Zuerst war ich skeptisch - aber als ich beim Anlesen merkte, dass der Autor auf einer halben Seite Kant wiederlegte, um dann auf eineinhalb Seiten über die Schädlichkeit solcherlei Denkens zu räsonnieren, war ich überzeugt - das schaffen nur Nichtdenker.
Die Botschaft des Buches ist einleuchtend: Durch Denken verbaut man sich Karrierechancen, Denken macht einsam, führt zu Langeweile, senkt die Chancen ins Fernsehen zu kommen und macht hässlich. Durch Nichtdenken hingegen gewinnt man Kraft, Reichtum, innere Ruhe, Selbstvertrauen und -achtung, Mut, Gesundheit und Sex. Da hätte man auch selbst drauf kommen können - ist man aber nicht. Und warum? Weil man gedacht hat.
Was in der Politik schon seit gut 2 Jahrzehnten gang und gäbe ist und auch in der Wirtschaft zunehmend beobachtet werden kann, wird hier einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt: dem Nichtdenker gehört die Welt. Dank einer weitsichtigen Bildungspolitik haben wir heute gottseidank schon eine Generation, der das Nichtdenken so leicht fällt wie früheren Generationen das Denken. So richtet sich das Buch auch an diese und will Ihnen den Weg aufzeigen, sich anzupassen und in Harmonie und Frieden mit Ihrer Umwelt zu leben.
Keine Angst, von alldem ist in dem Buch nicht die Rede, es ist kein Politisches. Allerdings merkt man dem Buch an, dass der Autor die Hälfte seines Lebens mit Denken verschwendet hat, seine Ausflüge in die Geistes- und Kulturgeschichte, die Kurzeinführungen in die Gedankenwelt berühmter Denker wirkt ungewollt faszinierend auf den Leser (der ja zwangsläufig Denker ist). Ein schwaches "so sollen sie es auf keinen Fall machen" hilft auch nicht richtig und wirkt manchmal aufgesetzt. Bis einem klar wird, dass auch dies undurchdacht ist. Dennoch wäre es hilfreicher gewesen, auch positive Beispiel berühmter Nichtdenker zu geben, die man ja in Politik und Medien zuhauf finden kann.
Die Trainingsaufgaben am Ende jedes Kapitels sind nicht besonders effektiv, aber vielleicht muss ich sie nochmal durcharbeiten - auf jeden Fall habe ich mir fest vorgenommen, endlich Nichtdenker zu werden.
Da meine Mitrenzensenten unterschiedliche Sterne vergeben haben, ist die Bewertung nicht einfach, ich weiß auch nicht so genau, was jetzt richtig wäre - ich glaube, ich gebe mal 3 Sterne, die Sie aber genausogut als 5 oder einen Werten können, ich bin, und das möchte ich betonen, auf jeden Fall Ihrer Meinung.