Heiß, drückend und ohne Hoffnung: "Endstation Louisiana" von Lucius Shepard ist ganz bestimmt kein leichter Sommerroman für zwischendurch. Mit einem guten Gefühl für den richtigen Ton zwischen niveauvoller Literatur und unheimlichem Horrorinhalt lässt Shepard seine Geschichte um Erlösung und Hoffnungslosigkeit auf ein ungewöhnliches und bedrückendes Ende zugehen. Er dringt nicht sehr tief in seine Figuren, ihre Vergangenheiten und ihre Motive, deutet vieles nur an und schafft so eine unwirkliche, diffuse Realität, die dem Leser zusetzt.
Die Stadt und die Menschen darin entbehren den gewöhnlichen Eigenschaften und Beweggründen. Der Autor schafft eine Realität in der Realität, eine Gesellschaft innerhalb der Gesellschaft, die unabhängig von dieser lebt, ihre eigenen Regeln hat und trotz ihrer Außergewöhnlichkeit doch einen festen Platz innehat. Trotz der nur 157 Seiten gelingt es Shepard gut, realistisch und zugleich ominös die Ereignisse zu schildern. Der letzte Kniff fehlt allerdings; die Eigenheiten sind etwas zu latent vorhanden, die Andeutungen sind etwas zu knapp ausgefallen. Manchmal wünscht man sich ein paar Informationen mehr, um das Geschehen besser nachvollziehen zu können.
"Endstation Louisiana" besticht durch einen tollen, für das Genre ungewöhnlich niveauvollen Stil und einen einfachen, aber wirksamen Handlungsverlauf. Dass die Geschichte manchmal etwas zu oft nur an der Oberfläche kratzt, obwohl Ansätze einer sehr tief gehenden, intensiven Handlung zu erkennen sind, ist etwas schade, beeinflusst aber nicht das Lesevergnügen. Ein Buch, so schwül wie das Wetter in den Südstaaten.