Es war schon immer so, ist momentan wieder schrecklich aktuell und wird auch zukünftig immer so sein: bekannte Fernsehserien und erfolgreiche Kinofilme ziehen unweigerlich Umsetzungen auf Videospielsysteme nach sich. Offensichtlich hat die Vergangenheit mehrfach gezeigt, dass sich dies in finanzieller Hinsicht sehr lohnt. Ganz gleich, ob das Spiel an sich schlecht ist oder nicht: gekauft wird es aufgrund des großen Namens trotzdem. Im Fall von Starsky & Hutch für die Microsoft X-Box war dieses Prozedere allerdings eine sehr große Überraschung: nicht viele von uns werden sich an die Fernsehserie aus den 70erJahren wirklich noch erinnern, auch wenn vieles in den Folgejahren wiederholt wurde bzw. wird. Oder vielleicht doch keine Überraschung? Aha, natürlich: wenige Monate später im Jahr 2004 startete der gleichnamige Kinofilm. Keine weiteren Fragen. Im Mittelpunkt stehen jedenfalls zwei Polizisten, die sich vehement für Recht und Ordnung einsetzen, hartnäckig verfolgen sie die Ganoven quer durch ihr Revier, welches die Großstadt Los Angeles darstellt. Dabei handelt es sich im vorliegenden Fall nicht um ein Action-, sondern vielmehr um ein Rennspiel, denn pausenlos liefern wir uns rasante Verfolgungsjagden meistens in einem rotem Ford und schrecken natürlich auch nicht davor zurück, von Schusswaffen regen Gebrauch zu machen.
Unterteilt ist das Spiel in insgesamt knapp zwanzig Missionen, die auf einzelne Episoden verteilt sind. Diese geben uns einen guten Eindruck davon, wie der damalige Alltag der beiden Helden ausgesehen hat. Der Schwerpunkt liegt auf den Verfolgungsjagden und den Schusswechseln, nur selten haben wir es mit einer - zeitweilig ruhigeren Eskortierungsmission zu tun. Die Raserei macht schließlich wirklich Spaß, der Spannungsgehalt ist zum Glück nicht ohne und hält uns bei Laune. Motivierend ist dabei in erster Linie das Punktesystem, welches stellvertretend für die jeweiligen Einschaltquoten steht. Ja, richtig gelesen: im Grunde handelt das gesamte Rennspektakel von einer TV-Serie, in der wir als Protagonist für gute oder schlechte Resonanz der Zuschauer sorgen. Lassen wir die üblen Ganoven entwischen oder werden wir verletzt oder was noch schlimmer ist herrscht Langeweile aufgrund zu wenig Action auf den Straßen vor, so befindet sich die Einschaltquote auf einem derart niedrigen Niveau, dass die Absetzung der gesamten Fernsehstaffel und somit auch der Serie droht. Dann ist das Spiel vor uns definitiv vorbei. Bleiben wir dem kriminellen Gesocks hingegen dicht auf den Fersen, rammen wir deren Fahrzeuge oder vollführen spektakuläre Stunts durch waghalsige Driftmanöver und Sprünge, so schnellt die Quote entsprechend steil nach oben.
Um etwas frischen Wind mit hineinzubringen, existieren in der Großstadt einige Schilder bzw. Symbole, die wir mit unserer Knarre wegballern und damit ein Extra auslösen: mehr Punkte für die wichtige Einschaltquote, neue Waffen, kurzzeitige Turboschübe und sogar bessere Fahreigenschaften (Bodenhaftung) machen wir uns auf diese rabiate Art zu eigen. Das Salz in der Suppe ist hierbei das Aktivieren der gelungenen Actionsequenzen, spektakuläre Passagen werden uns in Zeitlupe präsentiert und sorgen somit für eine dichtere Atmosphäre. Einige Zwischensequenzen lockern zudem das Spielgeschehen auf, dies wird unter Zuhilfenahme von netten Standbildern im Comic-Stil bewerkstelligt. Wem dieses Raserabenteuer alleine auf Dauer zu eintönig wird, der begibt sich mit einem Kumpel in den interessanten Zweispielermodus, der wirklich für Stimmung sorgt: denn hier haben wir es mit einem Coop-Modus zu tun, wobei der eine den Chauffeur spielt, der andere mit der Wumme (Joypad oder Lightgun-Knarre) um sich schießen darf. Das macht wirklich Laune und trägt erheblich zur Langlebigkeit dieses X-Box-Titels der einstigen Kultserie bei. Gut gemacht. Weitere Boni wie neue Karossen, Screenshots, Musikstücke und eine Art Free-Run-Modus halten den ehrgeizigen Hobby-Polizisten bei der Stange. Angenehm ist hier der fordernde Schwierigkeitsgrad, der uns noch tiefer in die Materie eintauchen lässt, jedoch zum Glück nie richtig unfaire Elemente aufweist. Und trotzdem: länger als wenige Wochen hält der Spielspaß nicht an, zumindest im Solomodus. Der Wiederspielwert ist allenfalls im Coop-Modus beachtlich, was aber sicher besser als nichts ist.
