Das Büchlein war ein Zufallskauf in der Buchhandlung. Zuvor hatte ich von diesem Schweizer Schriftsteller noch nie etwas gehört. Auf 109 Seiten sind 40 Eindrücke aus dem Alltag festgehalten. Alle sehr still, teilweise melancholisch, nichts Aufregendes, aber trotzdem lesenswert.
Hier eine kleine Kostprobe. Sie war es auch, die mich zum Kauf bewogen hat:
Die Verkündung
Letzthin, im Zug, direkt neben dir, das elend-fröhliche Digitalpiepsen eines Handys, und du weißt, jetzt wirst du die Seite nicht in Ruhe zu Ende lesen können, du wirst mithören müssen, wo die Unterlagen im Büro gesucht werden sollten oder warum die Sitzung auf nächste Woche verschoben ist oder in welchem Restaurant man sich um 19 Uhr trifft, kurz, du bist auf die unüberhörbaren Schrecknisse des Alltags gefasst - und da kramt der junge Mann sein Apparätchen aus der Tasche, meldet sich und sagt dann laut:
"Nein! - Wann? - Gestern Nacht? - Und was ist es? - Ein Bub? - So herzig! - 3 1/2 Kilo? - Und wie geht es Jeannette? - So schön! - Sag ihr einen Gruß, gell! - Wie? - Oliver? ..."
Und über uns alle, die wir in der Nähe sitzen und durch das Gespräch abgelenkt und gestört werden, huscht ein Schimmer von Rührung, denn soeben haben wir die uralte Botschaft vernommen, dass uns ein Kind geboren wurde.