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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
31 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wiedersehen in Chautauqua, vielleicht,
Von Helga Kurz "Helga Kurz" (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Emily, allein (Gebundene Ausgabe)
In dieser anrührenden, niemals rührseligen Geschichte spinnt Stewart O'Nan das Leben der Witwe Emily Maxwell fort. Sieben Jahre ist Henry bereits tot, sie hat sich mit ihrem einsamen Dasein in den Wänden des einst gemeinsamen Heims, das hie und da noch Spuren von Henrys Wirken zeigt, arrangiert. In manchen Momenten überfällt sie jedoch die Sehnsucht nach ihrem Mann, ihrem gemeinsamen Leben und nicht zuletzt nach einer anderen Zeit.Wenn Wehmut die Sehnsucht nach etwas ist, von dem man weiß, dass es nie wiederkehren wird, dann ist sie der Stoff, von dem dieses ruhige Portrait einer alten Frau durchwoben ist. Leise und präzise legt der Autor seine Hand auf die Stellen, die schmerzen, die Angst machen, und mit denen sich alle auseinandersetzen müssen, die dem Ende eines langen gelebten Seins wachen Verstandes entgegengehen. Emily kommt gut zurecht, eigentlich. Da ist ihr Hund Rufus, ebenfalls alt und eigensinnig. Regelmäßig ist sie mit ihrer Schwägerin Arlene zusammen, die auf ihre Art mit den Zumutungen des Alters kämpft. Emily hat ihre Musik, ihre Literatur, kleine kulturelle Ereignisse und vor allem ihren Garten, den sie in den langen, schweren Wintern von Pittsburgh schmerzlich vermisst. Und während sie auf den Frühling wartet, schneidet sie Rabattcoupons aus, verteilt Kleenexschachteln im Haus neu und ernährt sich lieblos von Dosensuppen und überbackenen Toasts. Durch die Fenster ihres Hauses betrachtet sie, die jede Kleinigkeit registriert, die Veränderungen in ihrer Straße. Sie ist die letzte des alten Nachbarschaftsverbundes, längst dahin sind die fröhlichen Barbecueabende, und als das Nachbarhaus, in dem einst ihre Freundin Kay lebte, verkauft werden soll, schmerzt das sehr. Kay starb im Altersheim, der zu lange aufgeschobene Besuch ist hinfällig, die Teilnahme an der Beerdingung selbstverständlich. So viele Beerdigungen, so viele Erinnerungen - was das scharfe Hausfrauenauge aber nicht vom prüfenden und im Geiste vergleichenden Blick auf die Veranstaltung hindert. Die Kinder, einst vielversprechend, sind im eigenen, entfernt stattfindenden Leben steckengeblieben. Für die Enkel ist die Großmutter vor allem das: eine Randfigur, die an starren Ritualen festhält. Langersehnte Besuche sind schön. Und anstrengend. Das Loslassen wird nie zur Gewohnheit und schmerzt genauso, wie das Aussortieren von Gegenständen, an denen so viele Erinnerungen hängen. Wie viel Kraft das Leben in einem vergangenen Leben kostet, beschreibt Stewart O'Nan mit erstaunlich einfühlsamer Kraft. Erstaunlich auch deshalb, weil er selbst mit 50 Jahren noch nicht alt und eigentlich im besten Mitlife Crisis-Alter ist. Ein Lebensabschnitt, in dem die meisten schreibenden Männer ihren Blick vor allem auf mehr oder weniger komplexe sexuelle Eskapaden und Fantasien zu richten pflegen. Mit "Emily, allein" hat er das Leben einer alten Frau mit wachem Verstand, Fluch und Segen zugleich, beschrieben und damit eine Figur in den Focus seines Buches gestellt, die in einer sehr jugendorientierten Zeit üblicherweise auch literarisch ein Schattendasein führt. Den Massengeschmack bedient dieses stille Juwel, das Gefahr läuft, sich eine der unqualifizierten "Gääääähhhn-Rezensionen" einzuhandeln, sicher nicht. Wie sich Emily unverzagt trotz gefühlter Unbehütetheit und Unzulänglichkeit in einer fragilen Existenz behauptet und ihr Leben immer wieder selbst in die Hand nimmt, das ist die sehr lesenswerte Geschichte eines Mannes, der dieses Buch seiner Mutter gewidmet hat, der Frau, die ihn "immer zum Bücherbus mitnahm". Nicht vergebens, wie man lesend feststellen kann. Helga Kurz 21. Januar 2012 Abschied von Chautauqua Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Meditation über das Leben,
Rezension bezieht sich auf: Emily, allein (Gebundene Ausgabe)
