| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Produktinformation
Möchten Sie die Produktinformationen aktualisieren oder Feedback zu den Produktabbildungen geben?
Ist der Verkauf dieses Produkts für Sie nicht akzeptabel? |
Das Konzept der Reihe und der Aufbau der einzelnen Bände sind so schlicht wie überzeugend: Auf einen Abriss von Leben und Werk des jeweiligen Schriftstellers, folgen profunde Textanalyse und -Interpretation. Hieran anschließend werden mögliche Themen und Aufgaben für den Unterricht abgehandelt, ein Überblich über die Rezeptionsgeschichte geboten. Ergänzende Materialien runden das Ganze gelungen ab. Mit ihrem Erfolgsrezept „Maximaler Ertrag auf engstem Raum“ kann die Reihe ihre Marktführerschaft unter den Interpretationshilfen nicht von ungefähr immer wieder behaupten. -- Alexander Dohnberg -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
1729
22. Januar: Gotthold Ephraim Lessing wird als zweiter Sohn des Pfarrers Johann Gottfried Lessing und seiner Frau Justine Salome, geb. Feller, in Kamenz (Lausitz) geboren.
1741-1746
Besuch der Fürstenschule St. Afra in Meißen.
1746-1748
Studium der Theologie und Philologie an der Universität Leipzig.
1747
Erste Lustspiele, u. a. Der junge Gelehrte, entstehen. Arbeit als Übersetzer.
1748
Entschluß, als freier Schriftsteller zu arbeiten, was zu Auseinandersetzungen mit dem Vater führt. Umzug nach Berlin. Buchbesprechungen und Theaterkritiken für die ›Berlinische Privilegierte Zeitung‹. Das Lustspiel Der Misogyn entsteht.
1749
Arbeit an den Lustspielen Die Juden und Der Freigeist.
1750
Gemeinsam mit seinem Vetter Christlob Mylius Herausgabe der Zeitschrift ›Beyträge zur Historie und Aufnahme des Theaters‹, die jedoch schon nach vier Heften ihr Erscheinen einstellen muß.
1751
Feuilletonredakteur der ›Berlinischen Privilegierten Zeitung‹ und Verfasser des dort erscheinenden »Gelehrten Artikels«; Begründung der Monatsbeilage »Das Neueste aus dem Reiche des Witzes«. Die Gedichtsammlung Kleinigkeiten erscheint. Übersiedlung nach Wittenberg.
1752
April: Promotion zum Magister der Freien Künste. Rückkehr nach Berlin.
1753
Die erste Ausgabe der gesammelten Schriften beginnt zu erscheinen (6 Bände, 1753-55).
1754
Beginn der Freundschaft mit Moses Mendelssohn.
1755
Das bürgerliche Trauerspiel Miß Sara Sampson erscheint in den Schriften (Uraufführung am 10. Juli 1755 in Frankfurt/ Oder).
Oktober: Rückkehr nach Leipzig.
1757-1758
Beiträge für die gemeinsam mit Christoph Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn gegründete Zeitschrift ›Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freien Künste‹.
1758
Mai: Rückkehr nach Berlin. Vorarbeiten für ein deutsches Wörterbuch, das jedoch nie vollendet wird.
1759
Hauptautor der von Nicolai herausgegebenen Zeitschrift ›Briefe, die neueste Literatur betreffend‹, hier erscheint u. a. Lessings berühmter »17. Literaturbrief« mit der Kritik an Johann Christoph Gottsched und dem Hinweis auf Shakespeare. Publikation der Fabeln. Drei Bücher. Nebst Abhandlungen mit dieser Dichtungsart verwandten Inhalts.
1760
Lessings Übersetzung von Denis Diderots Stücken erscheint u. d. T. Das Theater des Herrn Diderot.
November: Stellung als Gouvernementssekretär des preußischen Generalleutnants von Tauentzien in Breslau (bis 1765).
1764
Schwere Krankheit Lessings.
1765
Mai: Rückkehr nach Berlin.
1766
Reise nach Pyrmont und Bekanntschaft mit Justus Möser.
Mit Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie erscheint eine der wirkungsvollsten kunsttheoretischen Abhandlungen der deutschen Literatur.
1767 Dramaturg und Berater am neuen Hamburger Nationaltheater.
Die Hamburgische Dramaturgie, eine Sammlung von Theaterkritiken Lessings, beginnt zu erscheinen.
30. September: Uraufführung des Lustspiels Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück in Hamburg.
1769
Die Untersuchung Wie die Alten den Tod gebildet erscheint.
1770-1781
Herzoglicher Bibliothekar in Wolfenbüttel.
1771
Verlobung mit Eva König. Beginn der Mitgliedschaft in der Hamburger Freimaurerloge ›Zu den drei Rosen‹.
