Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
"Mensch entehre nicht den Menschen", 27. Dezember 2007
Jean Jacques Rousseau führte wahrlich ein bewegtes Leben. Geboren als freier Bürger Genfs, verließ er früh das Elternhaus, um eine Lehre zu absolvieren. Die Lehr- und Wanderjahre waren nicht immer glücklich. Sie führten ihn quer durch Europa. Rousseau war nicht so tugendreich, wie seine Romanhelden glauben machen wollen. Er war ein unbequemer und schwieriger Zeitgenosse, der mit seinen Freunden brach und im Alter unter Verfolgungswahn litt. Doch unbeschadet davon genießt sein Werk weit über seinen Tod hinaus Weltruhm. Der Erziehungsroman Emile hat dazu wesentlich beigetragen.
Welche Rolle spielen Erzieher und Erziehung?
Rousseau hält sich selbst für einen schlechten Erzieher: "deshalb habe ich mich entschlossen, einen imaginären Schüler anzunehmen". Bedenkt man, dass Rousseau seine fünf leiblichen Kinder in ein Findelhaus gab, erscheint es umso verwunderlicher, dass er überhaupt diesen Roman schrieb. Emile, so der Name des Eleven, ist Spross aus reichem Hause. Rousseau fordert vom Erzieher, dass er weniger Respektperson ist als vielmehr Vertrauter: "Wenn ich hart und streng mit meinem Schüler sein will, werde ich sein Vertrauen verlieren, und bald wird er sich vor mir verschließen. Wenn ich gefällig und nachgiebig sein will und ein Auge zudrücke - wozu braucht er dann meine Aufsicht?"
Der Erziehung des Menschen teilt er in die Phasen Kindheit, Jugend. Für seinen Zögling lässt er keinen anderen Lehrer gelten als die Natur. Die Erfahrung ist für ihn ein besserer Lehrmeister als die Philosophie: "Haltet eurem Zögling keine weisen Reden, er muss durch Erfahrung klug werden". Auch die Moral ist für das Kind nicht geeignet. Erst der jugendliche Emile lernt sie kennen.
Mit der Jugend beginnt das Zeitalter des Verstandes. In den Vordergrund der Erziehung rücken nun die Geisteswissenschaften. Doch die Zeit drängt, denn bald die Leidenschaften stehen vor der Tür und damit das Ende der Erziehung. Rousseau betont, dass er seinen Schüler zu keiner Entscheidung zwingen muss, sondern dass er die Früchte seiner Erziehung erntet und Emile die Vorzüge des natürlichen Lebens erkennt.
Ziel der Erziehung ist das Glück des Schülers. Dabei darf die Menschlichkeit nicht außer Acht gelassen werden: "Lehrt euren Zögling, alle Menschen zu lieben".
Wie beschreibt Rousseau seinen Zögling?
Immer wieder betont er, dass sowohl Emile als auch seine Geliebte Sophie normale Menschen sind: "Strebt in allem nach dem Mittelmaß, ohne selbst die Schönheit davon auszunehmen." Emile ist natürlich und offen. Auf seine Umwelt wirkt er ruhig zuweilen auch kühl aber immer als ein "ganz in sich selbst ruhender Mensch". Er ist mildtätig und hilfsbereit, aber weder bescheiden noch anmaßend.
Sophie wird als Tochter aus gutem Hause eingeführt. Ihren Charakter schildert Rousseau als gutartig, ausgeglichen; ihre Seele ist empfindsam. Obwohl sie keine Schönheit besitzt "vergessen die Männer ihrer Gesellschaft die schönen Frauen, und die schönen Frauen fühlen sich nicht wohl". Den Schmuck und Putz der Damen betrachtet Rousseau als schlechten Geschmack: "Man kann durch Aufmachung brillieren, aber man gefällt nur durch seine Person".
Zurück zur Natur!
