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Emma hingegen wirkte immer etwas unnahbar, kühl und distanziert. Ihre Schönheit und Bildung ließen sie eher arrogant erscheinen, auch wenn die Wahl ihrer Worte durchaus Potential besaß, einem in die Seele zu kriechen und so schnell nicht wieder loszulassen.
Doch wollte ich tatsächlich einen ganzen Roman über Emma lesen, eine Figur, für die ich schon in "Das Gegenteil von Schokolade" nicht viel Sympathie hatte aufbringen können ? Zunächst war ich mir unschlüssig, doch dann siegte doch meine Überzeugung, daß Mirjam Müntefering bislang noch immer einen Schreibstil an den Tag gelegt hatte, der wirklich jeder Hauptfigur in ihren Romanen Charme und Witz und absolut realistische Züge eingehaucht hatte.
Ich wurde nicht enttäuscht. Und noch besser: Im Laufe der Lektüre lernt Emma so einiges dazu, so z.B. daß korrekte Grammatik nicht unbedingt ein Indiz für den Wert eines Menschen darstellt, daß man seine Meinung über andere auch wieder revidieren kann, daß Ehrlichkeit für eine Freundschaft oftmals zuträglicher ist als feiges Vermeiden jeglichen Konflikts, daß man der eigenen inneren Stimme tatsächlich Glauben schenken darf, ... und vor allem daß es sich hin und wieder lohnt, das Denken vorübergehend einzustellen, die Mauern um sich herum zum Einsturz zu bringen und seinem Herzen zu folgen. Ja, und so habe ich auch meine Meinung zu Emma revidiert und finde sie nun ebenfalls sehr sympathisch.
Das Ende dieses Romans ist quasi ab der 10.Seite vorhersagbar ; somit dürften all` jene, die Spannung und Überraschungen erwarten, eher enttäuscht werden. Wer sich jedoch auf ein Wiedersehen mit der Frauenclique rund um Michelin & Co. (siehe: "Ada sucht Eva", "Die schönen Mütter anderer Töchter", "Das Gegenteil von Schokolade") freut, Spaß daran hat, gemeinsam mit Emma und Armin auf Wohnungssuche zu gehen, ohne daß einer der beiden tatsächlich vorhat umzuziehen, und wer miterleben möchte, wie eine eher steife und unglücklich verliebte Emma sich weiterentwickelt ... der wird mit diesem Roman sicherlich viel Spaß haben. Dieses Buch ist kein absolutes Muss, aber zum Immer-wieder-einmal-schmunzeln-müssen, als leichte Lektüre für ein Wochenende allemal geeignet.
Aber dann kam plötzlich eine Wende. Es lag nicht daran, dass das Buch plötzlich anders geschreiben war, oder dass etwas grossartiges passierte. Nein, es war wohl eher ich, die mich jetzt auf die Geschichte einliess.
Und so konnte ich den Schluss der Geschichte wirklich geniessen. Ich konnte die Entwicklung von Emmas Gefühlen nachvollziehen. Und die letzten Seiten, etwa ab dem Zeitpunkt, als Lu Emmas Daten vom Computer rettet, sind wirklich toll zu lesen. Als die Geschichte zu Ende gelesen war, war da auch ein bisschen Wehmut, dass es schon wieder vorbei ist.
Tja, ich warte halt auf das nächste Buch der Autorin.
Fazit: Kaufen und lesen. Nichts tiefgründiges erwarten, aber etwas leichtes für den beginnenden Frühling erhalten.
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