Stewart O'Nan wagt sich mit diesem Roman etwas, was nur wenige sich trauen: er erzählt eine leise Geschichte einer alten Frau, die sorgsam durch ihr Leben geht - sowohl in ihren Erinnerungen als auch in ihrem Alltag. Emily Maxwell lebt als Witwe in Pittsburgh, in der Stadt aus der O'Nan stammt und in die er nach einigen Jahren zurückgezogen ist. Der Roman ist zugleich auch ein Porträt einer Stadt, die als Industriestandort ebenfalls mehr von ihrer Geschichte als von der Gegenwart lebt.
In oft abwechselnden Kapiteln erzählt O'Nan von Coupon-Heftchen, einem herausfordernden Autokauf, den komplexen Beziehungen zu den Kindern, Freundinnen, die sterben, einem Nachbarhaus, das verkauft und umgebaut wird, einem alternden Hund, einsamen Mittagessen, den täglichen Kleinigkeiten, einer lästigen Grippe, die einem die eigene Schwachheit zeigt, von der Kraft, die das morgendliche Aufstehen braucht, dem Schnee und den trüben Tagen, vom Frühling, dem Sonntagsgottesdienst, einem Glauben, der selbstverständlich und nie peinlich ist, von der Verantwortung zu nahen Menschen und immer wieder vom Vermissen eines geliebten Menschen.
O'Nan erzählt ehrlich und schonungslos, höflich distanziert, sorgsam und achtsam, humorvoll und nie zynisch, trauernd aber nicht sentimental, melancholisch, aber nicht drückend, langsam und nie langweilig. In vielen Schleifen findet er ein Ende, dass das Buch zu einer Art Meditation über das Leben macht. Emily besucht das Grab ihres Mannes und ihrer Eltern und anschließend das Haus ihrer Eltern und ihrer Kindheit. Dass der Roman dort nicht endet, sondern mit einem Aufbruch, zeigt den großen Mut von Stewart O'Nan.
Es ist das Buch der letzten Wintermonate, in denen man schon den Frühling hofft. Und viele Leser für diesen wundervollen Roman.