Dass ein Buch mit angeblich "kommunistischem" Anspruch ausgerechnet im Hausverlag der US-Elite-Univerität Harvard erscheint, wirft schon die Frage auf, welche objektive Funktion die These vom "Empire" hat.
Hardt und Negri machen durchaus einige richtige Beobachtungen über neue Erscheinungen der Internationalisierung von Wirtschaft und Macht. Sie wenden sich auch völlig zu Recht gegen die Träumereien, die das Rad der Geschichte zurückdrehen und mit Hilfe der Nationalstaaten den Kapitalismus unter Kontrolle bringen wollen.
Was aber das Buch selbst für G. W. Bush am Ende tröstlich macht ist die zentrale These, dass es keine Alternative zur imperialen Weltherrschaft gibt. Hardt und Negri versuchen vor allem darzulegen, dass die Arbeiterbewegung tot ist und mit ihr alle Vorstellungen von einer internationalen Revolution gegen die Herrschaft der internationalen Monopole begraben werden müssten. Dieser These kann ich nicht folgen. Schon allein wegen der revolutionären Gärung in Lateinamerika nicht, die für mich ein praktischer Beweis ist, dass die internaitonale revolutionäre Bewegung vor einem neuen Aufschwung steht.
Das ärgerlichste an dem Buch von Hardt und Negri ist die Methode, eine Behauptung aus der anderen abzuleiten ohne irgendwelche konkreten Fakten als Beweise vorzulegen. Wenn man das neue Buch von Stefan Engel "Götterdämmerung über der neuen Weltordnung" gelesen hat, wo die internationale kapitalistische Wirtschaft wissenschaftlich analysiert wird, dann kann man einen solchen oberflächlich-überheblichen Stil nur noch schwer ertragen.
Fazit: Wenn sich frustrierte Seminarmarxisten selbst bestätigen wollen, dass man nichts mehr machen kann, dann ist "Empire" genau richtig. Wer allerdings die Welt verändern will, der sollte lieber zu dem Buch von Stefan Engel greifen.