1969 nahm John Mayal mit gleicher Besetzung den Studio-Nachfolger zum legendären Live-Album "The Turning Point" mit dem Titel "Empty Rooms" auf. Die Frage war, ob er dieses Niveau halten könne. Er konnte, denn "Empty Rooms" geriet dermaßen relaxt und doch abwechslungsreich, so dass es eine schiere Freude ist, diesen Aufnahmen zu lauschen.
Zunächst legt die Band mit "Don't Waste My Time", der erfolgreichen Single-Auskoppelung, und "Plan Your Revolution" so richtig los und spielt wie aus einem Guss. Mit "Don't Pick a Flower" wird es ruhiger, Flöte und Glöckchen untermalen folkige Töne. Mit "Something New" geht es jazziger weiter und Johnny Almond liefert ein überzeugendes Solo auf der Sax ab. "People Cling Together" überrascht mit einem lässigen Rhythmus, während "Waiting for the Right Time" in tiefe Blues-Gefilde hinabsteigt. Der nächste Song, "Thinking of My Woman", mein persönlicher Favorit, ist ein sehnsuchtsvoller Blues, bei dem Mayall's Stimme übereinandergelegt wurde. Bei "Counting the Days" geht's mit Sehnsucht und Bluesfeeling, getragen vom Saxophon und den "Fingerpicking"-Akzenten von Jon Mark, weiter. Mit akzentuiertem Rhythmus und klagender Harmonika beginnt "When I Go". "Many Miles Apart" ist ebenfalls ein klassicher Blues. Getragen von Klavierakkorden erhebt Mayall bei "To a Princess" beschwörend seine Stimme, während der Bass kunstvolle Figuren zaubert. Über einer klagenden Gitarre und einem brummenden Bass erzählt Mayall zum Abschluss bei "Lying in My Bed" beschwörend aus seinen Erinnerungen.
Großartige Musiker haben ein Album eingespielt, dass man getrost als Klassiker bezeichnen kann. Mayall liefert einmal mehr den Beweis seiner herausragenden Songwriter-Qualitäten und seinem Gespür für außergewöhnliche Musiker ab.