Aus der Amazon.de-Redaktion
Wenn Mark Oliver Everett alias E einem Album den Titel End Times gibt, dann schwant einem nichts Gutes. Nachdem dieser etwas andere Songwriter Jahre verstreichen, um 2009 mit Hombre Lobo ein sehr lautes, krachendes und erwachsenes Rock-Album zu präsentieren, kehrt der bärtige Mann aus Los Angeles nun wieder in dunklere Spuren zurück. Und das nur ein paar Monate später. Es fängt schon mit dem illustrierten Cover an, das E als alten Graubart zeigt, dessen Blick etwas Leeres und Trauriges hat. Dieses Melancholie kennt man von dem jungen Everett, der damals einen Familieangehörigen nach dem anderen zu Grabe tragen musste. Nun steht E in der Mitte seines Lebens, doch die Melancholie ist nicht gewichen...aber sie ist eine andere. Wieder ist es Verlust, der im Mittelpunkt von End Times steht, aber niemand ist diesmal gestorben, der Kopf der Eels leidet offen unter dem Ende einer Beziehung. Dabei startet das Album, das E fast im Alleingang in den eigenen vier Wänden auf einem alten, analogen 4-Spur-Rekorder aufnahm, ermutigend. „...and everything was beautiful and free…” singt er im Opener “The Beginning”, doch schon im nächsten Song „Gone Man” kippt die Stimmung völlig und E singt „...she used to love me but it’s over now“ und suchst einen schwachen Trost in der Tatsache, dass er „...not the only one who’s feeling this pain...“ ist. Ganz überraschend bricht dieses knackige Rock-and-Roll-Stück musikalisch aus. Auf End Times überwiegen nämlich die vielen sparsam arrangierten Lieder mit zauberhaften Melodien. Kombiniert mit den klar und deutlich formulierten Texten über Hoffnungslosigkeit, desperate und harte Zeiten, der Suche nach Vertrauen, diesem schmerzhaften Gefühl, irgendwie durch den Tag zu kommen und das Lamentieren, dass sich sogar Jesus abgewandt hat („Gone“), schlägt das ganz schön aufs Gemüt. Der Mann macht einem echt Sorgen, man möchte ihn am liebsten in Schutzhaft vor sich selber geben. Ganz am Ende aber, da taucht ein Licht dieses langen, dunklen Tunnels namens End Times auf. In „On My Feet“ singt der Eels-Frontmann: „I am a man in great pain over great beauty / It’s not easy standing on my feet these days / But you know I’m pretty sure / That I’ve been through worse…” um mit den Worten zu schließen: „I just gotta get back on my feet”. Fortsetzung folgt. - Sven Niechziol
motor.de
Wer nicht gerade den Verlust einer großen Liebe betrauert, dem dürfte der Zugang zu "End Times" nicht ganz leicht fallen. Hier ein Annäherungsversuch an das schwarze Loch im Herzen Mark Oliver Everetts.
Vor einem halben Jahr erst feierten Eels mit ihrem siebten Studio-Album "Hombre Lobo" nach vier stillen Jahren viel umjubelt so etwas wie ein Comeback. Nur legt Band-Oberhaupt E sofort den nächsten Longplayer nach. "End Times" nennt Mark Oliver Everett die Produktion, kündigt sie als "Trennungsalbum" an und verziert das Cover mit einer weißbärtigen Karrikatur seiner selbst. Beim dem seelisch ohnehin instabilen Musiker lassen solche Vorzeichen auf keinen leichtfüßigen Musizier-Spaß schließen. Für die Operation an der offenen Wunde zog sich Everett aka E von seiner Band in die Einsamkeit zurück und nahm vierzehn Songs über das Ende seiner Beziehung im Alleingang mit seinem 4-Spur-Tonbandgerät auf.
Die Isolation hat sich für die richtige Stimmung zum großen Album-Thema bezahlt gemacht. Wir sind mit E allein in einer dunklen Herzschmerz-Kammer. "The Beginning" leitet "End Times" mit akustischer Gitarre ein, erst später gesellen sich weitere Instrumente dazu. Aber auch zwischen warmen Gitarren, Klavier, Schlagzeug, Bass, Orgel und Trompete scheint sich der Sänger nicht geborgen zu fühlen. E ist allein, immer und überall.Sein großes, kraftloses Leiden illustriert er allerdings mit eher harmlosem Songs. Das ist im Titelsong "End Times" noch "schön-traurig", in "A Line In The Dirt" aber schon kitschig. In vermeintlich beschwingteren Stücken wie "Gone Man" flüchtet er lediglich mit angezerrter Gitarre in altbackene Blues-Figuren. Destruktiver Bonus der Songs bleibt der raue Gesang.
Im Verlauf des Albums liegt Everett oft genug am Boden und überschreitet dabei leider auch die Grenze zwischen einer künstlerischen Kompensation seines Schmerzes und öffentlicher Selbsterniedrigung. Songs, in denen sich der Sänger nur mit seiner Akustik-Gitarre bewaffnet dem Schmerz stellt, zeugen noch von Selbstachtung. Ein Mann und eine Melodie - von Angesicht zu Angesicht mit der Leere im Herzen. Minimalistische Stücke wie "Little Birds" sind kleine, berührende Meisterwerke. In den überladenen Stücken aber kommt dem gebrochenem Everett oft genug der Stolz abhanden, wirkt das Leiden im musikalisch kitschigen Licht lächerlich.
