Eine italienische Verfilmung des Bronte Stoffes (Sturmhöhe) der italienischen RAI von 2003, im (möchtegerne)Stile einer BBC Verfilmung, mit satten 200 Min. Laufzeit.
Eine weitere Verfilmung der tragischen und unheilvollen Liebesgeschichte zwischen Heathcliff und Cathy. Heathcliff der als Findling von Cathys gütigem Vater Mr. Earnshaw aus den Elendsquartieren Liverpools mitgebracht wird, lebt fortan an Sohnes statt mit Cathy und deren sechs Jahre älteren Bruder "Ivory" (im Buch heißt er Hindley)auf den Gutshof Wuthering Heights, der auf einer (eigentlich) windgepeitschten Anhöhe im Hochmoor von Yorkshire liegt. Bald werden sich Cathy und Heathclif ihrer Liebe bewusst und dass Ihre Seelen eins sind. Der eifersüchtige und mir Vorurteilen behaftete Bruder macht den beiden das Leben schwer. Nach dem Tod des Vaters eskaliert die Situation und Heathcliff wird von Ivory zum Pferdeknecht degradiert. Dann tritt der reiche und kultivierte Edgar Linton, der im feudalen Herrenhaus Thrushcross Grange residiert, in das Leben Cathys. Heathcliff fühlt sich zurückgestoßen und verlässt Wuthering Heights. Cathy, in der Gewissheit Heathcliff wäre tot, heiratet Linton, der ihr das gesellschaftliche Leben bieten kann, wovon sie geträumt hat. Als reicher Mann kehrt Heathcliff nach Jahren zurück...
Dies ist eine ziemlich verkitschte Variante des Sturmhöhestoffes, welche der literarischen Vorlage von1847, meiner Meinung nach, nicht gerecht wird. Wer sich auf eine werkgetreue Umsetzung der Dialoge und der Handlung gefreut hat, wird maßlos enttäuscht sein. Die, auch für heutige Verhältnisse, modern anmutende und unglaubliche variationsreiche, poetische Sprache, von der Emily Brontes Werk lebt, wird hier nicht umgesetzt. Alles wirkt leicht seicht. Auch im Film wird die Geschichte aus der Perspektive der Haushälterin Nelly Dean und dem fremden Gentleman Lockwood erzählt, der Zuschauer hat aber keine Beziehung zu Ihnen aufbauen können, so kann man nicht wirklich von der perspektivischen Erzählmethode profitieren, aus der sich die Handlung nach und nach entspinnt. Die Gedanken der Erzähler spielen nämlich gar keine Rolle. Stattdessen wird die Metapher der Schicksalhaftigkeit dieser Liebe sehr stark überstrapaziert.
Die enorme Komplexität der Buchvorlage hätte erfordert, dass die Handlungszusammenhänge sorgfältig ausgearbeitet und dargestellt würden. Das wird gerade am Anfang des Filmes versäumt, so dass der gesamte Kontext leider nicht verständlich wird.
So hat man aufgrund der platten Machart in diesem Film weder die Tiefen und schon gar nicht die Abgründe des Buches ausgelotet, noch kann man seine poetische Sprache wiederfinden.
In eisigen Winterbildern, wird die düstere Stimmung der schroffen Moorlandschaft im Hochmoor von Yorkshire, dargestellt. Leider sind die Bilder eher nebelverhangen und etwas graustichig. Epische Landschaftsaufnahmen sind nicht zusehen, es verschwimmt alles etwas im ewigen Winter, Nebel und Schneetreiben, auch wenn der Film extra in Cornwall und Tschechien gedreht wurde, wähnt man sich eher in Sibirien, denn in einer englischen Moorlandschaft. Eigentlich besteht die Landschaft aus Heide (Heath) und felsigem Gebiet (Cliff). Emily Bronte verwendete zahlreiche Metaphern der Natur und der Elemente, somit gehört eine entsprechende Naturdarstellung auch unbedingt in eine Sturmhöheverfilmung. Man mag mich vielleicht für kleinlich halten, aber so sehe ich das nun mal. :-) Wer weiß vielleicht findet eine der nächsten Adaptionen ja in der afrikanischen Steppe statt.