1772
13. März: Uraufführung des Trauerspiels Emilia Galotti in Braunschweig.
1773
Zur Geschichte und Literatur. Aus den Schätzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel (6 Bände, 1773-81).
1774
Herausgabe der antidogmatischen, radikalaufklärerischen »Fragmente eines Ungenannten« von Reimarus.
1775
Als Begleiter des Prinzen Leopold von Braunschweig reist Lessing nach Italien. Dezember: Rückkehr nach Wien.
1776
Lessing in Wolfenbüttel. Heirat mit Eva König.
1777 Dezember: Geburt eines Sohns, der nach 24 Stunden stirbt.
1778
Januar: Tod Eva Königs. Auseinandersetzung mit dem Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goeze über die »Fragmente eines Ungenannten«.
Veröffentlichung einer Serie von Pamphleten gegen Goeze, darunter der Anti- Goeze.
6. Juli: Als Reaktion auf die Auseinandersetzung entzieht die braunschweigische Regierung Lessing die bislang gewährte Zensurfreiheit und untersagt die Fortsetzung des Streits. Der 1. Teil des Dialogs in fünf Gesprächen Ernst und Falk. Gespräche für Freymäurer erscheint anonym (der 2. Teil erscheint 1780).
1779
Nathan der Weise. Ein dramatisches Gedicht erscheint (Uraufführung am 14. April 1783 in Berlin).
1780
Die geschichtsphilosophische Abhandlung Die Erziehung des Menschengeschlechts erscheint als vollständige Einzelausgabe (§ 1-53 zuvor erschienen in Zur Geschichte und Literatur 4, 1777).
1781
15. Februar: Lessing stirbt in Braunschweig.
1786 In Theatralischen Nachlaß erscheint das Fragment des Schauspiels D. Faust.
Lessings bürgerliches Trauerspiel "Emilia Galotti" ist ein bedeutendes Werk der Aufklärung. Aufklärerisch ist beispielsweise Lessings Kritik an der höfischen Gesellschaft, welche die von der Aufklärung abgelehnte absolutistische Staatsform verkörpert. Auch Emilias Natürlichkeit und Lessings Appell an den Verstand des Publikums sind aufklärerisch.
In "Emilia Galotti" findet der Leser die aristotelischen Einheiten Ort und Zeit streng eingehalten. Exposition und Entwicklung des Stückes finden im Stadtschloss des Prinzen und in der Stadtwohnung der Galottis statt. Im ausserhalb der Stadt gelegenen Lustschloss des Prinzen kommt es zur entscheidenden Zuspitzung der Handlung und zur Katastrophe. Die gesamte Handlung ist auf einen Tag zusammengedrängt.
Lessing greift in "Emilia Galotti" auf die vom Historiker Livius erzählte Legende von der Römerin Virginia zurück. Diese wird von ihrem Vater getötet, weil dies die einzige Möglichkeit ist, sie vor den Nachstellungen eines Herrschers zu bewahren. Virginias Tod ruft einen Volksaufstand hervor. Lessing weicht in einem wichtigen Punkt von dieser Vorlage ab: In "Emilia Galotti" ist Odoardos Tat nicht Anlass für einen Volksaufstand. Lessing möchte nämlich, wie er in einem Brief schreibt, "eine modernisierte, von allem Staatsinteresse befreite Virginia". Ursprünglich wollte Lessing deshalb nur das Schicksal der Virginia als Individuum darstellen. Der politische Teil der Legende interessierte ihn nicht, denn er glaubte, dass die Erziehung des Einzelnen zu einer tugendhaften und moralischen Person eher zu einer besseren und gerechteren Gesellschaft beitrage. Lessing ist später zum Teil von diesem unpolitischen Entwurf seines Stückes abgewichen und "Emilia Galotti" wurde eines der ersten politischen Dramen der neueren deutschen Literatur.
Der Prinz von Guastalla ist in die Bürgerstochter Emilia verliebt. Als er von ihrer bevorstehenden Hochzeit mit dem Grafen Appiani erfährt, beschliesst er diese zu verhindern. Fatalerweise erteilt er dem Kammerherrn Marinelli, seinem persönlichen Berater, dabei uneingeschränkte Handlungsvollmacht. Emilia in der Kirche aufzusuchen und ihr seine Liebe zu gestehen ist ein weiterer Fehler des Prinzen. Falsch ist auch seine Zustimmung zu Marinellis Vorschlag, Appiani als Gesandten fortzuschicken, damit der Prinz freie Bahn bei Emilias Verführung hat. Appiani lehnt ab und bezeichnet Marinelli als Affen. Appiani bietet dem beleidigten Marinelli zwar das Duell an, doch dieser lehnt aus Feigheit ab.
