Aus der Amazon.de-Redaktion
Und endlich unendlich lautet der programmtische Titel der neuen CD von Selig, Die Belegschaft von Selig hat sich entschlossen, es nochmals miteinander zu versuchen. Zur Grundsteinlegung ihres neuen Beziehungstempels haben sie das Album
Und endlich unendlich herausgebracht. Natürlich haben die Tiger im Laufe der zurückliegenden zehn Jahre ein paar Zähne verloren, weshalb die aktuelle Scheibe mit weniger Biß daherkommt, als die Vorgänger. Die Herren um Jan Plewka sind derzeit eben insgesamt mehr auf Harmonie gepolt und mit der Aufarbeitung ihres Beziehungscrashs beschäftigt: “Zu viel und nie genug. Hab mich selbst im Selbstbetrug hin und her verirrt“ bekennen sie reumütig in einer Textzeile des Songs “Ich fall in Deine Arme“, einer ungwöhnlich soften Midtempo-Nummer. Selbsterkenntnis ist ja bekanntlich ein erster Anfang in die richtige Richtung. Selig befindet sich in der Situation von Paaren, die sich einst getrennt haben, weil sie nicht miteinander konnten und sich Jahre später eingestehen müssen, dass sie nicht ohne einander können.
Und endlich unendlich ist ihre Bestandsaufnahme von all dem, was an Verbindendem noch vorhanden ist. “Lange lebe die Nacht“ in gewohnt härterer Gangart, als Erinnerung an vergangene Zechereien, -na also, geht doch noch- ebenso wie das punk-rockige “Du siehst gut aus“, das den Beweis antritt, dass Schönheit immer in den Augen des Betrachters liegt, erst recht um vier Uhr morgens in einer Kaschemme, aus dem niemand allein nach Hause gehen muss.
Und endlich unendlich vereint bluesige Klänge mit harten Tönen des Hippie-Metal und stimmungsreiche Nummern wie “Schau schau“ und “Wiedersehen,“ Über allem steht die Message, sich in jungen Jahren nicht zu schnell aufs Altenteil zurückzuziehen, sondern lieber mit etwas weiter zu machen, was man wirklich gut beherrscht, zum Beispiel Musikmachen wie Selig auf
Und endlich unendlich. -
Andreas Schultz
Kurzbeschreibung
Das neue Jahr beginnt mit einer musikalischen Sensation: Selig haben wieder zueinander gefunden! Damit meldet sich eine der wichtigsten deutschsprachigen Rockbands der neunziger Jahre zurück. Natürlich in der Originalbesetzung, denn Selig haben ja noch nie halbe Sachen gemacht. Und schau: Mit „ Und Endlich Unendlich“ ist ihnen ein glückseliges, kompromissloses Album voll großer, unerschrockener und leuchtender Momente gelungen.
Die Hamburger Band, die uns die Grunge-Ära mit Klassikern wie „Sie hat geschrien“, „Ohne dich“ und „Ist es wichtig“ versüßte, traf sich letztes Jahr in einem Berliner Studio, um nach einigen Vorgesprächen einfach mal auszuprobieren wie es so wäre, die Band neu zu starten. Und sofort gerieten unsere Helden in einen magischen Rausch, den sie nach all den Jahren - in denen sie ihre eigenen erfolgreichen Wege als Produzenten, Komponisten, Schauspieler, sowie Musiker in anderen Bandprojekten, gingen – nicht mehr für möglich gehalten hätten.
Ja, es knistert noch in ihren Venen! Mehr noch: Seligs neue Lieder sind kraftvoller denn je. Denn die virtuosen Musiker nehmen die Erfindungen, die sie beim Jammen machen, gerne auch mal sofort in den Endsound mit auf. Deshalb klingt diese so einfühlsame wie erhabene Rockmusik (die ihre Wurzeln im 1970er-Jahre-Blues-und Prog-Rock hat) so unglaublich energetisch. „Es liegt eine starke Wahrheit in dem Moment, in dem man die Erfindung macht“ erklärt die Band; klar also, dass man die Basics des Albums auch live einspielte. Ganz im Sinne von Seligs Band-Mantra: „Lass uns jetzt und hier leben“. Und das hat sich, laut Sänger und Texter Jan Plewka, im Laufe der Jahre eher noch bestätigt. „Die Kraft des Augenblicks zu fühlen, ist das Schönste im Leben.“
Auf dem neuen Album finden wir sie als hellsichtige Wanderer der Nacht; auf einer Erkundungsreise durch den Tag. Die Single-Auskopplung „Schau Schau…“ zum Beispiel lässt einen so positiv in den Tag starten, dass man Berge versetzen könnte. Vom „windigsten und höchsten aller Berge“ aus, hebt Jan Plewka darin seinen Kopf, um in den Tag zu schau`n: „Und ich schau, schau, schau in den Morgen, aus so vielen Welten zusammengewebt.“ Wow! Songs, die einen spüren lassen, dass sich die Wirklichkeit bewegt, wenn man sie anstößt. Und die gleich mal klarmachen, warum man die Hamburger Band - seit ihrer offiziellen Auflösung 1999 - so vermisst hat: die Freiräume, die sie mit ihrem „Hippie-Metal“ (Selig über Selig) beschreiten, haben wir nötiger denn je! Denn Seligs Musik steht heute einer neoliberalen Welt aus Zwang und Angst entgegen.
Die zwölf Kompositionen entwickeln einen meditativen Sog. Und verfügen über die fast schon buddhistische Fähigkeit, sich zu sammeln und dadurch neu und unschuldig zu werden. Eingetaucht in eine himmlische und weit gereiste Begriffswelt aus großen Worten: “Und ich sehe uns schwimmen, durch die Himmel, noch einmal.“ Zeilen einer Band, für die große Emotionen eine Herausforderung sind, und kein Grund sich zu verstecken. Erfahrungsreich und ursprünglich zugleich.
Und by the way: Jan Plewka ist mit seinem Timbre aus Rio Reiser, Eddie Vedder und, of course, Jan Plewka kein gewöhnlicher Sänger. Er ist vielmehr ein beseelter Emotionendarsteller, der genau weiß, in welchen Farben er die Töne ausmalen muss, um Wirkung zu erzeugen. Und auch Christian Neanders Gitarrenspiel ist nicht von schlechten Eltern. Jimi Hendrix und John Frusciante in den Fingern, folgt er seinen eigenen Weisheiten. Dies unerschöpfliche Etwas, das aus seiner Gitarr