2001 lieh mir ein guter Bekannter die CD - Enemy Of The Music Business - von Napalm Death aus, und teilte mir dabei mit, dass dieses Album wesentlich melodiöser wäre als die früheren Sachen der Band. So legte ich die CD mehr oder weniger ahnungslos in meinen Player ein - wobei ich hier vielleicht noch erwähnen sollte, dass ich kurz zuvor in einer guten Lautstärke - The Dark Side Of The Moon - von Pink Floyd hörte - und ging auf die Toilette (was ein Fehler war) - denn gleich darauf erschütterte ein ohrenbetäubender Lärm mein Wohnzimmer, mein Waschbecken verließ fluchtartig das Badezimmer und der Gips bröckelte schockiert von der Decke.
"Melodiöser?", dachte ich, während ich in Rekordzeit meine Notdurft verrichtete, und mich beeilte den Lautstärkeregler meiner Stereoanlage so schnell wie möglich nach unten zu regulieren, um eventuelle Boxenschäden zu vermeiden. Der markerschütternde Radau von dem Lied - Taste The Poison - (wie zutreffend) - bei dem wahrscheinlich noch nicht einmal Beethoven die Nuance einer Melodie erkannt hätte - hörte sich für mich an, als würde ein Presslufthammer gerade mit einer Kreissäge den Beischlaf vollziehen, während ein Winkelschleifer eine Bohrmaschine rasiert. Unweigerlich fing ich an zu lachen, und war überrascht mit welcher Art von Musik man auch Geld verdienen kann.
Das dritte Lied - Constitutional Hell - beginnt mit einem Geräusch, das entsteht wenn man im Badzimmer mit der Schlagbohrmaschine frontal in die Steckdose hineinbohrt, und gleich darauf nicht nur der FI-Schalter, sondern auch die Sicherung eines kompletten Wohngebietes rausfliegt. Der Hörer läuft hier ebenfalls Gefahr, durch die enorme Wucht der Töne direkt durch das geöffnete Fenster auf die Straße hinaus katapultiert, und von einer Dampfwalze überfahren zu werden. Textlich beschäftigt sich Napalm Death damit, dass sich der Mensch in allen Lebensbereichen aber vor allem in der Arbeitswelt seine eigene Hölle konstituiert (schafft), in der es alles gibt, außer Anstand, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Verständnis und Mitmenschlichkeit. Dieses Lied ist eine zutreffende "Hommage" für jeden schlechten Arbeitgeber oder Chef, bei dem man sich dann auch noch drei Titel später mit - Thanks For Nothing - in gebührender Form bedanken kann (darf).
Enemy Of The Music Business - ist ein Album, das sich nicht nur sehr gut dafür eignet schlechte und unseriöse Arbeitgeber oder täglich nervende Callcenter in die Hölle zu schicken, sondern das auch dem Titel ' The public gets, what the public doesn't want - voll und ganz gerecht wird, denn schlechte und unseriöse Arbeitgeber, bzw. nervende Callcenter braucht wirklich keiner, aber leider bekommt die Gesellschaft oftmals immer nur das, was sie wirklich nicht braucht.