Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
The Empyrean - ein (r)evolutionäres Werk, 3. Februar 2009
"The Empyrean is my new record (...). It is a concept record that tells a single story both musically and lyrically. The story takes place within one person, and there are two characters." So kündigte John Frusciante sein neues Album im November 2008 über das Internet an, weiter hieß es "I've listened to it a lot for the psychedelic experience it provides."
Dieses Album muss man meiner Ansicht nach mehrfach hören, um es zu verstehen, denn im ersten Eindruck neigt man zu der Aussage "schwere Kost". Außer dem bereits bekannten "Unreachable" erscheint zunächst kein Lied wirklich eingängig, man hört relativ wenig Gitarre, das Album klingt insgesamt durch Soundeffekte sehr "produziert". Nachdem das alles etwas gesackt ist, wendet sich das Bild zum Positiven, denn im Grunde profitiert "The Empyrean" von der gesammelten Erfahrung des Musikers, Sängers und Songwriters John Frusciante, der hier zusätzlich noch besondere Akzente als Produzent setzt und sich nicht scheut, neue Sachen auszuprobieren.
Beim Hören sollte man sich an die zu Beginn zitierten Worte erinnern, es war seine Absicht, auch musikalisch eine Geschichte zu erzählen, dies wird an den vielen Kontrasten klar, die das Album aufweist: Mal laute Passagen, mal ganz leise, hier sanfte Geigenklänge oder ein schwebender Soundteppich, dann wieder eine verzerrte E-Gitarre oder kraftvolle Drums mit Hall-Effekt. Wenn an manchen Stellen so viele instrumentale Schichten übereinander liegen, dass dies den Zuhörer verwirrt, ist dies wahrscheinlich genau der Plan, den John beim Mixen hatte, "psychedelische Erfahrung" passt auf alle Fälle.
Auch die Stimme setzt Frusciante mit dem gleichen Hintergedanken ein, man erlebt eine weitere Evolution der Variationsmöglichkeiten seiner Stimme. Egal ob mit tiefem Bass oder engelsgleicher Falsett-Stimme, er klingt in allen Passagen sicher und setzt darüber hinaus besondere Akzente, wie Flüstern oder Schreien. Doch für den Produzenten Frusciante reichte dies nicht, daher ist der Gesang in mehreren Liedern bearbeitet worden. Sei es, dass er einen der beiden Stereokanäle dominiert oder mit Hall hin und her flattert oder so verzerrt wird, dass man den Eindruck bekommt, dieser Teil sei unter Wasser aufgenommen worden.
Wer John Frusciante als Gitarrenheld verehrt, ist vermutlich beim ersten Stück bereits im "Empyrion" angekommen. Mit über 9 Minuten ist "Before The Beginning" das längste Stück des Albums und rein instrumental. Es startet sehr leise, alsbald setzen Drums mit Echo-Effekt ein und dann die E-Gitarre, zunächst entspannt, dann ein bisschen wehmütig und Dank wah-wah und anderer Effekte niemals langweilig. Das nächste Stück ist sehr ruhig, "Song To The Siren" vermittelt musikalisch und textlich die Stimmung des Protagonisten dieses Konzeptalbums. Sparsam eingesetzte Instrumente und Johns beeindruckender Gesang ohne Verzerrung runden das Bild ab. Im 3. Lied "Unreachable" bieten rhythmische Drums eine interessante Abwechslung, die Stimme kommt mit Echo oder auch mal mit einer Art Blubber-Effekt. Dann folgt ein geniales Instrumentalstück mit "Rhodes" Klängen (elektronisches Piano), wah-wah-Gitarre und groovendem Bass (das ist Flea!).
In "God" hört man John mit heller, zunächst sanfter Stimme als zweiten Charakter. Kraftvolle Drums und elektronische Percussions bauen schon bald Stimmung auf, Gitarre und E-Piano folgen und der Gesang wird eindringlicher. Zum Ende wird es wieder ruhig und Geigen (Sonus Quartet) setzen ein, eine überraschende, aber bestechende Erweiterung des musikalischen Repertoires. Das 5. Stück "Dark/Light" beinhaltet eigentlich zwei Lieder. Zu einer traurigen Klavier-Melodie - später mit Orgelsound - hört man Johns empfindsame Stimme, die nach wenigen Sekunden mit extremen Hall (klingt irgendwie rückwärts) schon fast unkenntlich gemacht wird, Ausdruck für die innere Verzweiflung des Charakters. Nach 2:43 erfolgt der Wechsel zu "Light", eingeläutet durch Johns Falsett-Gesang, wundervoll ergänzt durch die tiefe Stimme eines Sängers der New Dimension Singers, später setzt dann der gesamte Gospel Chor ein. Dieser Teil besticht neben dem Chor v.a. durch den Rhythmus, den der Bass vorgibt (diesmal zupft John selber), man hört Gitarre und Synthesizer, später auch Hall beim Chor. Ebenfalls für "Light" typisch sind die etwas nervenden elektronischen Beats.
