Diejenigen, die die Eels lieber rocken hören, werden vielleicht nicht zufrieden sein. E liefert uns ein Stück Kammermusik aus dem Keller seines Hauses als Nachfolger des doch selbst in seinen ruhigeren Momenten eher brachialen Vorgängers Hombre Lobo ab. Fast im Alleingang auf einem Vierspurrekorder aufgenommen (was man, wie ich finde, leider manchmal ein bisschen zu sehr hören kann), verarbeitet E diesmal wieder Autobiografisches. Das Album handelt von einer gescheiterten Beziehung, ein Trennungsalbum, wie auf der Eels Website zu lesen ist. Doch zu mehr Einzelheiten verweigert E die Aussage. Der Hörer soll (muss) sich sein eigenes Bild machen. Und ich muss sagen, das macht er stark. Nur die Stimme und einzelne spärliche Instrumente (Gitarre, Klavier, Mundharmonika und hier und da ein paar Streicher) beherrschen die Stimmung dieser Platte. Nur 3 Lieder fallen aus dem Rahmen. Gone Man, Paradise Blues und Unhinged gönnen uns eine Prise Bluesrock mit E-Gitarren, Bass und Drums. Apropos Drums: in der Liste der Helfer zu diesem Album findet sich Butch. Nachdem dieser im Anschluss an die Trennung von den Eels vor einigen Jahren seine Beziehung zu E als "non-existent" bezeichnet hatte, ist er nun -zumindest teilweise- wieder mit von der Partie. Und wer weiß: vielleicht wird man ihn auch irgendwann mal wieder mit E auf der Bühne erleben können. 2 weitere Titel (Apple Trees besteht im Prinzip nur aus ein paar Zeilen gesprochener Worte, wie eine Mitteilung auf einem Anrufbeantworter und High And Lonesome mit Gewitterregengeräuschen) sind Zwischenspiele, wie man sie schon von Blinking Lights... kennt. Gönnt euch 1 Stunde Zeit und lasst diese Platte (inkl. Bonus EP) auf euch wirken. Am Anfang ist ja noch alles gut (everything was beautiful and free...in the beginning) so singt E im ersten Song. Doch das Ende ist schon hier bedrohlich nahe. In In My Younger Days paart sich der Trennungsschmerz mit einer Portion Midlifecrisis, wenn E andeutet, dass er früher sowas viel leichter weggesteckt hätte. Mein spontaner Favorit ist A Line In The Dirt (Nr.5). Hier spielt E seine unnachahmlich lakonische Art aus (she locked herself in the bathroom again/so I am pissing in the yard). Aber E kriegt doch noch die emotionale Kurve und beschließt beim Spaziergang nicht stehen zu bleiben, um zu winken oder zu Hallo zu sagen, weil man gerade so Worte wie "Wie geht's ?" und "Schönen Tag noch." von seiner Ex im Vorbeigehen überhaupt nicht hören möchte (Nowadays), um im anschließenden Unhinged verbal auf die Verflossene los zu gehen (you were more than my girl/you were my best friend/all that's left is a mean old girl behind her crazy eyes). Im letzten Song On My Feet siegt etwas Optimismus. I just gotta get back on my feet" ist der letzte Satz dieser Platte und soll für mich sagen: Junge, steht auf, komm wieder auf die Beine, reiß dich am Riemen, wenn du nicht untergehen willst.
Auch Mark Oliver Everett gehört anscheinend zu der Kategorie Singer/Songwriter, der genau dann am besten ist, wenn es ihm am schlechtesten geht. Ich musste ein bisschen an Dylans Blood On The Tracks denken. Auch ein Werk, das aus purer Verzweiflung großartige Musik entstehen ließ. Kürzlich las ich einen Artikel, in dem der Autor -sicher ironisch- E mehr Katastrophen und uns noch viele großartige Eels Alben gewünscht hatte. So weit will ich sicher nicht gehen, aber diese Platte ist auf jeden Fall so anrührend und trotz aller Schlichtheit so emotional, dass man E`s Gefühlslage beim Hören körperlich spüren kann. Was will man mehr ?
Die Bonus EP der Deluxe Edition enthält 4 weitere Songs: Some Friend/Walking Cloud/$200 Tattoo/The Man Who Didn't Know He'd Lost His Mind. Im musikalisch schlichtesten davon, $200 Tattoo, singt E über Dinge, die frisch verliebte so manchmal tun oder zumindest denken, dass sie zu solchem Handeln im Stande wären.