Uwe Kaa ist, wie schon häufig erwähnt, einer der Veteranen in der deutschen Reggaelandschaft. Vor nicht einmal einem Jahr fiel für ihn die Entscheidung, nicht mehr mit seiner Crew Roots Rockers ein neues Album aufzunehmen, sondern alleine. Schon am 31.10. wird jetzt sein erstes Soloalbum Endlich Single" veröffentlicht. Nicht gerade leicht an die Erfolge und die Qualität der alten Veröffentlichungen heranzukommen, der Titel klingt jedenfalls trotzdem schonmal sehr selbstbewusst. Mal reinhören, ob das berechtigt ist.
Tracklist:
1.Hallo Deutschland
2.April bis März
3.Nie genug (feat. Phenomden)
4.Freundin
5.Besser geht's kaum
6.Allein
7.Mein Ganja
8.So sweet
9.Tut gut
10.Wir leben laut
11.Das Mic
12.High Grade
13.So wie ihr
14.Dancehall Story (Yum Yum Edit)
Der Titel Endlich Single" scheint für Uwe Kaa bei der Produktion recht wichtig gewesen zu sein. Außer Phenomden gibt es kein Feature. Wenn man da an das Tanzen und Schrei'n" Album denkt, stellt allein dieser Fakt schonmal einen gewichtigen Unterschied dar. Auf der Produzenten Seite zeigt sich Uwes Solo Debüt allerdings sehr vielseitig. Riddims wurden beigesteuert von Irievibrations, Andybee, DJ Chrome, der Oneness Band, den Scrucialists und Jstar aus London. Das Album ging also über viele europäische Grenzen und verspricht stilistisch mindestens genauso abwechslungsreich, wie das alte Roots Rockers Album, zu sein.
Es sei schonmal angekündigt, dass Irievibrations Records seine Erfolgssträhne fortgesetzt hat. Nach wirklich hochkarätigen Selections, ihrem eigenen Album und dem wunderbaren Perfect Album Born Dead With Life" haben sie es, mit Uwe Kaas Endlich Single", geschafft die Qualität weiter aufrecht zu erhalten und Reggae Deutschland/Europa ein Highlight für das Jahr 2008 zu liefern.
Uwe Kaa singt sich 14 Tunes lang fast alleine durch seinen Langspieler und liefert thematisch eine große Vielfalt. Liebe, Frauen, Glaube, Ganja, Party und Sozialkritik ... kurz gesagt, fast alles was man von einem Album dieser Art erwartet ist vorhanden. In den Texten kommt er großteils ohne Platitüden oder den bösen erhobenen Zeigefinger aus. Es wird viel gesagt aber dies meist auf so charmante Art, dass man sich nie wirklich ertappt oder gar angeklagt fühlt. Realitätsnaher oder sagen wir Hörerohrenfreundlicher kann man manche Inhalte wohl kaum verpacken. Musikalisch steht sich das Ganze auch in nichts nach. Viele Songs sind und bleiben seit dem ersten Hören ein Ohrwurm und brennen sich schnell ins Hirn. Lange habe ich gebraucht, um überhaupt zum Ende des Albums zu gelangen, da ich viel zu häufig auf Repeat schalten musste. Uwe versteht es auch auf die unterschiedlichsten Riddims und Untergenres zu reiten und nutzt seine Stimme, seinen Flow und vor allem eingängige Melodien in jedem der 14 Stücke dazu, alles dance-, party- oder chilltauglich zu halten. Ein Skiptrack ist für mich bisher nicht auszumachen.
Die einzigen Punkte die ich an dieser LP bemängeln könnte und möchte wären, dass man Uwe teilweise immer noch seine Hiphopabstammung anmerkt und dass das gesamte Album vielleicht fast zu glatt klingt. Für mich und mein Empfinden wurde mit Endlich Single" deutschsprachiger Reggae und Dancehall aber wieder auf ein neues Level getragen.
Ob er in Freundin" eines der größten Probleme fast aller Männer besingt, in Allein" neben seinem Glauben auch noch harte Gesellschaftskritik an den Mann und die Frau bringt, mit Mein Ganja" auf einem dancehalligeren Riddim klar macht, dass bei ihm kein Polizist was finden wird, er sich mit So wie ihr" von all den Hypocrites abgrenzt oder ob er mit Phenomden die alten Sounds der Dancehall wieder aufleben lässt und davon Nie genug" bekommt, Uwe Kaa kommt auf Albumlänge ohne peinliche Momente aus und bleibt immer sehr eingängig. Das Album hat definitiv eine große Hörerschaft verdient und legt die Messlatte für kommende Veröffentlichungen im deutschen Raum wieder ein wenig höher. Ich bin mir sicher, dass die CD zumindest bei mir noch einige Zeit rotieren wird, allein deshalb wäre es sehr wünschenswert wenn noch eine LP Version nachgeschoben werden würde.