Im Jahr 1915 entführt der deutsche Diplomat Wilhelm Wassmuss einige Engländer in Persien, um seine gefangenen Gefährten und sein beschlagnahmtes Gepäck mit für ihn wertvollem Inhalt freizupressen. Die englische Regierung schickt den Agenten Captain Quinn um den Austausch vorzunehmen und den gefährlichen Wassmuss zu liquidieren. Quinn reist, nicht ganz freiwillig, in Gesellschaft des genialen und exzentrischen Lieutenant Lawrence. T.E. Lawrence, um genau zu sein.
Einen historischen Abenteuerroman über eine derart bekannte Person wie "Lawrence von Arabien" zu schreiben ist schon eine mutige Tat. Doch es lohnt sich, denn "Empire of sand" ist ein ausgesprochen interessantes Buch. Man sollte meinen, dass es dem Autor leicht gemacht wurde durch die beiden im Zentrum stehenden Männer, Lawrence und seinen deutschen Gegenpart Wassmuss, beides zutiefst faszinierende Menschen. Doch gehört einiges dazu, sie so schön zum Leben zu erwecken und gleichzeitig eine spannende Geschichte voller überraschender Wendungen zu erzählen. Wie der Autor im Nachwort erklärt, hat er sich zwar einige Freiheiten genommen - so haben sich Wassmuss und Lawrence vermutlich nie getroffen -, seine Geschichte aber sehr schön in die historischen Gegebenheiten eingepasst. Gut gemacht sind auch Prolog und Epilog, die Lawrence nach dieser fiktiven Begegnung mitten in seinem Guerillakrieg zeigen und die ableiten lassen, dass Ryans Lawrence einiges von Wassmuss gelernt hat. Und dennoch letzten Endes an der Politik scheitern muss.
Dieser Lawrence ist ein sympathischer und menschlicher Held. Wieviel er von seinem historischen Vorbild hat, muß ein Rätsel bleiben, wie der Mann selbst.
Wer ein Buch über den Wüstenkrieg Lawrence' sucht, ist hier fehl am Platz, doch wer eine spannende Geschichte lesen oder sich dem Mann selbst annähern will, sollte ohne Bedenken zugreifen.