Der Schüler, der im Rahmen einer Projektwoche in einer Fußgängerzone eine Umfrage zum Fernsehverhalten der Bürger machen soll, braucht dieses Buch sicher nicht. Es sei denn er will den Sinn seiner Umfrage vollkommen anzweifeln. Der Schüler würde ob der Vielschichtigkeit und der Höhe der Ansprüche an empirische Sozialforschung einfach verzweifelt aufhören. Diekmann hat ein astreines Lehrbuch für den wissenschaftlichen Bereich vorgelegt, der kritisch die wichtigsten Methoden der empirischen Sozialforschung vorstellt und betrachtet. Dem Studenten sozialwissenschaftlicher Disziplinen kann es wichtiges Basiswissen mitgeben. Diekmann gibt sich Mühe mit seinen Lesern. Die ersten 150 Seiten sind leicht lesbar, flüssig, abwechslungsreich, ja sogar spannend geschrieben, ständig aufgelockert mit anschaulichen Beispielen. Doch nachdem die Grundlagen gelegt sind wird deutlich daß es sich um ein wissenschaftliches Thema handelt und auch für Diekmann wird es zunehmend schwerer den Leser zu fesseln. Trotzdem hat man noch mehr Spaß als bei vergleichbaren Lehrbüchern. Das Buch ist gut strukturiert. Sämtliche Grundlagen werden im ersten Teil vermittelt, die drei folgenden beschreiben die Phasen der Durchführung einer Untersuchung ausführlich. Doch was wie ein großer Vorteil aussieht kann sich als Nachteil herausstellen. Wenn den Leser die Lust vorzeitig verläßt, helfen auch die vielen Beispiele und Anekdoten nicht weiter. Und eben diese Ausführlichkeit zeigt ihre Schattenseiten: man kann nicht einfach weiter hinten weiterlesen, da fast alles aufeinander abgestimmt ist. Zum späteren Nachlesen eignet es sich aber trotzdem. Vor allem wenn man nicht nur nachschlagen sondern auch wiederholen will. Insgesamt ist dieses Lehrbuch vor allem für Studenten empfehlenswert, aber auch im außerakademischen Bereich können sich Anwendungsfelder ergeben, wenn ein Lehrbuch gesucht wird, auf Basis dessen sich umfassende Kenntnisse im Bereich der Methoden der empirischen Sozialforschung im Selbststudium beigebracht werden sollen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)