Zwei Jahre nach ihrem prägendsten Album "Operation Mindcrime" veröffentlichten Queensryche 1990 mit "Empire" ihr kommerziell erfolgreistes. Das Album wurde gleich drei Mal mit Platin ausgezeichnet und ein Mal für den Grammy nominiert.
Die Songs auf "Empire" sind recht eingängig, bestechen dabei aber durch brillant dosierte Einsätze von Energie. Beinahe alle Tracks starten mit relativ energiearmen Strophen, die dennoch wie z.B. bei "The Thin Line" extrem spannungsgeladen sind. Die seichten Strophen offenbaren die wunderschönen Queensryche-typischen Clean-Guitar- Strukturen (Bsp.:"Jet City Woman"). Oder sie bestehen fast nur aus dem coolen Gesang von Geoff Tate und einem unglaublichen Bass-Groove (Bsp.:"Another Rainy Night") und den sparsam und dafür um so wirkungsvoller eingesetzen Power Chords von Chris DeGarmo - eines seiner unwiderstehlichen Markenzeichen. In der Bridge kommt dann meist die Rhythmusgitarre hinzu, die in perfekter Queensryche-Manier die Lead Guitar unterstützt, welche wiederum gefühlvoll durch die Tonarten moduliert (Bsp.:"One And Only").
Wer denkt, "Empire" sei kein echtes Metal-Album, der sei an diese Gitarrenlastigkeit mitsamt der heavy Soli erinnert. Diese zeichnen sich durch das Zusammenspiel der Lead Guitar mit ihren ausdrucksvollen Melodien und der antreibenden Rhythmusgitarre im Hintergrund aus.
"Empire" ist perfekt produziert, mit einem glasklaren Sound versehen und gespickt mit Details und Effekten (Bsp.:"The Thin Line") und Chören (Bsp.:"Empire"). Außerdem bietet das Album die berühmten magischen Momente in der Musik von Queensryche. Da wären zum Beispiel megacoole Breaks (u.a. zum Eingang in den Chorus in "Anybody Listening?"), regelrechte Lautmalereien im Textbezug(z.B. die Verzögerungen bei "Watching the time tick-tick away" in "Jet City Woman" oder bei "...when everything moved in slow-mo-tion" in "Hand On Heart". Das Einsetzen der letzten Strophe von "Hand On Heart", wenn Geoff Tate nach dem Solo plötzlich eine Oktave höher ansetzt, wäre ein weiterer von zahllosen solcher Momente mit Gänsehautgarantie.
"Empire" bietet eine enorme Bandbreite an musikalischen Stimmungen: Das progressive und magische "The Thin Line", das supercoole "Della Brown", den brachialen Titeltrack "Empire", die weltbekannte Gänsehautballade "Silent Lucidity" mit ihren außergewöhnlichen Strukturen und bezaubernden Lyrics, die von Träumen handeln, das schnelle und ekstatische "Resistance" mit seinem mächtigen Drive oder die Powerballade "Anybody Listening?", die sich lange ganz ruhig aufbaut und dann mit einem Hammer-Refrain explodiert.
"Empire" ist wegen seines brillanten Sounds und seiner einzigartigen Wirkung vollkommen zeitlos. Und die Neuveröffentlichung macht absolut Sinn: die Bonustracks sind große Klasse.
"Last Time In Paris", ursprünglich auf dem Soundtrack zu "Ford Fairlane" veröffentlicht, fügt sich perfekt in die anderen Songs des Albums ein. Dass der Song nie auf einem Queensryche-Album veröffentlich wurde, war stets ein Verlust für die Fans, den man nun ausgeglichen hat.
Das sphärisch gefühlvolle Simon & Garfunkel- Cover "Scarborough Fair" war einst lediglich auf der B-Seite der "Empire"-Single veröffentlicht worden. Ebenso nur auf Single erhältlich war "Dirty Lil' Secret", eine bluesige, riesig groovende Nummer von Queensryche, die zwar etwas später entstand als das übrige Material, aber perfekt in die Gesamtstimmung von "Emire" passt.
Das Re-Release bringt mit den Bonustracks die ursprünglichen 63 Minuten nun auf 75 Minuten Spielzeit. Außerdem kommt die remasterte CD mit einem prächtigen Booklet mitsamt Linernotes ins Haus - das lohnt sich!