Everett beleuchtet ohne Erbarmen Seite für Seite seines Trennungstagebuchs, leidet jedoch keinen besonders kreativen Liebeskummer, sondern hinterlässt zunehmend ein pathetisches Bild des Selbstmitleids. "In my younger days/ this wouldn't have been so hard", so die Begründung des Mittvierzigers. Eine Alters- und Gemütsfrage ist es somit, ob "End Times" abgesehen vom Mitleid für den Protagonisten berührt.
"End Times" ist eine Momentaufnahme, ein Album sehr persönlicher Bilder: E allein auf verregneten Straßen, E betrübt in seiner Hütte, E rastlos, E deprimiert, E in unerträglicher Stille, E wachend im kalten Bett.
Everett leidet dabei ohne ein Flämmchen Wut oder ein Fünkchen Humor. Neben der emotionalen Bestandsaufnahme fehlt die Kunst. Sehr selten überrascht E mit einer universellen Ebene, die dem purem Herzschmerz mehr als Resignation abgewinnt und Platz lässt für ein Gefühl des Zuhörers.
Vor einem halben Jahr erst feierten Eels mit ihrem siebten Studio-Album "Hombre Lobo" nach vier stillen Jahren viel umjubelt so etwas wie ein Comeback. Nur legt Band-Oberhaupt E sofort den nächsten Longplayer nach. "End Times" nennt Mark Oliver Everett die Produktion, kündigt sie als "Trennungsalbum" an und verziert das Cover mit einer weißbärtigen Karrikatur seiner selbst. Beim dem seelisch ohnehin instabilen Musiker lassen solche Vorzeichen auf keinen leichtfüßigen Musizier-Spaß schließen. Für die Operation an der offenen Wunde zog sich Everett aka E von seiner Band in die Einsamkeit zurück und nahm vierzehn Songs über das Ende seiner Beziehung im Alleingang mit seinem 4-Spur-Tonbandgerät auf.
Die Isolation hat sich für die richtige Stimmung zum großen Album-Thema bezahlt gemacht. Wir sind mit E allein in einer dunklen Herzschmerz-Kammer. "The Beginning" leitet "End Times" mit akustischer Gitarre ein, erst später gesellen sich weitere Instrumente dazu. Aber auch zwischen warmen Gitarren, Klavier, Schlagzeug, Bass, Orgel und Trompete scheint sich der Sänger nicht geborgen zu fühlen. E ist allein, immer und überall.Sein großes, kraftloses Leiden illustriert er allerdings mit eher harmlosem Songs. Das ist im Titelsong "End Times" noch "schön-traurig", in "A Line In The Dirt" aber schon kitschig. In vermeintlich beschwingteren Stücken wie "Gone Man" flüchtet er lediglich mit angezerrter Gitarre in altbackene Blues-Figuren. Destruktiver Bonus der Songs bleibt der raue Gesang.
Im Verlauf des Albums liegt Everett oft genug am Boden und überschreitet dabei leider auch die Grenze zwischen einer künstlerischen Kompensation seines Schmerzes und öffentlicher Selbsterniedrigung. Songs, in denen sich der Sänger nur mit seiner Akustik-Gitarre bewaffnet dem Schmerz stellt, zeugen noch von Selbstachtung. Ein Mann und eine Melodie - von Angesicht zu Angesicht mit der Leere im Herzen. Minimalistische Stücke wie "Little Birds" sind kleine, berührende Meisterwerke. In den überladenen Stücken aber kommt dem gebrochenem Everett oft genug der Stolz abhanden, wirkt das Leiden im musikalisch kitschigen Licht lächerlich.
Everett beleuchtet ohne Erbarmen Seite für Seite seines Trennungstagebuchs, leidet jedoch keinen besonders kreativen Liebeskummer, sondern hinterlässt zunehmend ein pathetisches Bild des Selbstmitleids. "In my younger days/ this wouldn't have been so hard", so die Begründung des Mittvierzigers. Eine Alters- und Gemütsfrage ist es somit, ob "End Times" abgesehen vom Mitleid für den Protagonisten berührt.
"End Times" ist eine Momentaufnahme, ein Album sehr persönlicher Bilder: E allein auf verregneten Straßen, E betrübt in seiner Hütte, E rastlos, E deprimiert, E in unerträglicher Stille, E wachend im kalten Bett.
Everett leidet dabei ohne ein Flämmchen Wut oder ein Fünkchen Humor. Neben der emotionalen Bestandsaufnahme fehlt die Kunst. Sehr selten überrascht E mit einer universellen Ebene, die dem purem Herzschmerz mehr als Resignation abgewinnt und Platz lässt für ein Gefühl des Zuhörers.
Produktbeschreibungen
Eels - End Times -Ltd-