"Die hat doch einen totalen Hass auf die Welt", meinte neulich eine Bekannte auf einer wirklich gelungenen Geburtstagsparty zu mir, als ich ihr sagte, dass ich gerade Sibylle Bergs "Ende gut" lesen würde. "Muss ich nicht haben", sagte sie dann noch, und ehe ich ihr gänzlich die Laune verdarb, verzog sie sich schnell zum Buffet mit den leckeren Käseschnittchen.
Klar muss man das nicht haben, und sicher gibt es lustigere Bücher (Sven Regener), praktischere Bücher (Tim Mälzer) oder solche mit pseudoakrobatischer Syntax und viel betroffenheitsschwangeren Mittelschichtsneurosen (demnächst wieder live in Klagenfurt zu erleben). Die muss man aber auch nicht haben und werden trotzdem gekauft wie, naja eben.
Aber komisch, nicht nur diese Geburtstagsparty (zufällig ein Vierzigster), nein auch fast sämtliche Talkshows und Journalistenrunden und Nachrichtensendungen zu Themen wie Integration, Demografie, Iran, islamistischer Terror, Flut oder Vogelgrippe, die mich während der Lektüre dieses Buches begleitet haben, waren wie Fußnoten zu dem Text.
Mag ja sein, dass Sibylle Berg einen ziemlichen Hass auf diese Welt (genauer: deren jämmerliche Protagonisten in Politik und Medien) hat, aber ich kenne kein Buch, in dem das einerseits so authentisch, gleichzeitig so visionär herüberkommt, nicht mal bei Houellebecq. Und das bei einer deutschen Autorin. Hut ab, echt! Kennt man doch ein wenig die politisch korrekten Tabuzonen hiesiger Verlage.
Dazu kommt ein reduzierter, gleichwohl aber virtuoser Stil, der der Autorin einen Sprachwitz erlaubt, von dem sich selbst die bissigsten Kabarettisten eine Scheibe abschneiden könnten - wenn sie sich denn trauten.
"Ende gut" ist in der Tat ein ziemlich düsteres Weltuntergangsszenario, leider liegt es näher an der Realität als an der Fiktion. Und klar wollen das alle jene Politiker und Journalisten nicht wahrhaben, die uns seit Jahren von den Segnungen von EU und Euro, Globalisierung und Multikulti erzählen, und sich dann bei Christiansen & Co ihre Aufwandsentschädigungen auszahlen lassen, mit denen ein Hartz-IV-Empfänger mal eben so ein paar Monate über die Runden kommen müsste.
Und eben diesen, aber auch allen anderen nicht gänzlich zum Spaß aufgelegten Zeitgenossen sei die Lektüre dieses Romans dringend empfohlen, auch wenn es schmerzt. Diese Prosa will nämlich weh tun, und das ist trotz des versöhnlichen Endes richtig gut so. Die fetten Jahre sind nämlich wirklich vorbei.