Dieser Schlachtruf trifft den Kerngedanken Rousseaus. Das Buch beginnt denn auch mit den Worten: "Alles, was aus den Händen des Schöpfers kommt, ist gut; alles entartet unter den Händen des Menschen ...". Solange sich der Mensch als "Diener der Natur" versteht und sich unter die "ewigen Gesetzte der Natur" stellt, geht er nicht fehlt. Begibt er jedoch sich in die bürgerliche Gesellschaft, verliert er seine Unabhängigkeit und wird zu einem Gauner, "um den Gaunern zu entgehen". Die Stadt und deren feine Gesellschaft, die betrügt und betrogen werden will, die schmeichelt und umschmeichelt wird sind für Rousseau das Sinnbild der Dekadenz. "Der Mensch der Gesellschaft existiert gänzlich in seiner Maske. Da er fast niemals in sich selbst lebt, ist er sich selbst immer fremd und fühlt sich unbehaglich, wenn er gezwungen wird, sich auf sich selbst zu besinnen. Was er ist, gilt ihm nichts; was er scheint gilt ihm alles". Diese Worte könnten auch aus dem Munde eines Karl Marx stammen und es verwundert nicht, dass Rousseau zum Vorbild der Revolutionäre der Französischen Revolution wurde.
Das Menschenbild Rousseaus.
"Es gibt keine ursprüngliche Verdorbenheit im menschlichen Herzen", schreibt Rousseau. Als "größten Fehler unseres Zeitalters", bezeichnete er die Rationalität des Menschen: "Immer zu räsonieren ist die Manie der kleinen Geister. Starke Seelen sprechen eine ganz andere Sprache - durch diese überzeugt man und regt zum Handeln an". Mit den Existentialisten teilt er die Liebe zur Aktivität: "Leben heißt nicht atmen, sondern handeln ... Nicht derjenige, der die meisten Jahre zählt, hat am längsten gelebt, sondern der, der das Leben am stärksten erlebt hat ... Leide, stirb oder genese; vor allem aber lebe, lebe bis zu deiner letzten Stunde."
Gretchenfrage: Wie hält es Rousseau mit der Religion?
Obwohl er lange Zeit dem Kreis der Enzyklopädisten angehörte, teilte er nicht deren Gottlosigkeit. Rousseau fühlt, dass das All beseelt ist und von einer ordnenden Kraft regiert wird. "Dieses ist mein oberster Grundsatz. Ich glaube also, dass ein Wille das Universum bewegt und die Natur belebt ... das Werk ist offenbar, aber der Meister verbirgt sich". Über die Unsterblichkeit der Seele schreibt er: "Gewiss ist es hart, sterben zu müssen, aber die Hoffnung, dass man ewig leben wird und dass ein besseres Leben die Leiden im Diesseits beenden wird, ist tröstlich".
Doch Rousseau ist kein Kirchgänger. Den Katechismus, die Gesten der Priester, die Kniebeugen, all dies entlarvt er als Zeremoniell, welches "zur Gottlosigkeit oder zum Fanatismus führt".
Glück und Menschlichkeit.
Wahres Glück kann nur der Einsame empfinden: "Gott allein genießt ein absolutes Glück ... Die Schwäche des Menschen macht ihn gesellig; unser gemeinsames Unglück öffnet unser Herz der Menschlichkeit".
Rousseau hat auch zwei Lebensweisheiten für all diejenigen, die nach dem Glück suchen: "Der am gierigsten dem Glück nachjagt, ist immer der Unglücklichste" und "Sei gerecht, und du wirst glücklich sein".
Fazit: Gerade in der modernen Zeit, die von Klimawandel und Umweltzerstörung geprägt ist, kann uns allen Rousseaus Naturverbundenheit Vorbild sein. Im Gegensatz etwa zu Karl Raimund Popper ist er technikskeptisch: "Ja, ja - immer die Technik. Wer garantiert euch denn, dass sie notfalls nicht versagt?". Wer weiß, vielleicht ist auch in diesem Falle der Mittelweg der Rechte.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unbedingt reclam-Ausgabe verwenden, 24. April 2006
Rousseau ist einer der interessantesten Philosophen der Aufklärung und Emile eines der wichtigsten Werke der Pädagogik überhaupt. Umso wichtiger ist es für das Studium dieses Klassikers, eine gute Übersetzung zu verwenden. Und hier ist die Ausgabe aus dem Reclam-Verlag in jedem Fall die bessere Wahl.
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10 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wichtige Vorteile, 2. Juli 2005
Von Ein Kunde
Im Vergleich mit anderen Ausgaben von Rousseaus Emile ist dieses Buch eine Besonderheit. Da die einzelnen Kapitel sehr gut überschrieben sind und innerhalb der Kapitel einzelne Absätze nochmals betitelt werden, ist es wesentlich leichter, die Übersicht zu behalten. Die Übersetzung ist ebenfalls sehr angenehm und leicht verständlich. Wer sich also wirklich intensiv mit diesem Werk befassen möchte, sollte diese Ausgabe allen anderen vorziehen!
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