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53 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Philip Roth kehrt zu seinen Wurzeln zurück, 7. Februar 2009
Mit seinem neuen Roman "Empörung" kehrt der Amerikaner Philip Roth zurück zu den Jahren seines schriftstellerischen Ursprungs. Das Amerika der beginnenden 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts ist ein sittenstrenges, politisch fragwürdig geführtes und sich gerade im Koreakrieg ausblutendes Land.
Marcus Messner, geboren in Newark, Sohn jüdischer Eltern, kommt in Winesburg an, einer verträumten amerikanischen Kleinstadt mit einem konservativem College, dem ein erzkonservativer Ex-Politiker in Lauerstellung auf den nächsten Gouverneursposten, vorsteht.
Mit dem Studentenleben beginnen für Marcus auch neue Prüfungen des Lebens, das Zusammenleben mit anderen Studenten auf einer Bude, die Akzeptanz von Andersartigkeit in jeglicher Form und - natürlich - die nicht schmerzlose Entdeckung des sexuellen Ichs.
Philip Roth blättert mit seinem neuen kleinen Buch eine Biografie des Scheiterns auf, des Scheiterns eines jungen Mannes an sich selbst und an den Ansprüchen, die ihm von der Gesellschaft aufgegeben werden und die zu erfüllen er nicht bereit ist, nicht bereit sein kann. Die erdrückende Enge des jüdischen Elternhauses und des immer mehr überbesorgt reagierenden Vaters tauscht Marcus mit der provinziellen Enge eines der Tradition verhafteten Colleges ein und so stößt Marcus nicht in die erhoffte Freiheit vor sondern bleibt Gefangener der Umstände, die sein Leben genau wie das Leben von Millionen anderer Amerikaner prägen.
Die Zeit ist gnadenlos und der böse und schwarze Schatten der McCarthy-Ära beginnt sich über das geplagte Land zu legen. Der weit weg stattfindende und sich doch in die alltägliche Wahrnehmung der Amerikaner einbrennende Koreakrieg fordert immer mehr Opfer, Soldaten und Familien, die ihre Söhne und Väter verlieren. Dieses Gespenst des Krieges ist es, dass Marcus Angst einflößt und dem er mit Bestleistungen am College zu entkommen versucht. Gelingen kann ihm das nicht, egal, wie seine ganz persönliche Geschichte auch auszugehen vermag.
Philip Roth schreibt mit der Weisheit des Alters und der Verbissenheit des Mahners, dem zu glauben nicht jeder im Land bereit ist. Anders als noch in seinen frühen Geschichten und Romanen zu den in seinen Werken immer wiederkehrenden Themen der Abnabelung vom jüdischen Elternhaus, der Entdeckung der Sexualität und des Lebens in einer kalten Gesellschaft ist Roth mit zunehmenden Alter immer deutlicher und unverblümter, ja unduldsamer mit seinen Überzeugungen umgegangen und hält mit diesen in seinen Romanen an keiner Stelle hinter dem Berg. Marcus Messner muss scheitern, mit seinem Anspruch hat er im damaligen Amerika kaum eine Chance und hätte sie wohl heute ebenso wenig.
Philip Roth ist ein ganz herausragender Autor und er hat mit seinem beim Hanser Verlag in der wieder ganz vorzüglichen deutschen Übersetzung von Werner Schmitz erschienenen kleinen Roman "Empörung" einen neuen mächtigen Pfahl in sein Alterswerk geschlagen, der dieses noch sehr lange im Bewusstsein der literarischen Welt festhalten wird!