Die Musik dümpelt so vor sich hin und kann keine wirklichen Akzente setzen.
Die Synchronisation macht aber erfreulicherweise einen ganz guten Eindruck und das gibt Grund zur Hoffnung. Dank neuem Synchronstudio sollen die kommenden KSM Literaturverfilmungen endlich ordentlich synchronisiert und untertitelt sein.
Die Schauspieler sind wunderschön anzusehen, vor allem Alessio Boni, der den Heathcliff spielt, ist ein recht Hübscher! Der Hüne mit der dunklen Mähne, eisblauen Augen wird so manches Frauenherz schneller schlagen lassen, ein Heathcliff ist er aber leider nicht. Catherine, gespielt von Anita Caprioli, sieht auch sehr edel aus, so hätte ich mir Schneewittchen vorgestellt. Wobei Catherines Haare und Kleider immer mehr als eine Spur zu elegant wirken, für ein Leben auf dem Gutshof von Wuthering Hights. Die Kostüme sind aber gut gemacht!
Aber die schauspielerischen Leistungen lassen bisweilen wahrlich zu wünschen übrig. Das Protagonistenpaar meistert die Sache einigermaßen ordentlich aber gegen das schlechte Drehbuch können sie leider nicht anspielen. Das Leidvolle und das Pathos wird, von den Schauspielern, für meinen Geschmack zu dick aufgetragen und leider auch bissl hölzern dargeboten. Immer wieder stapft Heathcliff, minutenlang "Catherine!!!" schreiend, durch den Schnee. Spritzige Dialoge wie wir sie aus den BBC Filmen kennen, sind gar nicht zu finden.
Eine schlimme Fehlbesetzung ist meines Erachtens Franco Castellano, der Cathys Bruder Hindley (im Film heißt er komischerweise Ivory), der in seiner erwachsenen Rolle viel zu alt ist. Sein Charakter wird maßlos übertrieben dargestellt. Er ist der ganz und gar böse, dumme und grausame, despotische, spielsüchtige, schwache und eifersüchtige Mann! Da reiht sich einfach ein Klischee an das andere. Während Heathcliff in der ersten Hälfte fast schon zum Heiligen verklärt wird! Geduldig, liebevoll und vom Vater verehrt. Donna Klara! Wer Heathcliff aus dem Roman kennt weiß, dass er jähzornig und gefährlich ist, ja dass er regelrecht satanische Züge trägt. Heathcliffs teuflische Seite kommt erst am Ende des Films ein klein wenig zum Tragen. Letztendlich aber ein sehr zahmer Heathcliff. Man hat eigentlich Mitleid mit dem armen Bub! ;-)
Die Geschichte wird eigentlich über drei Generationen hinweg erzählt, auch darüber geht der Film großzügig hinweg und kürzt die Story pi mal Daumen um die Hälfte.
Fazit: Wer auf pathetische Schmonzetten ala
Amy Foster steht, wird hier mit einem netten Film bedient. (Amy Foster ist aber mit echten und atemberaubenden Cornwallbildern und hochkarätigen Nebenrollen viel schöner!)
Puristen oder einfach Bronte-Fans, welche die literarische Vorlage lieben können nur enttäuscht sein und werden, womöglich sogar schreiend, flüchten!
Verglichen mit den Literaturverfilmungen der BBC kommt dieser Film für mich schlechter weg, da er mir einfach zu pathetisch und zu seicht ist. Als Buchverfilmung gebe ich nur 1 Stern.
Ich gebe trotzdem 2,5 Sterne da der Film für sich allein stehend schon unterhaltsam ist und Romantiker mit Sinn für Drama auf Ihre Kosten kommen lässt.
Übrigens: Bald soll es eine weitere (britische!) Sturmhöhe Verfilmung geben, welche 2010 ins KINO! kommen soll. Sowie eine deutlich längere ITV Mini-Serie, welche noch 2008 in England ins TV kommt. Da bin ich aber sehr gespannt.