Die Kernthese der Autorin lautet: Schulden und Überschuldung haben ihre Ursache immer in einem falschen Umgang mit Geld. So zählt sie auf Seite 18 ihres Buches als mögliche Gründe für Überschuldung unter anderem auf:
- Mangelnde Vorsorge für Wechselfälle des Lebens
- Trotz geringer gewordenes Einkommen bei den gewohnt hohen Ansprüchen bleiben.
- Shopping als Freizeitgestaltung.
- Mithalten wollen mit anderen Menschen.
Diese Kernthese stimmt in gewisser Weise immer, weil sie so unendlich trivial ist. Wer dauerhaft über seine Verhältnisse lebt, häuft Schulden an und ist irgendwann überschuldet. Die Banalität dieser Aussage würde sofort offenbar werden, wenn man die Verhältnisse - und ich möchte hinzufügen, Schicksalsschläge, genauer betrachten würde, unter denen Menschen in die Überschuldung geraten. Eine solche Betrachtung von kritischen Lebenssituationen, die in eine heillose Verschuldung führen können, wird von der Autorin gestreift, aber nicht eingehend behandelt. Die empirische Ursachenforschung von Überschuldung weißt als Hauptgründe Arbeitslosigkeit, Scheidung und Krankheit aus. Laut Statistischem Bundesamt liegt die unwirtschaftliche Haushaltsführung zusammen mit der gescheiterten Selbstständigkeit auf Platz 4 der Gründe für Überschuldung. Hedwig Kellner stützt aber den überwiegenden Teil ihres Buches auf der Behauptung unwirtschaftlicher Haushaltsführung als Hauptgrund für Schulden und Überschuldung ab. Das erfüllt auch insofern seinen Zweck, als so die variantenreiche Ausbreitung alter Volksweisheiten (Spare in der Zeit, dann hast du in der Not!) seinen Zweck erfüllt. Das Ganze wird dann noch mit zahlreichen illustren Anekdoten angereichert, aus denen die Autorin ihre Ratschläge ableitet. Man kann sich dabei nicht des Eindrucks erwehren, dass die zahllosen Anekdoten auch den Zweck erfüllen, dem Buch schlichtweg Volumen zu geben. Aber erfährt ein arbeitslos gewordener Familienvater, was er unternehmen kann, um aus dem geschmälerten Hauseinkommen keine Schuldenkrise entstehen zu lassen? Totale Fehlanzeige! Oder erfährt ein junges Paar, wie es eine Familie auch mit einem vergleichsweise geringen Einkommen gründen kann? Totale Fehlanzeige! Der einzige Wert dieses Buches liegt darin, dass es eine strukturierte Vorgehensweise zur systematischen Erfassung der eigenen Schuldensituation sowie Wege für einen planvollen Schuldenabbau aufzeigt. Das funktioniert so lange, wie noch finanzielle Spielräume vorhanden sind, aus denen man heraus den Gläubigern Ratenzahlungsangebote für den Schuldenabbau machen kann. Wenn die Schuldenfalle aber wirklich zugeschnappt hat, also die Überschuldungssituation faktisch eingetreten ist, lautet der Rat der Autorin, sich an einen Schuldenberater der öffentlichen Wohlfahrtseinrichtungen zu wenden, weil diese kostenlos beraten würden. Verschwiegen wird, dass bei den öffentlichen Schuldnerberatungen mit Wartezeiten von mehr als einem halben Jahr gerechnet werden muss. Sie rät davon ab, die seriöse Hilfe von Rechtsanwälten in Anspruch zu nehmen, weil das einige Tausend Euro kosten könne. Bei sorgfältiger Recherche hätte die Autorin erfahren können, dass für die außergerichtliche Schuldenbereinigung laut Gebührenordnung für Rechtsanwälte maximal ¤ 580 vorgesehen sind.
Fazit: Das Buch geht an der Lebenswirklichkeit von Schuldnern weitgehend vorbei. Es ist oft oberflächlich. Wichtige Themen, die im Detail behandelt werden müssten, werden nur gestreift. Der Mehrwert für Schuldner und Menschen mit Überschuldungsproblematik ist ausgesprochen gering.