Stil haben sie, die Kaiser Chiefs, da gibt's nichts zu meckern -- wieder eine jener britischen Bands, die seit einigen Jahren solide Debüt- und Nachfolgeralben liefern, und die mit dafür sorgten, dass Techno out ist, und "richtige" Musik wieder in.
"Employment" liefert geradlinigen Britpop mit einer ordentlichen Portion Punk und vor allem mit guten Ideen, und die Band um Ricky Wilson verbindet in ihren besten Momenten Punk mit Harmoniegesang. E-Gitarren und Schlagzeug dominieren aus dem Hintergrund heraus, aber der Sound bleibt klar und schnörkellos, ohne diese Neigung zum Bombast, die Gitarrenrock früher so nervig machte. Wilsons Gesang passt dazu wie vom Schneider: Er singt mit markanter Stimme ohne Allüren.
Den stärksten Eindruck bei diesem Album hinterlassen Punk-Anleihen wie "Everyday I Love You Less and Less", "Saturday Night" oder "I Predict a Riot" (mit starkem Bass-Intro); manchmal erinnern die schnellen Passagen der Kaiser Chiefs ein wenig an die frühen Boomtown Rats. Manchmal, vor allem in "Oh My God", klingt's wie Andante-Rap, und ich hab noch selten einen Harmoniegesang gehört, der fieser, vipernhafter daherkäme als der der Kaiser Chiefs in "What did I Ever Give You". Einige Songs haben bei aller Härte Ohrwurmqualitäten, und einen Durchhänger hört man auf dem ganzen Album nicht.
Sie spielen also schnörkellos in Richtung Punk, die Kaiser Chiefs, aber sie können's auch ruhiger: Neben "What did I Ever Give You" beweist auch "Modern Way" deutlich, dass diese Band Sinn für Melodien hat und diesen Instinkt in gute Songs umsetzen kann. Noch schöner ist allerdings "You Can Have It All": Locker, cool, synkopisch, mit einer eingängigen Melodie, die locker durch den Song spaziert. Wer behauptet, dass gute Songs düster sein müssen?
"Employment" ist ein Album, das man immer wieder hören kann, eingängig und doch nicht beliebig. Klar ist das noch steigerungsfähig, und manches klingt manchmal ein wenig monoton. Man sollte den Kaiser Chiefs aber nicht vorwerfen, dass auch sie nicht die neuen Beatles sind -- das ist sowieso, will mir scheinen, jene ultimative Wunderkeule, die Kritiker immer dann auspacken, wenn ihnen sonst nichts einfällt; damit erledigt man schließlich jeden.
Was die Kaiser Chiefs und ihr Debutalbum "Employment" betrifft: Kein Jahrhundertalbum, aber gute, solide Ware, keine Starallüren, und selbstverständlich erstrecht keine Eintagsfliegen oder Füllmaterial.