„Fight Or Flight“
Bekannt wurde sie in der Rolle der Lilly Truscott in der Emmy-nominierten Disney-Fernsehserie „Hannah Montana“ und als Gerti Giggles in der Filmreihe „Spy Kids“, weniger bekannt ist hingegen, dass Emily Osment beinahe genauso lange Musik macht wie sie schauspielert. Obwohl sie gerade erst 18 wurde, sollte man auf ihrem von UK-Producer Nellee Hooper (u.a. Gwen Stefani, No Doubt, U2, Björk, Madonna) betreuten Debüt „Fight Or Flight“ keinen austauschbaren Teenpop erwarten.
Das Material für ihr erstes Album hat Emily Osment mit anerkannten Songautoren wie den Grammy-Gewinnern Adam Schlesinger (u.a. Katy Perry) und Toby Gad (u.a. Fergie, Beyoncé, Alicia Keys), sowie David Gamson (u.a. Ke$ha, Adam Lambert) geschrieben.
„Fight Or Flight“ kombiniert klassische Rock-Einflüsse mit einem für ihr Alter erstaunlich reifen, hochmodernen Elektro/Europop, Indie- bzw. Alternative-Elementen (wie in der ersten Single „Let’s Be Friends“) mit anspruchsvollen, jazzigen Herzschmerzballaden und sogar Rap-Reimen zu HipHop-Rhythmen.
Die meisten Songs auf „Fight Or Flight“ schrieb die ausgebildete Musikerin, die von ihrer Mutter das Gitarrenspiel lernte, in Studios in New York und Los Angeles. Anschließend schickte sie die Tracks zu Nellee Hooper, der in London weiter daran arbeitete und sich zwischendurch via Skype mit Osment austauschte. Fertiggestellt wurden die Songs dann letztendlich wieder in den U.S.A..
„Das war nervenaufreibend, schrecklich und wundervoll, alles zur gleichen Zeit“, sagt die US-Amerikanerin über die Arbeit mit Hooper. „Ich bin schon immer ein Fan von ihm. Er ist ziemlich einschüchternd, mal ganz abgesehen von seinem Tiger-Tattoo, am Ende war die Zusammenarbeit mit ihm aber total easy. Bei uns hat’s einfach ‚klick’ gemacht.“
Der Albumtitel „Fight Or Flight“ reflektiert Emilys Ambitionen, die eigenen Ängste niederzukämpfen bei dem Versuch, gleich in zwei miteinander wetteifernden Feldern erfolgreich zu sein. „Da gibt’s diese chemische Reaktion im Kopf, sobald man mit Angst konfrontiert wird. Du hast die Wahl, zu kämpfen oder wegzulaufen. Während der Arbeit an diesem Album musste ich mich immer wieder aufs Neue entscheiden, ob ich eine bestimmte Schlacht schlage oder nicht. Ich war in jeden Schritt bei den Aufnahmen involviert, und die Songs haben sehr viel mit meinem eigenen Leben zu tun.“
So sind die Songs hier etwa voller Referenzen an Osments Lieblingsbands, sei es in der Verbeugung vor „Seven Nation Army“ von The White Stripes in „1-800 Clap Your Hands (The Water Is Rising)“ (diesen Titel über den Glauben daran, dass man alles zusammenhalten kann, auch wenn es gerade auseinanderzufallen scheint, schrieb Emily auf einem Flug) oder auch im Dancefloor-Pulse von „Get Yer Yah-Yahs Out“, das dem gleichnamigen Rolling-Stones-Livealbum von 1969 und dessen Partyaufruf Tribut zollt.
