Barbara Bronnen hat zahlreiche Romane und Features veröffentlicht. Ihr jüngstes Werk heißt "Am Ende ein Anfang". Das Buch erzählt die Liebesgeschichte einer Frau und eines Mannes, die sich vor dreißig Jahren einmal sehr geliebt und sich dann aus den Augen verloren haben. Jetzt treffen sich beide unverhofft wieder. Er, Johannes, war einmal Verlagsleiter, wurde mit Ende fünfzig in den Ruhestand versetzt. Sie, Charlotte, ist Fotografin, arbeitet noch. An einer Stelle sagt sie, ich bin gut dran, kann als Freiberuflerin noch so lange arbeiten, wie ich eine Kamera halten kann und dennoch sind gute Fotos nur möglich wenn innere Kraft und Wahrhaftigkeit noch vorhanden sind.
Beide sind siebzig Jahre. Und ein Liebesroman unter siebzig jährigen ist in der Weltliteratur fast ein Tabu Thema, sieht man einmal von dem armen, alten Ehepaar Philemon und Baucis in Phrygien ab.
Barbara Bronnen wählt als dramaturgische Form den Briefroman. Dabei stell sie an Hand der vielen Briefe dar, wie das Alter, wie sich die Gefühle und Befindlichkeiten von innen heraus zeigen. Dabei interessieren sie nicht nur die Fakten, sondern die Risiken, die damit verbunden sind, im Alter noch einmal aufeinander zu zugehen. Bewusst hat sie dabei eine Liebe genommen, die früher sehr leidenschaftlich war und die sich dann später zu einer zärtlichen Beziehung entwickelt.
Durch den Briefroman lässt sie dabei eine Art Reifungsprozess entstehen. Während sie die Briefe wechseln, werden beide ja älter und zeigen mehr Akzeptanz für das Alt werden. In den Briefen geht es auch um körperliche Nähe. Da heißt es dann einmal, ähnlich wie in Silvia Bovenschens Roman "Älter werden" theoretisch ist alles prima, aber wollen wir es tatsächlich noch? Und wenn dann eine Liebesszene wegen eines Hexenschusses beendet wird, zeigt das, ohne einen gewissen Humor geht es nicht.
Dem Leser wird immer wieder vermittelt, dass die Art wie Mann und Frau das Alter erleben, völlig verschieden ist. Triumphieren werden beide über das Alter nicht, es sei denn, sie pflegen die wohl bedachte Liebe, die nicht auf Leidenschaft, sondern auf Behutsamkeit und Zärtlichkeit begründet ist.
Beide Protagonisten leben von Anfang an in einem Dilemma. Erstens wissen sie, wenn man im hohen Alter zusammen findet, dann bedeutet dies, man hat mit Sicherheit eine zeitlich befristete Liebe vor sich. Und zweitens ist es eine Liebe, die bedeutet, dass man sich vornehmlich emotional stützen muss.
Sicher verhalten sich beide Figuren in dem Roman nicht so, wie man das von den klassischen "Alten" kennt, denn sie rebellieren ja gegen ihre Rollen. Trotz Wehmut und Sehnsucht können beide, alle Ängste, Zweifel, und Peinlichkeiten hinter sich lassen und sich am Ende mit Anmut in die Arme schließen. Das ist bezaubernd, so lebensbejahend und optimistisch, dass dem Leser der begründete Verdacht aufkommt, es bei dieser Liebesgeschichte mit dem Wunschtraum der Autorin zu tun zu haben.