Emma Woodhouse ist die am besten situierte Heldin der englischen Schriftstellerin Jane Austen. Sie ist jung, reich und hat es nicht nötig zu heiraten. Mit ihren 21 Jahren ist sie bereits die Herrin im Hause ihres Vaters und ihre kleine beschauliche Welt scheint sich nur um sie zu drehen. Dass Emma trotz der Bedenken ihrer Erfinderin fast sämtliche Sympathien der Leser erhält, liegt bestimmt an der entwaffnend offenen Art der jungen Dame, die kein größeres Vergnügen kennt, als sämtliche heiratswillige Frauen und Männer in ihrer Umgebung mit dem passenden Partner zu verbinden. Dabei hat ihr eigenes Herz schon lange seine Wahl in Liebesdingen getroffen. Doch das bemerkt Emma erst dann, als sie befürchten muss, dass ihre Erkenntnis zu spät kommt. Die vierteilige Serie aus der Qualitätsschmiede von BBC lässt keinerlei Wünsche offen und setzt Emma und ihre Lieben perfekt in Szene. Keinen Augenblick dieser höchst amüsanten und lebhaft gespielten Geschichte muss der Zuschauer sich langweilen und wird mit exquisiten Bildern und anregenden Dialogen verwöhnt.
Romola Garai ("
Nicholas Nickleby", "
Vanity Fair - Jahrmarkt der Eitelkeit") hat ihre Wandlungsfähigkeit schon oft unter Beweis gestellt und auch für die Rolle der perfekten Emma Woodhouse ist sie die Idealbesetzung. Trotz ihrer blonden Locken und ihrer anmutigen Gestalt, die sie anziehend weiblich wirken lassen, schafft sie es mit Leichtigkeit durch kleine Gesten oder durch scharfzüngige Bemerkungen auf ihren gesellschaftlichen Stand aufmerksam zu machen. An ihrer Seite spielt Jonny Lee Miller ("
Mansfield Park") den langjährigen Freund des Hauses, Mr. George Knightley. Sein ausdruckstarkes Minenspiel und seine trocken humorvolle Art Emmas leidenschaftliche Ausbrüche und Meinungskundgebungen zu kommentieren, sind unbeschreiblich gut.
Die Serie setzt neue Akzente, was man bereits in der Eingangsszene bemerkt. Die Geschichte beginnt nicht wie üblich mit der Hochzeit von Miss Taylor (Jodhi May), dem ehemaligen Kindermädchen von Emma Woodhouse, sondern viel früher. Der Fokus richtet sich auf drei kleine Kinder, die mit schweren Verlusten zurecht kommen müssen: Emma Woodhouse, Frank Weston und Jane Fairfax. Der kleine Frank wird nach dem Tod der Mutter von Tante Churchill mitgenommen, die ihm einen anderen Namen und ein neues Zuhause gibt. Da Mutter und Tochter Bates am verarmen sind, müssen sie ihre geliebte, elternlose Nichte Jane weggeben, die fortan als Gesellschafterin einer Tochter aus gutem Hause aufwachsen soll. Nur die kleine Emma bleibt in ihrer Heimat und wird von Miss Taylor betreut und von ihrem überängstlichen Vater (Michael Gambon, "
Elizabeth Gaskell's Cranford") bewacht, nachdem ihre Mutter verstorben ist.