„Ich will keine oberflächlichen Songs schreiben“, erläutert Emily, die mit Led Zeppelin, den Beatles, den Doors und Herman’s Hermits sowie modernen Acts wie den Pixies und Massive Attack als Lieblingsbands aufgewachsen ist. „Ich mag Songs, bei denen man mit jedem Hören besser versteht, wovon ich spreche. Es hat Spaß gemacht, kleine Geheimnisse auf dem Album zu verstecken.“
Songs wie „All The Boys Want“ (co-geschrieben mit Matt Bair) und „Double Talk“ zeigen Emilys kratzbürstige Seite. „Die hab ich von meiner Mutter“, gibt sie lachend zu. „Da waren wir wirklich in einer verrückten, seltsamen Stimmung im Studio.“
Osments ernsthafte Seite lernen wir in einigen Balladen kennen, die sie mit Adam Schlesinger verfasste, darunter das dunkel getönte „Marisol“, über das sie sagt: „Das könnte von mir, dir oder irgendjemandem handeln. Ich möchte, dass der Zuhörer eine andere Welt betritt und zu einer anderen Person wird.“ „You Get Me Through“, einer der ersten Songs, den sie für das Album schrieb, handelt von ihrer Mom. „Sie weinte, als sie ihn hörte“, verrät Emily. „Sie hat ihn wahrhaft verdient, schließlich war sie diejenige, die mir das Gitarrenspiel beibrachte und die Liebe zur Musik gab.“
Der Schlusstitel „Gotta Believe in Something“, gemeinsam mit Hooper und Derek Fuhrman, auf dessen Konto auch „The Cycle“ geht, entstanden, erzählt die Geschichte von Bankräubern à la Bonnie & Clyde, die sich auf der Flucht befinden und versetzt uns – und Emily – in den Fahrersitz des Fluchtautos.
Mit ihrer Langzeit-Band hat Osment schon reichlich Live-Erfahrung auf internationalen Tourneen durch Europa, Kanada, Brasilien und die USA gesammelt. „Ohne sie hätte ich es nicht so weit gebracht, sie sind echt smart. Ich schätze mich wirklich glücklich, mit Musikern arbeiten zu dürfen, die alles versuchen, damit meine Musik richtig gut wird. Die Jungs arbeiten echt hart daran.“
Osment selbst ist zuversichtlich, dass sie die Balance zwischen ihren aufblühenden Karrieren als Darstellerin und Musikerin hinbekommen und aufrechterhalten kann, ohne irgendwo die Qualität opfern zu müssen. Wie das gelingt, hat sie sich bei Leuten in ihrem Umfeld wie etwa Freundin und Kollegin Miley Cyrus und bei ihrem Bruder, Schauspieler Haley Joel Osment („The Sixth Sense“), abgeguckt. „Ob’s nun darum geht, die Schule zu besuchen und gleichzeitig Filmrollen anzunehmen oder Musik und Schauspielerei unter einen Hut zu bekommen – ich kann glücklicherweise beide Leidenschaften verfolgen.“
„Es ist definitiv eine Herausforderung, für all die Dinge, die ich machen will, die Zeit zu finden. Dafür muss man einen Drahtseilakt vollführen und alle Puzzleteile zusammenfügen. Ich liebe beide Dinge und sie beschäftigen unterschiedliche Gehirnhälften. Je komplizierter mein Leben wird, umso klarer wird mir, dass ich meine Karrieren wie in einer Zirkusnummer ausbalancieren muss, dafür ist es dann aber auch die beste Zirkusnummer, die man sich nur vorstellen kann.“
Wie die Zukunft von Emily Osment auch verlaufen mag, sie wird die Dinge jedenfalls weiterhin auf ihre ganz eigene Art angehen. „Ich möchte in einer Welt leben, in der ich die Musik machen kann, die ich machen will, und genau das geschieht im Moment.
Nichts drückt Emily Osments Vertrauen in die eigenen musikalischen Fähigkeiten besser aus als die elf neuen Songs auf „Fight Or Flight“. „Ich verstehe mich als seriöse Musikerin“, stellt sie fest. „Und wenn ich selbst davon überzeugt bin, werde ich auch den Rest der Welt davon überzeugen können. Beim Entstehen dieses Albums habe ich 100% gegeben, mit Mittelmaß gebe ich mich nicht zufrieden.“
„Fight Or Flight“, kämpfen oder fliehen. Jeder hat die Wahl. Emily Osment hat ihre bereits getroffen.
Diese Biografie wurde von den Künstlern oder deren Vertretern bereitgestellt.