehrt ist. Der Besuch des Irak wäre nach dem Militärputsch vom 14. Juli 1958 ohnehin für jeden Briten ein großes Abenteuer gewesen. Wie wäre es also erst einem Landsmann von seinem Format ergangen? Ich weiß, dass dies ein Scherz sein muss, mit dem uns jemand...

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5.0 von 5 Sternen Viele Wege zu einer Geschichte 9. Mai 2011
Ich habe ENGEL DES SÜDENS vor ein paar Tagen zu Ende gelesen und bin immer noch tief beeindruckt von dem Kaleidoskop an Figuren und Geschichten, die der Autor einem neugierigen Leser eröffnet. Mit den letzten Seiten seines Werkes, schließt Najem Wali auf faszinierende Weise den Kreis zum Anfang der Geschichte, einer von vielen Geschichten, denen er in 193 'Entwürfen' und fünf innerhalb des Romans abgeschlossenen Büchern nachgespürt hat. Das ist faszinierend. Vor allem, weil durch das Ende das erste und zweite Buch in neuem, anderem Licht erscheinen und ihre Tiefe auf wunderbare Art im Nachhinein offenbaren. Ich muss zugeben, dass es mir beim Lesen anfangs nicht leicht gefallen ist, ein Gefühl für die Figuren zu entwickeln, aber wie man auch im Leben Zeit braucht, um jemanden kennen zu lernen, so enthüllen in diesem großen Roman die schöne Malaika al-Dschanub, der Engel des Südens, sowie ihre Freunde und Feinde nach und nach ihre Persönlichkeit. Jetzt, nach der letzten Seite, da ich sie nun alle besser kenne, habe ich große Freude sie auf ihrem Weg durch über 50 Jahre Geschichte des Irak ein zweites Mal zu begleiten. Toll! Wann liest man schon einmal ein Buch gern ein zweites Mal??!!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen poetisch-traurig-tolles Buch 30. Januar 2012
Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch eine Besprechung in einer Tageszeitung. Najem Wali Roman hat mich fasziniert, dem Irak abseits der heutigen Schreckensnachrichten näher gebracht aber auch sehr traurig gemacht. Man leidet mit den Protagonisten, verpürt Hass auf dieren Peiniger, man weiß nicht mehr genau was ist Fiktion und was ist der autobiografische Anteil. Wali gelingt ein zusammenfassendes Bild der Geschichte des Südiraks anhand der dort beschriebenen Gemeinschaft, seine ehemalige Vielfalt und der Tragödie, die sich dort ereignet hat und immer noch andauert. Das Buch gibt den Menschen Gesichter, Wali schreibt sehr bunt und lebendig. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand lassen. Keine Seite zuviel,keine zu wenig. Eine schöne Sprache. Daher von mir fünf Sterne.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hervorragend 29. Januar 2012
Ich bin von Najem Wali zutiefst beeindruckt. Sein Buch "Engel des Südens" fiel mir durch eine Buchbesprechung auf. Er beschreibt darin die Lage im Irak in den letzten Jahrzehnten. Wer sich dafür interessiert, sollte dieses Buch lesen. Darüberhinaus jedoch ist dieses Buch ein Kunstwerk. Es vermag, die Komplexität der politischen Situation und Entwicklung in einer höchsten Differenzierheit so darzustellen, dass die Leser, die bereit sind, sich dieser Qual, die das irakische Volk erdulden muss(te), auszusetzen, zutiefst ergriffen und zugleich verständnisvoll mit sehr viel Wissen das Buch beenden. Najem Wali gehört zu denen, die bereit sind, alles zu riskieren, um die Liebe und Menschlichkeit zu erhalten und den Frieden zwischen den Völkern zu schaffen. Mein höchster Respekt gilt Najem Wali. Übrigens: N. Wali ist auf Lesereise!
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