Daraufhin bereitet Marinelli einen Anschlag auf das Hochzeitspaar vor ohne den Prinzen zu informieren. Marinellis Bedienstete überfallen das Paar auf dem Weg zur Hochzeit und töten Appiani, wie es der in seiner Eitelkeit verletzte Marinelli forderte, um sich an Appiani zu rächen. Der Prinz gibt sich über diese Tat bestürzt. Emilias Mutter und die Gräfin Orsina, die frühere Geliebte des Prinzen, kennen das Liebesgeständnis des Prinzen, folglich wird der Prinz als Auftraggeber des Anschlags verdächtigt. Infolge eines weiteren Fehlers des Prinzen taucht die Gräfin Orsina im Lustschloss auf, wohin sich die Opfer des Anschlags retteten. Sie ist beleidigt, weil der Prinz sie wegen seiner Liebe zu Emilia vernachlässigt. Sie gibt dem waffenlosen Vater Emilias einen Dolch, damit er den Prinzen töte, doch Odoardo ersticht Emilia.
Auch Emilia begeht Fehler: Sie ist vom Auftauchen des Prinzen in der Kirche derartig verwirrt und verführt, dass sie ihm keine klare Absage auf sein Liebesgeständnis erteilt. Deshalb hofft dieser weiter, sie zu gewinnen. Ihr grösster Fehler ist Appiani die Begegnung mit dem Prinzen zu verschweigen.
Im fünften Aufzug häufen sich die Zufälle: Beispielsweise will Odoardo gerade gehen, als Emilia kommt. Beinahe hätte sie ihren Vater nicht mehr getroffen und dieser hätte seine grausame Aufgabe nicht durchführen müssen.
Weshalb stirbt Emilia? Das ist bis heute das grösste Interpretationsproblem des Stückes. Es gibt keine schlüssige Begründung. Wir finden, dass keiner der kleinen Fehler Emilias ihren Tod rechtfertigt. Schuld an ihrem Tod hat neben dem Prinzen und Marinelli auch ihr Vater, welcher sie in einer realitätsfernen Welt erzog. Diese Erziehungsmethode ist überhaupt nicht aufklärerisch. Da Emilia deshalb den richtigen und achtsamen Umgang mit den Nachstellungen von Männern nie gelernt hat und ihre eigenen Gefühle zu wenig kennt, befürchtet sie den Verführungen des Prinzen nicht widerstehen zu können und will deshalb sterben. Ausserdem will sie mit ihrem Tod ihre Familie vor Schande bewahren.
Das Stück ist - entgegen Lessings 1758 geäusserter Absicht - auch ein politisches Drama. Das ernsthaft Bürgerliche steht dem verspielt Höfischen des französischen Trauerspiels gegenüber. Das von den Galottis verkörperte Bürgertum steht für eine moralische und tugendhafte Lebensweise, die jedoch infolge seiner unklugen masslosen Ablehnung der Hofwelt realitätsfern, ungeschickt und nicht aufklärerisch ist. Emilia stellt aufgrund ihrer Natürlichkeit einen Gegensatz zur egoistischen, menschenverachtenden Hofgesellschaft dar. Der Prinz, welcher sie verkörpert, handelt wie ein absoluter Herrscher. Die gesellschaftlich-politische Kritik gilt einerseits der absolutistischen Staatsform, andererseits kritisiert Lessing, dass sich das Bürgertum stets von der Öffentlichkeit distanziert.
Die vielen Ausrufe- und Fragezeichen, Gedankenstriche, Folgen wörtlicher Wiederholungen und Wortspiele schränken den Lesegenuss ein. Die Handlung bewegt sich schnell vorwärts, trotzdem kommt nie wirkliche Spannung auf. Dies liegt unter anderem an der unnatürlichen Sprache sowie daran, dass der Handlungsverlauf häufig absehbar ist. Da das Stück mehr an den Verstand als an die Gefühle appelliert, können wir uns mit keiner Person identifizieren. Das Schicksal der Galottis ruft zwar Mitleid bei uns hervor, doch da dieses hilflosen Personen gilt, wirkt es lähmend.
Die moralische Aussage des Trauerspiels verstehen wir aus heutiger Sicht nicht mehr. Auch fragen wir uns, ob keine andere Lösung (beispielsweise eine Flucht) für Emilia möglich gewesen wäre. Der Ausgang der Tragödie überzeugt uns nicht.
Wir empfehlen dieses Buch all jenen, welche bereit sind sorgfältig zu lesen und Sekundärliteratur beizuziehen. Mit Hilfe verschiedener Interpretationen versteht man die Zusammenhänge und Hintergründe besser und nur so ist Lessings "Emilia Galotti" interessant und lesenswert. Das Stück ist nichts zum blossen Zeitvertreib.
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|