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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unbedingt lesen - guter Überblick über die "Emerging Church", 29. Juni 2007
"Emerging Church - Die postmoderne Kirche", so lautet der Titel eines Buches, das seit Anfang September in deutscher Übersetzung erhältlich ist. Der Autor des Buches, Dan Kimball, ist der Gründungspastor der "Graceland-Gottesdienste" der "Santa Cruz Bible Church" und von deren Tochtergemeinde, der "Vintage Faith Church", in Santa Cruz, Kalifornien. Wie der Untertitel des Buches bereits vermuten lässt, geht es Kimball um die Frage, wie Kirche im Zeitalter der Postmoderne aussehen muss, damit sie ihren Auftrag gerecht werden kann, Menschen zu Jüngern Christi zu machen.
So erklärt Kimball in der Einleitung, dass sich die Zeiten geändert haben: "Die westliche Welt, die einst eine christliche Welt mit einem jüdisch-christlichen Weltbild war, hat sich in eine postchristliche Welt verwandelt...". Was zeichnet dieses postchristliche, postmoderne Zeitalter aus? Inwiefern unterscheidet es sich von der Epoche der Moderne? Wie denkt der postmoderne Mensch? Diesen Fragen geht der Autor im ersten Hauptteil seines Buches nach. Ist er doch der Überzeugung, dass eine bloße Veränderung äußerer Formen - Kimball schreibt auf dem Hintergrund des modernen nordamerikanischen Evangelikalismus - nicht ausreicht, um jungen Menschen einen Zugang zum christlichen Glauben zu ermöglichen. Im zweiten Hauptteil führt er konkret aus, wie Gottesdienst, Gottesdienstraum, Anbetung, Predigt, Evangelisation und Leiterschaft im Zeitalter der Postmoderne aussehen kann. Schauen wir uns die beiden Hauptteile etwas näher an.
Zu Beginn des erstens Hauptteils stellt Kimball die Epoche der Postmoderne dem Zeitalter der Moderne gegenüber und charakterisiert beide schlagwortartig. Die Moderne umschreibt er mit Begriffen wie "Monotheismus", "Rationalität", "festgelegte Wahrheit", "Systematik", "lokales Denken", "Individualismus", "Wahrheit"; die Postmoderne hingegen mit "Pluralismus", "Relativismus", "Experimente", "Mystik", "Erzählungen", "alles verändert sich ständig", "globales Denken", "Gemeinschaft", persönliche Vorlieben". Als typischen Vertreter der postchristlichen Ära stellt Kimball einen 24 Jahre alten jungen Erwachsenen namens "Sky" vor, der Christen für engstirnige, moralisierende und arrogante Heuchler hält, deren selbst erdachtes religiöses System lediglich auf Vorurteilen und politischen Interessen basiere. Dennoch, so erzählt Kimball, kam Sky zum Glauben an Jesus Christus. Dies geschah maßgeblich durch Freunde, die eine "ehrliche und offene Spiritualität" lebten, die ihn berührte. Diese Erfahrung führte Kimball zu der Erkenntnis, dass postmoderne, junge Erwachsene keine religiösen Shows mögen, sondern Gottesdienste erleben wollen, in denen Christen von Gott berührt werden. Die Spiritualität, die er vor Augen hat, bedient sich alter christlicher Symbole wie z. B. sakrale Räume, Kerzen, Dunkelheit, alte Jesusdarstellungen, Kirchenfenster, ausgedehnte Anbetungszeiten, intensive Gebetszeiten, starker Gebrauch der Bibel und von Textlesungen (lectio divina) usw. Diese Spiritualität nennt er "Retro-Spiritualität" und legt darauf wert, dass sie insofern "sucherorientiert" ist - Kimball lernte die Bedeutung dieses Prinzips in der Willow Creek Community Church kennen -, als in den Gottesdienst immer wieder Erklärungen einzuflechten sind, damit Besucher, die sich mit den Formen nicht auskennen, "theologische Begriffe und geistliche Erfahrungen" verstehen können. Die Kirche solle eine "missionale Kirche" sein, d. h. "eine Gruppe von Menschen, die eine gemeinsame Mission haben und sich als Gemeinschaft versammeln, um Gott anzubeten, sich gegenseitig zu ermutigen und Lehren über das Wort Gottes zu hören, was eine Ergänzung zu dem darstellt, womit sie unter der Woche ihren Hunger stillen." Sie steht als "Kirche für andere" - auf das soziale Engagement der Christen legt die Emerging Church besonderen Wert - im Gegensatz zur "Konsumentenkirche" als einem Anbieter "religiöser Waren und Dienstleistungen", deren Mitglieder in erster Linie in die Kirche gehen, um etwas zu bekommen, ohne sich als Dienstgemeinschaft zu verstehen.
