Pressestimmen
Kürzlich fand für das versammelte halbe Hundert Menschen an der Zentral- und Landesbibliothek Berlin eine ungemein interessante, da besondere Buchvorstellung statt. Der ungarische Autor und Übersetzer Sándor Tatár (*Budapest 1962) promovierter Hungarologe und Germanist, und der deutsche Herausgeber des Buches, Paul Alfred Kleinert (*Leipzig 1960), selbst Autor und einer der Nachdichter der im Band enthaltenen Gedichte, stellten Tatárs Buch "Endlichkeit mit bittrem Trost" vor. Tatár zuzuhören war etwas Außergewöhnliches. Das gewählte Deutsch des Ungarn, die fließenden, in grammatikalisch exakter und außerordentlich dichter Diktion vorgetragenen Sentenzen Tatárs erfassten und überraschten das Publikum gleichermaßen - die von den deutschen Nachdichtungen flankierte Lesung der ungarischen Originaltexte ließen aufhorchen. Nicht zuletzt durch die kundige und einfühlsame Art der Fragestellung des Herausgebers während des immer wieder aufgenommenen Gespräches, das sich wortwörtlich "zwischen den Texten" abspielte, erhielten die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer einen guten Einblick in literarische und kontextuelle Zusammenhänge des Vorgetragenen. Die Gedichte, voll der Anklänge und Bezugnahmen auf ungarische Literatur, geben in ihrer gedrängt gedanklichen Form Ausdruck einer ungewöhnlich intensiven Auseinandersetzung mit Lebensabläufen, Erfahrungen und deren Widerspieglungen mit hohem Bewusstseinsgrad. Der Abend war ebenfalls eine Würdigung der am Buch beteiligten Nachdichterinnen und Nachdichter, die expressis verbis vom Herausgeber vorgetragen wurde. So bekannte Namen wie Annemarie Bostroem, Günther Deicke (1922-2006), Heinz Kahlau oder Irene Rübbert (1955-2003) sind als Nachdichter/innen im Band versammelt, eine hervorgehobene Würdigung erfuhr zudem der Doyen der ungarischen Kulturvermittlung, Paul Kárpáti, auch er mit Nachdichtungen am Band beteiligt. Insgesamt las sich die Versammlung der am Buch beteiligten Nachdichter/innen ohnehin wie ein "Who is who" der Nachdichtung ungarischer Lyrik - neben den bereits benannten sind da Orsolya Kalász (selbst Herausgeberin einer wichtigen Anthologie ungarischer Zeitgenossen), Karl Messer, Richard Pietraß, Christian Polzin, Monika Rinck und Peter Zalán. Das (sehr knappe) Nachwort (eher ein Streiflicht) zum Band schrieb György Dalos, im deutschsprachigen Gebiet wahrlich kein unbekannter Autor; Graphiken zum Buch schuf der Maler und Graphiker Volker Scharnefsky (*Berlin 1960). Der Band selbst kann auch in buchtechnischer Hinsicht als gelungen bezeichnet werden - Festeinband mit Schutzumschlag, gutes Papier und Fadenheftung sprechen hier für den Engelsdorfer Verlag Leipzig und dessen "pernobilis-Edition"; der anwesende Verleger Tino Hemmann (selbst Autor etlicher Werke) fand ebenfalls eine verdiente Würdigung an diesem Abend. Die Zuhörer gingen am Ende der Veranstaltung mit dem Gefühl nach Hause, dass hier eine gelungene Gemeinschaftsarbeit auf hohem Niveau einem bislang im deutschsprachigen Raum eher unbekannten Dichter, von dem in Zukunft wohl noch einiges zu erwarten steht, zu einer bleibenden Stimme verholfen hat. Werner Berger (PESTER LLOYD vom 08.11.2006)
Kurzbeschreibung
Sándor Tatár Endlichkeit mit bittrem Trost ungarisch / deutsch in Übertragungen und Nachdichtungen von pernobilis edition im Engelsdorfer Verlag Leipzig MMVI Die Nachdichter(inne)n in alphabetischer Reihenfolge: Annemarie Bostroem Günther Deicke Heinz Kahlau Orsolya Kalász Paul Andreas Kárpáti Paul Alfred Kleinert Karl Messer Richard Pietraß Christian Polzin Monika Rinck Irene Rübberdt Péter Zalán Nachwort: György Dalos Graphische Gestaltung: Volker Scharnefsky Festeinband, 16 x 24 pernobilis edition, Leipzig