"Heaven" ist ein sehr ruhiger Song, Johns Gesang klingt hier besonders verwundbar. Begleitet wird er von Gitarre und Flea am Bass, später gesellen sich E-Piano und Drums (beides Josh Klinghoffer) dazu, ganz am Ende auch wieder das Streicher Quartett. Dieses Lied sollte man nicht unterschätzen, es gewinnt stark nach mehrmaligem Hören. Bei Nr. 7 "Enough Of Me" singt John mit eher tiefer Stimme, die im Refrain z.T. verzerrt wurde und zerrissen klingt. Die Gastmusiker Flea (Bass) und wie Johnny Marr ("multiple guitars" im ersten Teil) treten eher in den Hintergrund angesichts des folgenden Gitarrensolos, bei dem Mr. Frusciante einen neuen Stil ausprobiert, in dem sich hohe und tiefe Töne abwechseln, und durch Effekte einen geradezu traumatisierenden Sound produziert.
Der Höhepunkt des Albums, "Central", beginnt mit akustischer Gitarre (Johnny Marr), Klavier und unverzerrtem Gesang. Nach kurzem Elektrogeklimper folgt ein psychedelisches Outro über fast 5 Minuten, in dem John immer wieder die gleichen Zeilen singt. Zunächst von Streichern begleitet, geht der Gesang in den Hintergrund und überlässt den Geigen das Spielfeld, dann folgt ein unheimlicher Sound mit Hall, Synthesizer übernehmen, ein E-Gitarrenriff mischt sich ein, alles schwillt an zu einer multidimensionalen Soundlandschaft, ein Schrei ertönt, dann wird der Gesang wieder lauter zur letzten Runde und einsame Geigen läuten das Ende (wortwörtlich?) ein. Episch!
Das Stück Nr. 9 "One More Of Me" ist der musikalische Zwillingsbruder von Nr. 7, hier überrascht John Frusciante mit imponierender Bassstimme, nach den Angaben im Booklet ohne "treatment". Das ruhige Lied ist textlich ein Ankerpunkt für das Verständnis des Albums. Instrumental zunächst zurückhaltend mit E-Piano und Streichern, läutet ein Schrei eine brillante Darbietung des Sonus Quartets ein, welch geistreiche Alternative zum irren Gitarrensolo bei Nr. 7! Beim letzten Lied "After The Ending" ist die Stimme mit Echo verzerrt und erneut recht unkenntlich gemacht, sie klingt trotzdem nicht mehr so düster wie bei Nr. 5. Klavier und Synthi-Geblubber geben diesem Stück eine besondere Atmosphäre, die das Album perfekt abrundet. Die letzten Weisheiten werden nur noch geflüstert, also gut zuhören!
"Whatever you create from love - is a gift from the place which some call above" ("One More Of Me") sagt eigentlich alles über "The Empyrean", ein tief beeindruckendes Album, entstanden aus der Liebe zur Musik. Danke, John.
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bleibt alles anders, 19. Februar 2009
Da ist es nun. Das lang ersehnte neue Album von Mr Frusciante, eisblau, mit vielschichtigem und irgendwie auch erschütterndem Artwork, Titeln, die eine Geschichte erzählen und alle Ängste auf sich richtend, daß nach der langen kreativen Pause nun etwas erschienen ist, was an Genius und Emotionalität vielleicht doch nicht mit den bisherigen Machwerken des Kaliforniers mithalten kann.