Im zweiten Hauptteil führt der Autor konkret aus, was postmoderne von moderner Kirche unterscheidet. Vertreter und Liebhaber einer traditionellen Frömmigkeit werden erfreut sein zu lesen, wie ein postmoderner Evangelikaler traditionelle Formen des Glaubens neu entdeckt und davon schwärmt: sakrale Raumgestaltung, ausgiebige Schriftlesungen (lectio divina), feierliches Abendmahl, Sprechen des Glaubensbekenntnisses usw. Gottesdienst nicht als Show, sondern als interaktive Mitmachveranstaltung, die viel Möglichkeit zur Partizipation bietet - z.B. durch verschieden gestaltete Gebetsstationen. Des Weiteren plädiert Kimball für "Tiefgang und Theologie" in den Predigten. Theologische Großbegriffe wie "Sünde", "Errettung", "Reich Gottes etc. müssten erklärt werden, weil postmoderne Zeitgenossen nicht wüssten, was mit ihnen gemeint ist. Die biblische Heilsgeschichte sei zu erzählen. Außerdem sollte die Rede dezent visuell unterstützt werden (Powerpoint oder Overhead), um die Hörer ganzheitlich anzusprechen und ihre Aufmerksamkeit zu erhöhen. Der Gottesdienst soll ein Erlebnis für alle Sinne sein. Aus diesem Grund widmet der Verfasser dem Thema "Spiritualität und Kunst" ein eigenes Kapitel. In den letzten Kapiteln des Buches werden noch die Themen "Evangelisation", "geistliches Wachstum" und "Leiterschaft" angesprochen.
Das Buch "Emerging Church - Die postmoderne Kirche" zeichnet sich durch einen gut verständlichen Schreibstil, gute Struktur und ansprechende Gestaltung aus. Die einzelnen Kapitel sind gespickt mit hilfreichen Illustrationen und Tabellen, Zitate bekannter Persönlichkeiten und - vielleicht auch ein Merkmal postmodern gestalteter Bücher - Glossen am Rand, in denen bekannte christliche Leiter (Fabian Vogt, Peter Aschoff, Rick Warren u.a.) einzelne Aussagen Kimballs kommentieren. Am Ende jedes Kapitels finden sich Fragen, die der Rekapitulation und Vertiefung des Gelesenen dienen sollen. Im Anhang bietet Kimball ausführliche Literaturhinweise/Weblinks, Vorschläge für Predigtreihen und je ein Beispiel eines Gottesdienstablaufs und einer Gottesdienstraumgestaltung.
Fazit: Das Buch Emerging Church ist gut zu lesen und bietet viele interessante und bedenkenswerte Aussagen zum Thema "Kirche in der Postmoderne". Da auch wir in Westeuropa die Wandlungen der Postmoderne erleben, bin ich der Meinung, dass jeder (angehende) Pfarrer und jeder Mitarbeiter in verantwortlicher Position Kimballs Buch lesen oder sich zumindest mit den Impulsen der Emerging Church auseinandersetzen sollte.
