Radio 4 haben eine neue Platte? Schön, schön, denkt man sich und ist gespannt, welche Friemeleien elektronischer Art diesmal hinzugekommen sind. Hört, und ist überrascht, einen Sound vorzufinden, der stark an das wenig beachtete erste Album "The New Song And Dance" erinnert. Nur noch eine Stufe besser.
Klar pressen sich einem unmittelbar Vergleiche ins musikalisch überreizte Hirn: Vergleiche mit den Editors, den Dead 60s und vor allem mit Gang Of Four. Zugegeben nicht die einzige Band heutzutage, die die Tendenz hat, wie Gang Of Four zu klingen. Der Unterschied zu heutigen Nachahmern ist jedoch, dass Radio 4 bereits im Jahr 2000 derartige Klangähnlichkeiten hervorbrachten.
Mit dem zweiten Werk "Gotham!" aus dem Jahr 2002 kam die verdiente Beachtung, nicht nur seitens der New Yorker Hörerschaft. Besonders ihre dynamischen Live-Shows ließen die Fangemeinde der Band immer weiter wachsen. Einen nicht unwichtigen Beitrag dazu lieferte auch die Single "Dance To The Underground", mit der sich Radio 4 musikalisch dem Tanzverbot von NYCs Bürgermeister Giuliani widersetzten und damit vielen aus der Seele sprachen.
Nachdem sich für die Aufnahmen der dritten Platte "Stealing Of A Nation" (2004) ein Keyboarder und Percussionist der Band anschlossen, war das Ergebnis dementsprechend komplexer. Man wollte den ausgeweiteten Soundhorizont herausfordern und setzte dies auch mit Bedacht um. Heraus kam ein von instrumentellen Experimenten dominiertes Album mit elektronischen Feinheiten.
Mit dem neusten Werk "Enemies Like This" besinnen sich Radio 4 zurück auf das, was auch ihre Live-Gigs ausmacht. Indierock mit einer kräftigen Portion Schmackes und Retro-Note wie "Packing Things Up On The Scene", verfeinert mit einer Prise Dub, die bei "Ascension Street" auch deutlicher hervorsticht. Das alles professionell abgemischt vom Produzenten Jagz Kooner, der auch schon für Kasabian, Soulwax und Primal Scream seine Mix-Künste zum Besten gab.
Was die Songtexte betrifft, so haben diese, verglichen mit den Vorgängern, an politischer und sozialkritischer Thematik abgespeckt. So ganz können Radio 4 die Finger aber nicht von diesen Punkten lassen, doch diesmal ist alles sehr viel persönlicher. Beim Schreiben der Lyrics hätte die Band laut Sänger Anthony Roman versucht, sich am Stil der "spontanen Prosa der Beatniks" zu orientieren.
Herausgekommen sind Songs, die unter beiden Gesichtspunkten, sowohl dem politisch-sozialkritischen als auch dem persönlichen, interpretiert werden können. So erzählt die erste Single "Enemies Like This" davon, wie gerade die vertrautesten Menschen zerstören und enttäuschen können. "Everything's In Question" ist unter anderem ein Liebeslied, das sich gleichzeitig Metaphern aus dem militärischen Bereich bedient.
Radio 4 werden mit ihrem neuen Werk wegen des angesagten Sounds sicherlich neue Anhänger hinzugewinnen. Vor allem aber werden auch ihren alten Fans wieder aufmerksamer hinhorchen. - Maggie Gernatowski -