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Nach dem extrem düsteren "Mer de Noms" (2000) und dem stark an The Cure Ende der 80er erinnernden "Thirteenth Step" (2003) stehen im Mittelpunkt von "eMOTIVe" nun auf Grund der derzeitigen weltpolitischen Lage, Anti-Kriegs- und Protestsongs. Dabei bedient sich das Quintett bei Vorlagen
aus drei Jahrzehnten. Ob es nun John Lennons "Imagine", Marvin Gayes "What's Going On" oder Depeche Modes "People Are People" ist -- "APC" geben sich zu keiner Zeit mit plumpen Coverversionen zufrieden (schönen Gruß an ihre früheren Tourkollegen Korn und die Deftones...), sondern schaffen stets völlig neue Interpretationen klassischen Materials.
Flüsternd und nur von einer Akustikgitarre und einer Spieluhr begleitet, eröffnet Maynard das Album mit dem Punk-Klassiker "Annihilation". Was folgt ist sogleich *der* Höhepunkt der guten Dreiviertelstunde an Musik: Schließlich wagen sich "APC" mit "Imagine" nicht an irgendeinen Song, sondern an Lennons legendäre Hoffnungshymne auf eine bessere Welt. Was Keenan & Co. daraus machen, ist eine Bestandsaufnahme gut zwanzig Jahre später. Die Hoffnung ist gewichen und nun regieren die Moll-Tonart und ein düsteres Piano. Aus der Utopie ist eine Distopie geworden. Zusammen mit dem Video zum Song, das den Niedergang der westlichen Zivilisation in Form von Kriegsbildern, Hunger und Elend zeigt und damit die Bush-Administration anprangert, hat die Band hier ein absolutes Meisterwerk geschaffen!
Was folgt ist Elvis Costellos "(What's So Funny 'Bout) Peace, Love And Understanding" auf dem Keenan in einer Stimmlage wie Sade (!) singt! Und wer dachte, das dieses Lied für eine Hardrockband schon recht sanft und ruhig ist, sieht sich im nachfolgenden "What's Going On" nochmals einer weiteren Steigerung gegenüber. Auch hier ist der positive Groove von Marvin Gayes '71er Klassiker gegen den Vietnamkrieg einem desillusionierten, sich dahinschleppenden Rhythmus gewichen. Auf "Passive" kommen dann auch endlich die Rockfans auf ihre Kosten, gibt es doch im vierten Lied die ersten Gitarren und den von den ersten beiden Alben gewohnten "APC"-Sound.
Die Höhepunkte des restlichen Albums sind ganz klar das Depeche Mode Cover "People Are People", das rhytmisch-leiernd vor sich hinstolpert und man dreimal hinhören muß, bevor man überhaupt Parallelen zum Original erkennt; der Fear-Klassiker "Let's Have a War", dem ein neues Drum-and-Bass-Gewand verpasst wurde und last but not least die einzige nennenswerte Eigenkomposition "Counting Bodies Like Sheep To The Rhythm Of the War Drums", die nicht nur die Auszeichnung für den ausführlichsten Songtitel des Jahres abräumt, sondern auch noch ein Industrial-Brecher allererster Güte ist, der sich auch vor den Machwerken von Kapazitäten dieser Zunft wie Nine Inch Nails oder Ministry nicht zu verstecken braucht!
Bemerkenswert ist in erster Linie aber wieder einmal die stimmliche Bandbreite, die Sänger Maynard James Keenan an den Tag legt: Er vereinigt in seinem Gesang die unendliche Sanftheit von Sade und die schnoddrige Arroganz Billy Idols, die Verzweiflung von Jonathan Davis und die Wut Corey Taylors. Die Quadratur des Kreises? In seinem Fall nicht. Insgesamt ist "eMOTIVe" ein Album, das sich immer am Rande des Großartigen bewegt, im Endeffekt jedoch auf Grund einiger schwächerer Songs nicht ganz zu den ganz großen Protestalben wie The Clashs "London Calling" oder Rage Against The Machines gleichnamigem Debüt gezählt werden kann. Nichts desto trotz ist es verdammt gut!
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