Und es ist tatsächlich anders. Die Texte sind nicht mehr handgeschrieben, John covert einen Song und arbeitet mit Gospelmusikern und einem Streichquartett zusammen. Interessant allemal, aber es drängt sich ganz heimlich eine Frage auf: Weiterentwicklung oder Übermut? Was wird das erste Konzeptalbum von John Frusciante, das für mich persönlich (seiner offiziellen Bitte nachkommend, das auf eigener Ebene zu interpretieren) Irrungen und Wirrungen, Aufblühen und Untergang einer Persönlichkeit, seiner Persönlichkeit, vielleicht der Persönlichkeit eines jeden Hörers im Bereich des Metaphysischen, des anders Dimensionierten beschreibt, was wird es musikalisch hergeben?
Wird es die Mystik, das Gefühl, die Tragik und Sehnsucht der Vorgängeralben mitnehmen können? Ein Gang zum CD-Player soll helfen. Und das tut er. Er stiftet zunächst einmal Verwirrung - es ist alles so anders hier. Da trumpfen Effekte auf, da schmeichelt sich der Gesang durch die Gehörgänge, wir kennen all das ja schon - aber die Manier ist eine ganz andere. Auch ein zweites Hören lässt die Frage aufkeimen, wo die Frusciante-Elemente bleiben, wo sie sich verstecken - die neuartigen Einlagen bedienen sich des Halo-Effekts, überstrahlen die gewohnten Strukturen.
Erst ein drittes Hören soll Aufschluss geben - zunächst mal über eine sehr wichtige Sache. Das Album muß laut gehört werden. Die unzähligen Finessen und Nuancen, die überraschenden und bombastischen Momente, die Neuheiten und altbekannte "frusciantesque" Elemente wie die unverkennbare Gitarre und das perfekt dosierte Spiel mit der Stimme kommen erst dann zur Geltung, vermitteln die alte Geborgenheit, das Unbeschreibliche, das in Nischen kauert.
Das Album blüht auf, geistert den ganzen Tag im Kopf herum und weckt die unstillbare Gier darauf, ständig die "Play"-Taste der besten Anlage im Umfeld zu betätigen. Diese Sehnsucht - da ist sie wieder. Wie auch schon die "Shadows..." überrascht diese Scheibe, völlig neuartig. Neue Strukturen beleben und betonen den alten Glanz. Das hat Substanz, das hat Bestand. Auf einzelne Lieder möchte ich nicht eingehen, diese Reise muß jeder selbst machen. Eine Reise, die Mr Frusciante durch seinen nunmehr perfektionierten Gesang zwischen flehentlich, zerbrechlich, zart und stark, verzweifelt, kraftvoll leitet, durch die sehnsuchtstollen Gitarrensoli, den genialen Auftritt der Gastmusiker und das gekonnte Einsetzen von Synthies und Effekten.
Tja, und dann liest man die Texte dazu. Und schwankt zwischen Tränen und Gänsehaut. Wie immer spricht er genau das Gefühl des Hörers an, die Reise des Lebens, des Werdens und Vergehens. Weisheiten en masse funkeln aus jeder Zeile - am Ende der CD hat man das Gefühl, diesen Kreislauf miterlebt zu haben, in dieser mystischen Welt zwischen Universum, Sein und Nicht-Sein zu schweben. Man fühlt sich erhoben. Man ist Teil dieser Weisheit.
Diese CD ist eine Geschichte. Frusciante-CDs hört man nicht nebenher zum Essen, begleitend zu einem guten Gespräch oder brennt eine Best-of-Frusciante-Zusammenstellung. Das grenzt an Blasphemie. Diese Musik erfordert eine unheimliche emotionale Aufmerksamkeit - sie will am liebsten alleine gehört werden. John Frusciantes bisherige Machwerke waren "musikalische Einheiten" (wobei dieses Bürokraten-Deutsch dem niemals gerecht wird), die das einfach einforderten. Was ist anders an dieser CD? Ganz einfach: sie intensiviert das Ganze. Bei ihr gilt das in verstärktem Maße. Diese Reise muß man von Anfang bis Ende machen und emotional nachvollziehen, sich dem Verstehen auf nicht-rationaler Ebene öffnen, sein Herz öffnen und den Fluß zulassen. Neuartig ist sie, aber auch so konstant in ihrer Eigenschaft, eine weitere Facette von Mr John Frusciante zu repräsentieren, welche die alten Facetten nie vergisst. Als vielleicht verklärte, aber emotional anwesende Anhängerin seiner Musik kann ich dieses Album allen anderen "Fans" nur empfehlen.
