Schon Jane Austen selbst macht es ihren Lesern schwer Emma so recht zu mögen. Sie mag hübsch sein und gebildet, aber ein echter Sympathieträger ist sie über lange Zeit nicht. Das mag ein Grund sein, warum auch in der dieser Verfilmung der Funke nicht richtig überspringt. Ang Lee hattte es mit "Sense and Sensibility" insofern deutlich leichter: Die Dashwood-Schwestern haben im Gegensatz zu Emma von Anfang an mindestens den Mitleidsbonus. Es kann nicht schaden, dies im Hinterkopf zu halten, weil man sonst leicht versucht sein könnte, zu hart mit dem Film und den Darstellern ins Gericht zu gehen.
Gwyneth Paltrows Darstellung ist erfrischend unbeschwert und glaubwürdig. Nur selten hat man den, bei Literaturverfilmungen leicht entstehenden, Eindruck "das Handwerk zu sehen". Es ist gelegentlich darauf hingewiesen worden, daß Paltrows Akzent (der doch recht amerikanisch klingt) störe. Das mag richtig sein, sollte aber auch nicht überbewertet werden. Nur wenige Zuschauer dürften Sprachwissenschaftler sein, alle anderen werden nach wenigen Szenen darüber hinweg hören. In der deutschen Sprachfassung spielt das ohnehin keine Rolle.
Die Leistung der Darsteller ist insgesamt überzeugend bis sehr gut, wobei neben Gwyneth Paltrow besonders Jeremy Northam hervorzuheben ist, dem es gelingt seinem Mr. Knightley einen ganz eigenen "touch" zu geben, der ihn vor einem gewissen Austen-typischen Klischee rettet, daß - um jenen nichts zu verraten, die die Geschichte nicht kennnen - hier ungenannt bleiben soll.
Was diesen Film auszeichnet ist die Tatsache, daß es Regisseur und Darstellern gelingt, den Zuschauer ziemlich von Anfang an für die schwierige Figur Emma zu interessieren. Der Zuschauer ist bereit, ihr (zusammen mit Knightley, der an diesem Effekt einigen Anteil hat) ihre Fehler zu verzeihen, über ihren unberechtigten Enthusiasmus am "matchmaking" zu lächeln und peinliche Situationen mitzufühlen.
Die nur mittelmäßige Wertung ist in erster Linie auf die Ausstattung der DVD zurückzuführen. Bild- und Tonqualität sind in Ordnung, das Bildformart ist, wie es sich gehört, 16:9 widescreen (was in Deutschland leider nicht selbstverständlich ist). Ein paar Trailer als Extras sind aber nicht ganz befriedigend. Was aber am schwersten wiegt: Wer sich die englische Sprachfassung ansehen will muß sich mit nicht ausblendbaren deutschen Untertiteln abfinden, die zudem -trotz der 16:9-typischen Balken- im Bild untergebracht sind. Gerade bei einem Klassiker der englischen Literatur eine ziemliche Zumutung. Schade, dieser Film hätte eine bessere Edition verdient.