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Großartige Literatur mit klassischen Anleihen, 26. Februar 2009
Wir kennen die Lichtgestalten der vergangenen (literarischen) Epochen. Goethes "Werther": ein intelligenter, hochsensibler, schwärmerischer junger Mann - schreibt im ausgehenden 18. Jahrhundert seinem Freund Wilhelm Briefe, über seine Verzweiflung und die Aussichtslosigkeit der Liebe und über gesellschaftliche Zurücksetzungen. Holden Caulfield, der "Fänger im Roggen" von Salinger, auch ein Mensch, der an den gesellschaftlichen Verhältnisses zerbricht und auch Kleists Michael Kohlhaas ist einer, der durch seinen verzweifelten Kampf gegen das System riskiert, alles zu verlieren, was ihm wertvoll ist. Doch am nächsten kommt Robert Musils Törleß der Gestalt Marcus Messners in Philip Roths bewegender Prosa "Empörung". Musil beschreibt in der Figur Törleß die Geschichte einer Identitätsstörung mit geradezu klinischer Dichte. Marcus Messner ist der Sohn eines koscheren Metzgers in schweren, ärmlichen Verhältnissen der frühen fünfziger Jahre in einer Kleinstadt an der Ostküste. Der Koreakrieg reißt tiefe Wunden in den amerikanischen Traum und der Vater von Marcus leidet an Verfolgungswahn, indem er seinen geliebten Sohn vor lauter Angst, es könne ihm "irgendwas" passieren, am liebsten in einen Schrank einsperren will. Marcus flieht aus dem psychopathologischen Elternhaus in ein beschauliches College 500 Meilen von zu Hause. Hier will er fleißig studieren, einen Einser - Abschluss machen und vielleicht mal Anwalt werden. Alles kommt anders und endet in mehreren Katastrophen. Der imposanteste Auftritt in dem Buch ist Marcus` Besuch bei dem Dekan des College, der in einer Brandrede über Bertrand Russels Essay aus dem Jahre 1927 "Warum ich kein Christ bin" endet. Marcus ist Fan von Russel und kennt den Essay nahezu auswendig, weil er früher in der Highschool Mitglied in einem Debattierclub war. In einer beispiellosen Wut auf die scheinheilige Arroganz des Dekans mit seinem unsäglichen Patriotismus und klerikaler Kleingeistigkeit, schreit sich Marcus Messner in Rage und übergibt sich im Zimmer des Dekans. Nach einer überstandenen Blinddarmoperation eskalieren die Ereignisse im College immer mehr und Marcus verliert sich in der verzweifelten Suche nach Olivia, die ihm am Anfang seiner Zeit im Winesberg College ein Erlebnis bescherte, das auch sonst kein Mann in seinem Leben vergessen wird. Die hohe Kunst des Buches liegt auch darin, dass es in oder aus einer Dimension geschrieben ist, die nicht wirklich existiert, aus einer Art Ewigkeit heraus, denn nach einigen Hinweisen Roths in der Geschichte von Marcus als Ich Erzähler, begreifen wir, dass Marcus tot ist. Und quasi aus dem Jenseits erzählt. Ein bewegendes Buch. Und so ganz anders als die von ihm gewohnten Romane über alternde New Yorker Juden oder Professoren, die trotz Haarausfall und zitternden Händen, den Frauen nachstellen. Dieses Buch, wenn auch mit überschaubaren 200 Seiten, ist unbedingt zu empfehlen. Allein schon wegen der perfekten Analysen Bertrand Russels zum Gottesbeweis (das es eben keinen gibt), die aktueller ist, den je.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Roman mit nachhaltender Wirkung...und endlosem Echo.., 16. Mai 2009
Anfangs dachte ich, ich weiss gar nicht was diese Leute von diesem Phillip Roth halten, dass sie ihn ständig erwähnen, besprechen und loben müssen und ein Buchtitel bei dem ich mich frage, wo er überhaupt den Bezug zur Handlung hat. Ich dachte nichts besonderes, College-Story, Fünfzigerjahre, Studentenleben, Biographie eines Scheiterns, Provinz, konservativ, überbesorgter Vater,von einem jungen Amerikaner, amerikanisch eben, grausige Metzgerszenen, der Wunsch von einem jungen Menschen mit den dortigen Frauen in Kontakt zu kommen.
Eine Todesszene,(oder besser die Feststellung dass der Ich-Erzähler mal kurz erzählt "bevor ich starb") auf Seite 51 irritiert, und lässt den Leser was den Tod des Ich-Erzählers anbelangt im Unklaren. Ich dachte die ganze Zeit, kein Buch zum Empfehlen...komisch irgendwie...komisch..doch es sollte anders kommen..
Nur soviel zur Handlung, der junge Marc Messner,Sohn eines koscheren Mezgers, stirbt im Korea-Krieg auf den letzten Seiten erfahren wir, von seinem dortigen Einsatz und seinem Tod, (der eben wir schon erwähnt andeutungsweise zu Beginn des Buches erwähnt wird), danach alles in Vergangenheit gerät was erzählt wurde,das Heranwachsen, das mühsame Elternhaus, die Metzgerei in der er arbeitet, der Wechsel des Colleges,erste Erfahrungen mit Frauen (auch sexuell) , wie nur noch eine Erinnerung am fernen Horizont erscheint.
Wer sich durchkämpft und durchhält, das scheint wohl bei einiger Literatur so zu sein, wird bei Phillip Roth belohnt. Der Leser merkt sehr schnell, dass wir es hier mit einem Erzählprofi zu tun haben, der es auf unglaublichen letzten 6 Seiten (Kap. Aus und Vorbei) dermassen auf den Punkt bringt,dass im Leser eine nachhaltige Wirkung verursacht wird, die über Tage und Wochen anhält, zumindest im meinem Fall war das der Fall. Ob denn der ganze Vorlauf des Buches dazu nötig war? Ich vermute ja.
Für mich ist Roth ein Autor der neugierig macht, ein Profi von dem man mehr wissen will, von dem man spürt dass er sein Handwerk beherrscht, die erzeugte nachhaltige Wirkung, ist fast so als ob man "ein endloses Echo" nach Beendigung des Buches hören würde ist für mich schon aussergewöhnlich und macht diesen Autor für mich so besonders und einzigartig, man möchte gerne mehr von diesem Autor lesen, der mich persönlich auf eine grosse Art und Weise beeindruckt hat.
Für mich mein erster und sicherlich nicht mein Letzter Phillip Roth!
(22.2.2009)
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