1968 richtet ein Unbekannter in Stockholm spät nachts, in einem menschenleeren Winkel der Stadt, ein Massaker an ganz gewöhnlichen Passagieren in einem ganz gewöhnlichen Linienbus an, mit einem MG außergewöhnlicher Bauart. Acht Passagiere sind sofort tot, und der neunte stirbt einen Tag später im Krankenhaus. Einer der Toten wurde dermaßen zugerichtet, dass man ihn wochenlang nicht einmal identifizieren kann. Und eines der Opfer war Martin Becks jüngster Kollege Ake Stenström. Viel mehr weiß man lange Zeit nicht, und allmählich verliert sogar die Boulevardpresse das Interesse an der Sensation.
Für die Ermittlung wird ein prominent besetztes Team zusammengestellt; sogar auswärtige Kollegen finden sich widerwillig im ungeliebten Stockholm ein: Nordin aus dem friedlichen Lappland, und Månsson aus Malmö. Meist sind diese beiden zwar damit ausgelastet, sich im vorweihnachtlich hektischen Stockholm nicht zu verirren, doch am Ende tragen auch sie ihr Teil zur Lösung des Falles bei. Aber eigentlich hat Stenström den Fall postum gelöst... Um das allerdings herauszufinden, müssen Beck, Kollberg, Melander, Larsson und Rönn erst einmal vielen Holzwegen folgen.
Ermittlungen und Befragungen ergeben nämlich zwar viel Aufschlussreiches über das, was sich hinter so manch anständiger Fassade verbirgt, aber mit dem Massenmord hat das alles nichts zu tun. Nur eines kristallisiert sich allmählich heraus: Die Morde müssen irgendwie mit einem der Passagiere zusammenhängen -- und mit Stenström.
Die Anhaltspunkte für die Fahnder sind spärlich, die Fahndung hat sich bald festgefahren. Zu lachen haben die Polizisten jedenfalls erst einmal nichts, auch wenn der Originaltitel übersetzt "der lachende Polizist" lautet, nach einem alten schwedischen Schlager.
Jeder der Ermittler beginnt nun für sich, anhand der Fakten sich seine persönliche Hypothese über den Mord zurechtzulegen -- und wie sich am Ende herausstellt, hatten sie auch fast alle irgendwie recht. Nur fehlt ihnen lange Zeit die entscheidende Idee, um all die losen Fäden zusammenzubringen.
Sjöwall und Wahlöö schaffen es, diese mühselige Kleinarbeit spannend zu schildern: Man schließt sich abwechselnd den einzelnen Hypothesen an, um sie wieder zu verwerfen; man wird en passant durch das Stockholm von 1968 und seine Milieus geschubst und stellt immer wieder verblüfft fest, wie zeitlos gut diese Krimiserie doch ist. In der neuen Übersetzung von Paul Berf ist dieser Krimi sogar noch besser: Nicht nur liest er sich jetzt flüssiger, nicht mehr so ungelenk wie ehedem. Vor allem klingen die Dialoge viel lebendiger, und dass die Handlung so ziemlich alle Gesellschaftsschichten durchquert, wird nun auch in den Sprechweisen der einzelnen Figuren deutlich: Ein türkischer Gastarbeiter radebrecht glaubwürdig (aber nicht übertrieben), ebenso ein Schweizer; eine alkoholabhängige Dame der besseren Kreise versucht in der Vernehmung nun auch sprachlich, die Contenance zu wahren; der nervtötende Paragraphenreiter Ullholm und der gutmütige Norrländer Rönn müssen gemeinsam einen Sterbenden vernehmen, der seine Jugend in den USA verbracht hat...
Wie immer bei den Neuübersetzungen der Sjöwall-Wahlöö-Krimis gibt es auch hier ein Vorwort von einem heutigen Nachfolger und Bewunderer; diesmal hat ein begeisterter Kjell O. Dahl das Wort. Dieses Vorwort lohnt die Lektüre, um sich klarzumachen, dass "Endstation für neun" einer der ersten Krimis ist, der klassische Versatzstücke wie z.B. dunkle Vergangenheiten und rätselhafte Identitäten in ganz neue Zusammenhänge stellt. Herausgekommen ist eine Studie über die Schattenseiten der schwedischen Gesellschaft quer durch alle Schichten. Und ein Krimi allererster Güte natürlich.