Es ist ein schweres Los eine Über-Album wie "dead heart in a dead world" zu übertrumpfen.
Und wahrlich, der erste Hördurchlauf von EOR ist eine wahre Zumutung. War man vom Vorgänger schöne, stakkato-artige, melancholische Thrash-Juwelen gewohnt(die man von Nevermore nach "Dreaming neon black" ebensowenig erwartet hätte), so ist die jetzige Spielart deutlich vom Death-Metal geprägt. Insbosondere das, nach dem ebenso genialen, wie auch harten Opener "Enemies of Reality" tönende, "Ambivalent", lässt beinahe ganz vergessen, dass dies der Selbe Gitarrist ist, der das schöne "Belive in nothing" vom Vorgänger komponiert hat.
Das, in einem pausenlosen Übergang anknüpfende "Never Purify" fängt gleich mit seinem einprägsamen Chorus an und könnte ein Überbleibsel der DHIADW-Platte sein. Auch hier wiederum zeigen sich Nevermore gewohnt hart, aber beweisen, dass auch sie ihre Lektion in Melancholie gelernt haben.
Die Halbballade "tomorrow turned into yesterday" hilft einem nach dieser wahren Lawine, wieder auf die Beine und lässt wieder einblicken, dass Nevermore geniale Balladen zu schreiben wissen, die nie schnulzig oder klebrig klingen, sondern eher kraftvoll und erschütternd.
Die beiden Stücke "I, Voyager" und "Create the infinite" sind von gleicher Machart und überzeugen mit genialer Hook-Line und gebieterischen Solo-Höhenflügen von Gitarrist Jeff Loomis, der nebenbei erwähnt, auf der ganzen Platte nicht unbedingt zurückhaltend wirkt, sondern zeigt, das die Synapsen seiner Fingernerven auf Hochbetrieb laufen. Zugegeben manchmal artet es in Griffbrett-Masochismus aus.
"Who decides" ist mehr Metal als Ballade, aber auch hier dominieren schöne Gesangsharmonien und eine gefühlvolle Gitarren-Melodie.
"Das folgende "Noumenon" ist die instrumentale, gesprochene Vorspeise zu "Seed awakening", den wohl schnellsten Song, den Nevermore je geschrieben haben. Und was soll man sagen?
Dieses Album ist von vorne bis hinten ein wahrer Ohrenöffner.
Warral Dane macht das, was er am besten kann, nämlich so singen, wie sich Chamälions färben.
EOR ist eine klasse Platte, aber wer Dead Heart...2 erwartet hat wird entäuscht. Nicht weil EOR den Standard nicht halten kann, sondern weil es soviel anders ist. Nachdem man sich damit arrangiert hat, findet man EOR bestimmt auf seine Art genauso klasse.
Der Sound ist auf der "remixed edition" deutlich akzentuierter als auf der ursprünglichen Version, und somit auch klarer.