Stewart O'Nan wagt sich mit diesem Roman etwas, was nur wenige sich trauen: er erzählt eine leise Geschichte einer alten Frau, die sorgsam durch ihr Leben geht - sowohl in ihren Erinnerungen als auch in ihrem Alltag. Emily Maxwell lebt als Witwe in Pittsburgh, in der Stadt aus der O'Nan stammt und in die er nach einigen Jahren zurückgezogen ist. Der Roman ist zugleich auch ein Porträt einer Stadt, die als Industriestandort ebenfalls mehr von ihrer Geschichte als von der Gegenwart lebt.In oft abwechselnden Kapiteln erzählt O'Nan von Coupon-Heftchen, einem herausfordernden Autokauf, den komplexen Beziehungen zu den Kindern, Freundinnen, die sterben, einem Nachbarhaus, das verkauft und umgebaut wird, einem alternden Hund, einsamen Mittagessen, den täglichen Kleinigkeiten, einer lästigen Grippe, die einem die eigene Schwachheit zeigt, von der Kraft, die das morgendliche Aufstehen braucht, dem Schnee und den trüben Tagen, vom Frühling, dem Sonntagsgottesdienst, einem Glauben, der selbstverständlich und nie peinlich ist, von der Verantwortung zu nahen Menschen und immer wieder vom Vermissen eines geliebten Menschen. O'Nan erzählt ehrlich und schonungslos, höflich distanziert, sorgsam und achtsam, humorvoll und nie zynisch, trauernd aber nicht sentimental, melancholisch, aber nicht drückend, langsam und nie langweilig. In vielen Schleifen findet er ein Ende, dass das Buch zu einer Art Meditation über das Leben macht. Emily besucht das Grab ihres Mannes und ihrer Eltern und anschließend das Haus ihrer Eltern und ihrer Kindheit. Dass der Roman dort nicht endet, sondern mit einem Aufbruch, zeigt den großen Mut von Stewart O'Nan. Es ist das Buch der letzten Wintermonate, in denen man schon den Frühling hofft. Und viele Leser für diesen wundervollen Roman. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Abschiede .....,
Rezension bezieht sich auf: Emily, allein (Gebundene Ausgabe)
Nach langen Jahren mit ihrem Mann Henry und den beiden Kindern Margaret und Kenneth lebt Emily als Witwe allein in ihrem Häuschen in Pittsburgh/ Pennsylvanya. Henry ist tot, und die Kinder haben ihre eigenen Familien weit weg in anderen US Staaten. Als Gesellschafter ist Emily nur der Hund Rufus geblieben, ebenfalls schon hoch betagt.Gelegentlich trifft sie sich mit ihrer Schwägerin Arlene, die auch alleine aber gesundheitlich etwas angeschlagen ist. Stewart O'Nan ist ein einfühlsamer und aufmerksamer Beobachter. Wie kleine Wortjuwelen muten seine Sätze an, in denen er die Einsamkeit, die Mühsal des Alters, den Mut und die Tapferkeit der alten Dame beschreibt. Sie findet sich zurecht, doch schmerzt es sie, wie wenig die Kinder sich an ihr Zuhause erinnern und ganz im Mainstream ihres gegenwärtigen Lebens schwimmen. Mit einem kurzen Blick in die Vergangenheit sieht sie die vielen Autos und das volle Haus zu Thanksgiving in den längst vergangenen Zeiten ihrer jüngeren Jahre. Der humorvoll-wehmütige Satz zu ihrem Hund Rufus gesprochen, "ich weiß, es macht keinen Spaß, alt zu werden. Aber wenigstens musst Du nicht vor den Leuten herumstolzieren..."zeigt ihre Stimmung sehr genau. Beim Kartenschreiben zu Weihnachten erinnert sie sich an viele glückliche Stunden im Kreis von Freunden. Sie sind entweder schon verstorben oder aber fortgezogen. Dabei idealisiert sie die Vergangenheit nicht und gedenkt der vielen Kämpfe, die sie z. B. mit ihrer Tochter ausgetragen hat. Ein Dasein abseits vom Lebensstress und beruflichem Ehrgeiz macht das Alter aus. Emilys Schwägerin Arlene ist ihre beständigste Gesprächspartnerin. Das stille vergebliche Warten auf Post oder Nachrichten von den Kindern oder Enkelkindern,--alles ist immer auf die gleiche Art schon da gewesen. Emily verliert nie den Lebensmut; sie kann sich freuen, hängt ihren Erinnerungen nach und denkt an Henry, ihren verstorbenen Mann. Stewart O'Nan gibt dem Alter eine Stimme, behutsam, sensibel und sehr nahe an der Realität, denn Altern heißt immer von Neuem Abschied nehmen, die Vergangenheit erinnern und sich abfinden. O'Nan hat das richtige Einfühlungsvermögen, um alles so realitätsnah wie möglich wieder zugeben. Eine schöne, stille, ruhige und bewegende Geschichte ist ihm mit diesem neuen Roman gelungen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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