Nach vielen Jahren sollen sich die drei Kinder als Erwachsene wieder in Highburry begegnen. Emma ist eine sorglose, schöne und reiche Lady geworden, der nach der Heirat ihrer Schwester und dem Verlust ihres Kindermädchens etwas einsam und langweilig geworden ist. Daher sucht sie ein neues Projekt und schließt Freundschaft mit der netten, hübschen, aber recht einfachen Harriet Smith (Louise Dylan), deren Herkunft von eher zweifelhafter Art ist. Emma ist überzeugt, dass ihr Vater ein Gentleman geworden ist und möchte Harriets Entwicklung mit aller Macht fördern, damit sie auch eine Ehe mit einem angemessenen Partner schließen kann. Und wer wäre dafür besser geeignet wie der unverheiratete, junge Pfarrer Elton (herrliche Frisur, Blake Ritson, "
Jane Austen's Mansfield Park (2007)") ? Mr. Knightley steht dieser Freundschaft sehr skeptisch gegenüber, weil er befürchtet, dass dadurch Emma Eitelkeit ungesunder weise gefördert wird. Jane Fairfax (Laura Pyper) wäre für ihn die bessere Wahl. Die junge Frau ist als perfekte Dame zurück gekehrt und muss sich nun da die Tochter ihres Gönners verheiratet ist, eine Stelle als Gouvernante suchen. Emma ist etwas neidisch auf die vollendeten Künste von Jane, die sie beim Klavierspielen einfach aussticht. Außerdem ist ihr Jane viel zu reserviert. Warum hält nur Mr. Knightley so große Stücke auf sie? Ist er etwa in Miss Fairfax verliebt? Ein viel angenehmerer Zeitgenosse ist Mr. Frank Churchill ((Rupert Evans), der es endlich geschafft hat, Urlaub von seiner Tante zu erhalten und seinen Vater und dessen neue Frau Anne Weston, ehemals Taylor, besucht. Es ist offensichtlich, dass die Westons auf eine Verbindung zwischen Emma und Frank hof-fen. Aber wie fühlt es sich überhaupt an, verliebt zu sein? Dieses Geheimnis muss Emma erst noch ergründen.
Die großzügige Spieldauer erlaubt es, den beteiligten Figuren Tiefe zu geben und bestimmte Szenen aus der Romanvorlage, wie zum Beispiel den Ausflug nach Box Hill, perfekt auszuleuchten. Auch einige Nebenfiguren, die in anderen Verfilmungen eher stiefmütterlich behandelt oder aus Zeitgründen gänzlich gestrichen wurden, kommen hier zur Geltung wie zum Beispiel John und Isabella Knightley.
Die Extras sind ganz auf die Produktion von Emma zugeschnitten und sehr bemerkenswert. Es gibt liebevoll gestaltete Informationen zu den Kostümen und Kulissen und über die Musikuntermalung. Michael Gambon darf über sein Schauspielerleben berichten und danach kann man sich noch eine Bildergalerie ansehen. Interessant ist, dass die Bilder des Films einem Ölgemälde gleichen sollten. Es wurden eher starke Farben und Kontraste gewählt, um eine intensive Wirkung zu erzielen. Emma darf die kräftigsten Farben tragen, aber auch Harriet, die am Anfang natürliche Blau- und Grüntöne trägt, darf ihrem großen Idol Emma nacheifern. Mr. Knightley dagegen trägt praktische, aber stilvolle Kleidung, in der er sich wohlfühlt. Besondere Mühe hat man sich auch bei der Auswahl der Gebäude gegeben, da sich die Schauspieler in vielen Szenen in den Häusern aufhalten. Hartfield sollte über viele Räume verfügen, in denen sich Emma anmutig und fließend bewegen kann, aber gleichzeitig sollte das Haus so gemütlich sein, dass sich die Leute der Umgebung davon angezogen werden und sich dort wohlfühlen. Das perfekte Haus wurde gefunden und kann im Film ausgiebig bestaunt und bewundert werden.
Nett ist auch die Aufmachung der DVD-Hülle. Die beiden DVDs liegen leicht übereinander. Stehen die Scheiben in der richtigen Position sieht eine lächelnde Emma auf DVD 1 auf Mr. Knighley auf DVD 2 herab. Nimmt man jedoch DVD 1 aus der Halterung erkennt man, dass auf der zweiten DVD nicht nur Mr. Knightley abgebildet ist, sondern auch Emma selbst. Ein schönes, durchdachtes Detail.
Als Beigabe erhält man beim Kauf dieser DVDs außerdem noch vier wunderschöne Postkarten, die fast zu schade zum Verschicken sind.