Grafik und Soundkulisse von Starsky & Hutch möchte ich so eben noch als grundsolide bezeichnen, mehr ist hier wahrlich nicht drin. Keinerlei Patzer, aber auch keine besonderen Aufreger. Dass die Optik etwas veraltet wirkt, möchte ich wahrlich nicht bestreiten, schlecht ist sie aber trotzdem nicht. Nicht von der Hand zu weisen ist aber, dass die Wagen - für ein X-Box-Spiel - etwas kantig wirken und die Texturen im Hintergrund ebenfalls keinen sonderlich hohen Grad an Auflösung aufweisen. Der Horizont ist angenehm weit, was aufgrund des hohen Spieltempos auch wichtig ist. Leider scheint die Grafik nicht immer voll mitzukommen, denn einige Ruckelpassagen sind nicht zu übersehen. Mir ist es deshalb unbegreiflich, wie manch eine Fachzeitschrift von einer guten Grafik sprechen konnte. Sie ist zwar nicht richtig mies, aber veraltet und mit Fehlern behaftet. Bei der Bezeichnung als Durchschnitt schwingt demzufolge eher noch Wohlwollen mit. Daran ändern auch der 60-Hertz-Modus und die deutsche Bildschirmtexte nicht mehr viel. Im Hinblick auf die Akustik freuen wir uns über eine ordentliche deutsche Sprachausgabe, schwungvolle Musikstücke und gelungene Soundeffekte. Sensationelles finden wir hier zwar auch nicht vor, doch zufrieden bin ich in diesem Punkt trotzdem. Zumindest mehr, als mit der angestaubt wirkenden Optik.
Letztlich müsst Ihr Euch über einige Dinge im Klaren sein: last Euch durch den zähen Beginn nicht abschrecken, im weiteren Verlauf des Spiels wird es wesentlich interessanter und vor allem spannender. Trotz der nicht selten überzogen wirkenden Stunteinlagen motiviert die Jagd nach Punkten und somit nicht zuletzt nach hohen Einschaltquoten. Dieses Action-Rennspiel ist eindeutig auf unbeschwerten Fun ausgelegt, als durch eine möglichst realistisch rüberkommende Simulation, der Arcadecharakter wird durch die unkomplizierte Handhabung zusätzlich unterstrichen. Ärgerliche Dinge sind allerdings: der nicht vorhandene Rückspiegel, was definitiv beim Rasen durch den öffentlichen Straßenverkehr von Los Angeles zu Problemen führt und die Tatsache, dass wir oft auf unerklärliche Art und Weise immer wieder einmal hängen bleiben. Die Kollisionsabfrage schwächelt teilweise arg. Die beiden letztgenannten Punkte wirken sich sehr negativ auf die Spielfreude beim diesem ansonsten spaßigen Raserspiel aus, dies in Verbindung mit der antiquiert wirkenden und nicht selten von Ruckelanfällen geplagten Grafik sorgt letztlich dafür, dass dieses Rennspektakel leider doch im Mittelmaß versinkt. Meine Spielspaßwertung: 65%.
PLUS ---> 70er-Jahre-Flair, gelungene Soundkulisse, interessante Spielidee, motivierende Jagd nach hohen Einschaltquoten, Coop-Modus macht Laune
MINUS ---> Angestaubte Optik mit Ruckelanfällen, fehlerhafte Kollisionsabfrage sorgt für ärgerliches Hängenbleiben, nicht vorhandener Rückspiegel erschwert uns den Alltag erheblich, zäher Beginn