Wir kennen Emily the Strange als etwas merkwürdiges Mädchen, dass immer nur schwarz trägt, vier Katzen besitzt, sich gerne langweilt und durchaus Spaß an Morbidität hat. Nun gibt es nach zahlreichen Comics Emilys ersten Roman mit dem Namen "Die verschwundenen Tage". Doch natürlich ist das Buch keinesfalls so gewöhnlich wie andere Romane, es enthält zahlreiche Illustrationen und ist im Stil eines Tagebuchs gestaltet, das von Emily persönlich geführt wird.
Emily befindet sich auf einer Parkbank in einem kleinen Örtchen namens Blackrock. Sie erinnert sich an nichts, auch nicht an ihren Namen. Sie scheint unter vollständiger Amnesie zu leiden, doch in der Stadt scheint sie niemand zu kennen. Schließlich kommt sie in einem kleinen Café, dem El Dungeon, unter. Die Bedienung mit Namen Raven ist sehr freundlich zu ihr und versorgt sie großzügig mit Sandwiches, ist ansonsten aber eher von der stillen Sorte. Freunde findet das Amnesie-Mädchen jedoch in vier schwarzen Katzen, die sich ihr bereitwillig anschließen und mit ihr in der Kühlschrankschachtel hausen, die sie sich als Unterstand ausgesucht hat. Doch das Mädchen möchte natürlich gerne wissen, wer sie ist und woher sie kommt, deswegen beginnt sie mit ihren Nachforschungen. Dabei stellt sie fest, dass sie eher eine Vorliebe für Schwarz hat, diese Stadt aber komplett beige ist. Das findet sie ganz schön scheußlich und sie glaubt kaum, dass das hier ihr zu Hause ist. Doch nach und nach entdeckt sie einige Hinweise, die ihr weiterhelfen könnten. So gibt es zum Beispiel einen Van in der Stadt, der niemandem zu gehören scheint und der wirklich cool ist, er enthält ein komplettes Labor. Außerdem erfährt sie, dass die Stadtgründerin Emma LeStrande hieß und sie ihr erstaunlich ähnlich sieht. Ob sich hier an Anhaltspunkt findet?
"Die verschwundenen Tage" ist ganz im Stil der Emily-Comics gehalten, die man vielleicht bereits kennt. Emilys Persönlichkeit bleibt hier ein wenig im Hintergrund, weil sie sich ja nicht an ihre Vergangenheit erinnert, trotzdem ist sie in ihrer Art einfach unverwechselbar. Es ist spannend, mit Emily gemeinsam zu entdecken, warum sie in Blackrock ist, was diese Stadt so besonders macht und was das alles mit ihr zu tun hat. Es dauert eine Weile, bis sich die Lösung des Rätsels anbahnt, doch dann wird es richtig schön schräg. Rob Reger und Jessica Gruner haben sich ein Setting ausgedacht, das absolut Emily-typisch ist und die Fans des merkwürdigen Mädchens mit Sicherheit begeistern wird. Zu viel kann an diese Stelle natürlich nicht verraten werden, um die Spannung nicht zu nehmen. Aber auf die Art, Emilys persönliche Tagebuch-Eintragungen lesen zu können, bringen die Autoren den Lesern das Mädchen besonders nahe und geben ihnen das Gefühl, alles direkt mitzuerleben.
Durch die ungewöhnliche Gestaltung mit den vielen Illustrationen und dem Look, der die herausgerissenen Seite und eingeklebte Bilder zeigt, hat der Roman das gleiche Erscheinungsbild, wie auch die Comics. Wer nicht nur die tollen Bilder von Emily the Strage bewundern will, sondern das schwarz gekleidete und immer leicht gelangweilte Mädchen gerne näher kennen lernen möchte, kann guten Gewissens zu diesem Romane greifen und sich unterhalten lassen.
Für Kinder ist die Geschichte allerdings nicht unbedingt geeignet, und das gar nicht so sehr wegen des Inhalts, sondern eher wegen der doch recht komplexen Handlung und Emilys sehr spezieller Art. Der Humor lässt sich erst begreifen, wenn man doch schon ein wenig älter ist. Nicht umsonst begeistern Emilys Geschichten besonders Erwachsene. Auch "Die verschwundenen Tage" trifft genau den Nerv der Fans und lässt sie noch intensiver an Emilys Welt teilhaben. Und ein Folgeband von ihrem Tagebuch, auf den man sich freuen kann, ist auch schon geplant. Emily the Strange ist einfach etwas ganz Besonderes!