Ich habe das Buch als Gegenposition zu "Bankraub globalisiert" von Peter Haisenko gelesen um eine differenziertere Sicht zu entwickeln. Leider war es dazu völlig ungeeignet. Mir erscheint es wie der übliche Wortschwall, mit dem Sachverhalte verschleiert statt erklärt werden. Am Stil hat mich auch gestört, dass Personen, die anderer Meinung als der Autor sind bzw. deren Aussagen, einfach als dumm bezeichnet werden. Ich erwarte in einem solchen Buch dass Argumente gegenübergestellt und nachvollziehbar bewertet werden.
Bei welcher Konferenz, an welchem Ort der Autor mit wem ein Gespräch geführt hat, scheint ihm wichtig zu sein, mir jedoch nicht. Auch die, wenn auch kurzen, Abschweifungen in die Vita zitierter Personen hilft mir beim Verständnis nicht.
Was mir das Lesen des Buches dann wirklich erschwert hat, war dass auf Seite 18 Hans Tietmeyer als ehemaliger "Präsident der Deutschen Bank" bezeichnet wurde. Auf der nächsten Seite steht dann zwar auch richtig Bundesbank, aber das hat mich bezüglich der Sorgfalt des Autors skeptisch gemacht. In einer vorgetragenen Rede würde mich das als Versprecher nicht stören, aber an ein Buch stelle ich da höhere Anforderungen.
Auf Seite 49 wird das Bruttoinlandsprodukt von Deutschland und China für 2007 mit "etwas über zwei Milliarden Dollar" angegeben. Das sind für Deutschland 25 Dollar pro Kopf. Also habe ich einen Fehler bei der Zehnerpotenz vermutet und beim Statistischen Bundesamt nachgesehen. Dort werden (für Deutschland) 2423 Milliarden Euro angegeben. Das sind beim aktuellen Kurs 3827 Milliarden Dollar (zum 1.7.2005 immer noch 2907 Milliarden). Mit der falschen Zehnerpotenz bzw. der Interpretation des Tausendertrennzeichens als Dezimaltrennzeichen UND der Anwendung des Kurses aus 2005 in die falsche Richtung kommt man dann tatsächlich auf etwas über 2 Milliarden.
Im Laufe des Lesens habe ich das Buch mit Fähnchen bestückt, um die vielen Stellen zu markieren, zu denen ich die angegebenen Daten noch überprüfen will, da sie mir teilweise nicht plausibel erscheinen.
Hoch gelobt wird das amerikanische System, besonders z.B. die einfache Vergabe von "Mortgages", die etwas ganz anderes sein sollen wie Hypotheken. Laut Wörterbuch ist das einfach nur die Übersetzung. "Mortgages" sind aber ganz toll, weil diese gehandelt werden. Wie toll, das findet sich heute unter dem Stichwort "Subprime-Krise", die es damals (2005/2006) natürlich noch nicht gab.
Im Ausland, insbesondere in Ländern mit dem "richtigen" Wirtschaftssystem, wie den USA, wird das deutsche System angeblich nur belächelt. Wie erklärt sich dann ein Artikel in der FAZ vom 16.01.2008 mit der Überschrift "Amerikaner kaufen sich in die Deutschland AG ein", in dem beschrieben wird, dass amerikanische, institutionelle Anleger (seit 2004) massiv in deutsche Aktiengesellschaften investieren?
Herr Münchau hat sein Ziel, "Die 10 Irrtümer der Sozialen Marktwirtschafft" darzustellen, übererfüllt. Das Buch enthält weit mehr als 10 Irrtümer. Leider werden diese aber als Tatsachen dargestellt.
Auf dieser Basis die Änderung der Verfassung und des Wirtschafssystems zu fordern, erscheint mir - vorsichtig ausgedrückt - selbstbewusst.