ich kann die meinungen der bisherigen rezensenten keineswegs teilen. zwar bin ich noch nicht am ende des buches angelangt - ich habe heute erst zu lesen begonnen und es fehlen mir noch ca. 20 seiten. doch es ist kaum anzunehmen, dass das "augenscheinlich resignierte, frustrierte" oder "dozierende" noch so stark auftreten wird, dass es alles, was ich bisher gelesen habe, überschattet. auch kann ich beim besten willen keinen männerhass entdecken, ganz im gegenteil. frau kubelka spricht voll respekt vom anderen geschlecht.
natürlich wird gerne verrissen, wenn jemand sich an ein gesellschaftliches tabu heranwagt und klar und offen seine gegenposition zur gängigen meinung (eher vorurteilen) erläutert. das ist wie das amen im gebet und so gesehen eine natürliche reaktion. man denke nur an den aufschrei des etablissements, als einer in zweifel stellte, dass die erde eine scheibe sei. - solch ein ketzerischer dilettant aber auch...
ich persönlich habe die erfahrung gemacht, dass alter tatsächlich - ganz egal, auf welcher ebene - sehr relativ zu betrachten ist. und in zeiten, wo etwa ein mickey rourke mit botox-bedingter gesichtslähmung durch die gegend läuft, weil er sich vom (aus meiner sicht sehr krassen) jugendwahn der gesellschaft zu sehr hat beeindrucken lassen, wird es wohl kaum schaden, einmal einen so erfrischenden und beherzten zugang zu dem thema zu lesen.
wenn man defensiv geprägt ist und dazu eine sehr junge frau, kann man die autorin sicher als "angreiferin" missverstehen - so wie man alles in den falschen hals bekommen kann, so nur die bereitschaft hierzu vorhanden ist. dabei könnte diese lektüre gerade auch für junge frauen sehr wohltuend sein und eine ganz neue und positive perspektive im hinblick auf noch kommende jahre und lebensphasen eröffnen.
etwa habe ich nicht den eindruck gewonnen, dass sie junge mütter geringschätzt. eher tritt sie für jene - älteren - mütter ein, die ob ihres alters nur allzu oft sehr schief angeschaut werden. wobei man schon der jungen frau vonseiten der gesellschaft angst und panik einimpft mit unablässigen hinweisen auf ihre "so rasant tickende biologische uhr". und wie wir uns in unserer angeblich so aufgeschlossenen gesellschaft der alten menschen (und somit ihrer lebenserfahrung) "entledigen", sie gar nicht mehr als teil des "wahren und tatsächlichen lebens" ansehen und behandeln - und wie viel von dem, was wir dringend nötig hätten, uns dadurch entgeht - finde ich erschreckend.
wenngleich ich festgestellt habe, dass reife und gelassenheit nicht immer an alter (nicht einmal in jahrzehnten rechnend) und natürlich schon gar nicht an das geschlecht gekoppelt sind - aber letzteres behauptet frau kubelka ja gar nicht -, so durchläuft man als frau doch meist die von ihr geschilderten entwicklungsstadien (und wird, egal in welchem man sich gerade befindet, auch immer nach den gängigen clichés beurteilt, was einigermaßen hart ist und überdies kaum je zutreffend).
ich stimme der autorin aus eigener erfahrung zu, wenn sie (immer wieder übrigens) betont, männer seien von besagten clichés weit unabhängiger in ihren urteilen über frauen, als man landläufig glauben würde. tatsächlich erlebe ich - und nicht nur ich - seit ich selbst vom (inneren) mädchen zur (inneren) frau gereift bin, um wie viel anziehender das auf männer, auch und ganz besonders junge männer zu sein scheint.
die begeisterung des jungen mannes für die herangereifte frau ist einerseits bedingt durch ihre (authentisch gewordene) gelassenheit und selbstsicherheit, welche auch ihn sich entspannter und selbstsicherer fühlen lässt. andererseits findet er sie auch physisch unglaublich anziehend. es ist ein großer irrtum von mädchen und frauen, dass man als frau möglichst auf einen fast knabenhaften körper (als überliefertes idealbild) "hinarbeiten" sollte. der mann liebt das frauliche, genauso wie wir frauen das maskuline. fragen sie die männer. sie werden es ihnen durch die bank bestätigen, der junge genauso wie der ältere.
die meisten frauen mit 40 sind bereits so "versöhnt" mit ihrem körper und auch mit ihrer individualität als persönlichkeit, dass sie nicht mehr so stark von äußeren diktaten beeinflussbar sind. wir frauen fühlen uns umgekehrt ja ebenso angezogen von männern, die nicht ständig an sich zweifeln und sehr leicht zu verunsichern sind. das ist es, was frau kubelka in diesem buch (sehr schlüssig übrigens) aufzuzeigen versucht. ich habe den eindruck gewonnen, dass sie viel mehr beschreibend erzählt als wertend.
ich kenne frauen (wie auch männer), die mit über 60 oder sogar noch mehr jahren unglaublich attraktiv und erfrischend wirken - oftmals mehr als manche sehr junge menschen beiderlei geschlechts, und das in aller natürlichkeit, ohne jeden "jugendwahn".