Dieser vieldimensionale, dunkle, sehnsüchtige und wunderschöne Weg ist es wert, bereist zu werden - bis zum Ende. Shoot me, shoot me, shoot me.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
The Empyrean, völlig anders- typisch Frusciante eben, 2. Februar 2009
Da ist sie nun, die lang ersehnte neue Platte von John Frusciante. Wie hoch war doch der Erwartungsdruck, nachdem sowohl seit über drei Jahren von ihm als auch von "seiner" Band, den Red Hot Chili Peppers, nichts neues kam. Enttäuschungen nach solchen Spannungsphasen gibt es dann nicht selten; Vorsicht war also geboten. Doch bereits "Unreachable" ließ auf Gutes hoffen. Und so war es dann auch.
Eröffnet wird das Album mit dem Intro Before The Beginning"- und das auf eine sehr intensive sowie progressive Art und Weise. Instrumentalstücke in diesem Ausmaß war man von ihm in seinen Solowerken bisher nicht gewohnt. Musikkennern dürften einige Motive des Titels von der Band Funkadelic" bekannt sein.
Weiter geht's mit der Coverversion "Song To The Siren". Hier lässt sich schon erahnen, dass Frusciante die Verwendung von Effekten ähnlich wie in Shadows Collide With People" nicht scheuen wird. Komischerweise gefällt mir dieses Cover fast besser als das Original.
Die Qualitäten des darauf folgenden Unreachable" dürften inzwischen hinreichend bekannt sein.
Der nächste Song God" ist mein persönlicher Geheimtipp! Nach eher "besinnlicher" Einleitung wird man das erste Mal so richtig mit dem Sonus Quartett", einem Streichersatz, vertraut gemacht, mit dem der Song an Fahrt gewinnt. Allein schon diese Übergänge sind ein Erlebnis für sich.
Für die meisten Überraschungen dürfte wohl Dark/ Light" sorgen. Dem Titel entsprechend wurde in sämtlichen Foren sehr kontrovers und gegensätzlich diskutiert. Der erste Teil besteht zunächst aus recht melancholischem, aber unheimlich schönem Gesang. Völlig unerwartet komm es dann zum zweiten Teil, in dem ein Elektro- Gospel- Chor" (oder wie auch immer man eine derartige Klangfarbe definieren möchte) einsetzt, der von einer grandiosen Bassline begleitet wird. Vielen könnte dieser Themenwechsel zu krass" vorkommen.
Ruhiger geht es nun mit Heaven" weiter, wo am Ende das Thema von Unreachable" wieder auftaucht. Für mich vielleicht der emotionalste Titel.
"Enough Of Me" ist zwar an sich sehr gelungen, vor allem der Refrain, mir persönlich ist das harte Gitarrensolo am Ende ziemlich gewöhnungsbedürftig.
Auch zu "Central" muss man sich nicht weiter äußern, was wohl der stärkste Song auf dem Album ist.
Der vorletzte Song One More Of Me" erinnert sehr stark an "Enough Of Me", sowohl vom inhaltlichen als auch vom musikalischen. Dem Autor dieser Rezension erscheint Frusciantes Stimme dabei ungewohnt, ja fast schon unnatürlich tief...
Zum Schluss folgt After The Ending". Genauso intensiv, wie man zu Beginn eingetaucht wurde, endet das Album.
Zuletzt ein paar" letzte Worte zum Gesamtwerk. Für mich besteht die eigentliche Stärke von "The Empyrean" in den vielfachen Themenwechseln und in den außergewöhnlichen Effekten, mit denen der Hörer konfrontiert wird. Vielen Frusciante- Liebhabern könnten diese allerdings auch ein bisschen aufdringlich vorkommen, beispielsweise in Dark/ Light".
Zudem ist jeder Song mit ungemein tiefgründigen Lyrics ausgestattet, in die sich sehr viel interpretieren lässt.
Um schließlich all diesen Ansprüchen gerecht zu werden, sollte man den Worten von John Frusciante aufs Genauste folge leisten:
"It should be played as loud as possible and it's suited to dark living rooms at night."
Folglich kann man das Album nicht "so nebenbei" hören. Auch nach mehrmaligem Hören ist immer wieder was neues herauszuhören.
Fazit: Mit "The Empyrean" hat John Frusciante für mich einen Meilenstein in seiner bisherigen Karriere gesetzt. Sei zu wünschen, dass er einen derartigen musikalischen Umfang auch auf ein hoffentlich kommendes Chili Peppers- Album zu übertragen weiß...
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