umgekehrt kenne ich auch sehr reife und mit einem feinen horizont ausgestattete junge menschen (20-jährige) beiderlei geschlechts. frau kubelka trägt mit ihrem buch sehr viel dazu bei, einfach das "schubladisieren nach alter" einmal mehr zu hinterfragen und zu erstarrte denkmuster aufbrechen zu helfen. das ist es, wofür ich dieses buch als sehr wertvoll einstufe in unserer fast schon "zweiklassen-gesellschaft", welche individuen beinhart über eine kamm schert nur auf grund ihres "alt" oder "jung" seins, worauf menschen nur allzu oft und gern reduziert werden.
in einer gesellschaft, in der ich freundinnen, sobald sie 30 (!) geworden sind, nicht mehr zum geburtstag gratulieren darf, so infiltriert sind sie schon davon! - weil die sich "schämen", schon "so schrecklich alt zu sein". junge, intelligente, hübsche frauen mit einer tollen figur und einem super job, man stelle sich das einmal vor! und wozu das alles? an den männern liegt es, wie frau kubelka ja sehr gut vor augen führt (und ich selbst schon oft festgestellt habe) nicht. es liegt an dem übertriebenen jugendkult, der nicht nur die jugend belastet - und überdies sehr nervt - sondern der frauen zwischen 30 und 40 ein selbstbild vermittelt, das von "beginnendem verfall" geprägt ist.
sehen sie sich nur die tv-werbung für ein bestimmtes haarshampoo an. ich zitiere: "xy, für das haar der frau ab 40!" dann wird eine kurve eingeblendet, welche einen bei 40 rapide abfallenden östrogenspiegel darstellt. dann heißt es: "haarausfall ist die folge!" kennen sie eine frau mit 40, die unter haarausfall leidet? ich nicht. auch keine mit 50, 60 oder 70, nicht einmal mit 80.
bei mir ist es punktgenau (!) mit 40 passiert, dass ich begonnen habe, mich gegen solchen unfung zu emanzipieren. und seit ich mich - und andere frauen - gegen dieses bombardement mit (noch dazu retouchierten) "kinder-"models und durch werbung an allen ecken suggerierte bilder immun gemacht habe, haben die männer ihre helle freude an mir, und die frauen ebenfalls. - und ich umgekehrt ganz genauso.
zu lange zeit hatte ich mich von diesen (brutalen - und falschen) urteilen hinunterziehen lassen - und tatsächlich das gefühl, ich hätte meine wertvollste zeit bereits hinter mir, vergeudet, verschwendet, verloren. die autorin hat nur mehr in worte gefasst, was ich aber bereits vor einem jahr (mit 40 eben) erkannt habe. meinen 40. geburtstag habe ich aus oben genannten gründen als befreiung, als neuen start - auf einer gewachsenen basis der erfahrung und erworbenen selbstkenntnis - erlebt. von daher hat mich der titel auch sofort angesprochen. und das buch hat mich nicht enttäuscht. ich kann es nur wärmstens empfehlen.
bevor man über mich aber auch noch herfällt (inzwischen, mit 40, kann ich das aber leicht wegstecken), weil man etwa auch mir unterstellen möchte, ich sei "frustriert" - ganz ehrlich, das war ich wie viele andere interessanter weise mit 30 und mit 20, also in den angeblich so "goldenen jahren" - nur noch eine kleine information, konkret zu meiner obigen aussage bezüglich "zu seinem körper zu stehen gelernt haben": ich habe nach wie vor zarte 60 kilo, ohne mir irgendetwas verwehren zu müssen, ich habe noch immer keine falten, und ich bin überhaupt zufrieden mit meinem aussehen - heute aber viel eher noch als früher, und das ist der punkt, von dem auch frau kubelka spricht.
sie können ja, wenn sie ihr nicht glauben, meine beiden 22-jährigen verehrer fragen - und wohl nicht nur meine. beide tragen weder eine brille noch sind sie von debilität geschlagen, ganz im gegenteil. wohl nicht ohne grund durfte ich mich eine zeitlang mit schweren eifersuchtsattacken seitens der angeblich "einzig attraktiven", nämlich ganz jungen frauen herumschlagen. - o-ton: "was wollen sie alte denn?" - einzig schlüssiger gedanke hierzu: wenn ich eh so steinalt bin, aus welchem grund ist sie dann überhaupt eifersüchtig?
hier wurde unter anderem auch sehr sarkastisch, fast schon zynisch angemerkt, man warte nur mehr auf das buch "endlich siebzig! - den alten frauen gehört die welt!" - ja, warum denn nicht? (ich würde es nur nicht auf frauen beschränken.) ich denke, wenn man 70 ist, hat man, so man sein leben wirklich umfassend gelebt hat bis dahin, einen ganz wunderbaren überblick über vieles gewonnen, sehr viel innere balance und gemütsruhe, und man kann den jüngeren somit eine ganz großartige stütze sein.
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