Dirk Kubitscheck
Ichthys 41 (2005), 51f
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26 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Rückkehr zu den Kerzen und Kathedralen?, 14. November 2005
Zunächst einmal vorweg: Kimballs Emerging Church ist über weite Strecken ein hervorragendes Buch. Grundaussage: Heutige junge Menschen möchten statt technisch perfekter Inszenierung unmittelbare Gotteserfahrung. Dem kann ich aus eigenem Erleben nur zustimmen. Mit Recht knüpft Kimball an das biblische Urchristentum an. Mit Scharfblick beschreibt er eine postmoderne, entchristlichte Generation, in der es vor allem keine absolute Wahrheit mehr gibt, sondern nur noch die relative Gültigkeit pluriformer Wahrheiten neben anderen. Eine weitere Stärke von Kimballs Werk besteht darin, dass er nicht der Versuchung verfällt,die biblische Wahrheit selbst pluriform zu verstehen oder gar postmoderne Patchworkreligiosität zu begrüßen, um sich postmodernen Wünschen anzupassen. Im Gegenteil: Kimballs Buch versucht, in dieser im Fluss befindlichen Gesellschaft gerade die feststehende biblische Wahrheit lebbar und erlebbar zu machen. Das gelingt ihm über weite Strecken sehr gut. Die Hauptschwierigkeit des Buches besteht in seinem amerikanischen Kontext. Nichts gegen amerikanische Bücher, die USA haben viele hervorragende geistliche Bücher hervorgebracht. Das Problem ist das: Kimballs Buch grenzt sich von kirchlichen Erscheinungsweisen ab, die es so in Deutschland nicht gibt. Negativfolie sind (von Kimball aber gleichzeitig nicht abgewertete!) bis zur Perfektion durchgestylte Sucher-Gottesdienste a la Willow Creek, die mehr geistlichen Theatern ähneln als Kirchen. Kein Wunder, dass Kimball auf diesem Hintergrund die Mystik gothischer Kathedralen wiederentdecken möchte. Die Situation in Deutschland ist dagegen eine sehr andere: Weitgehend traditionelle liturgische Gottesdienste in antiquierter Form und altertümlichen Kirchengebäuden, die gerade keine jungen Menschen mehr erreichen, in deren Kontext mühsam um eine heutiger Jugendkultur halbwegs entsprechende Gestaltung gerungen wird und in der Ansätze aus der amerikanischen Gemeindeaufbaubewegung erst in den Kinderschuhen stecken. Schade, dass dieser Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Verhältnissen auch von den Übersetzern in keiner Weise angesprochen, ja im Buch regelrecht ignoriert wird. Auch fehlt im Buch jede Reflexion über in Deutschland wachsende neue (Jugend-) Gottesdienstformen, die bereits jetzt wertvolle Anliegen von Willow Creek mit Kimballs spirituellen Ansätzen verbinden und persönlich geprägten, aktuellen Lobpreis, Gebetsangebote, offene Phasen und "mystisch-spirituelle Atmosphäre" auf sehr zeitgemäße Weise vereinen und damit nach Abzug des in meinen Augen für deutsche Verhältnisse wenig attraktiven "Retro" genau in Kimballs Richtung stoßen. Fazit: Ein Buch voller sehr guter Vorschläge, deren Umsetzung jedoch ohne kritische Übersetzung in deutsche Kontexte nach hinten losgehen könnte. Es ist ein Werk, das jeder Leiter kennen und beherzigen sollte, das aber keinesfalls dazu führen sollte, die überfällige Modernisierung deutscher Gottesdienste aufzugeben. Allerdings kann es uns davor bewahren, bei der Übernahme berechtigter Ansätze von Willow Creek u.ä. bestimmte von Kimball benannte Vereinseitigungen zu wiederholen. In deutschen Kontexten, so kann ich nur vermuten, wären viele Ausformungen bei gleichen Grundanliegen anders ausgefallen, weil hier andere kirchliche und gesellschaftliche Herausforderungen vorliegen. Das hätte ich zumindest in einem Nachwort auch gern gelesen.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
ein absoluter Augenöffner, 31. März 2006
Das Buch war für mich ein absoluter Augenöffner. Viele Dinge, die ich gesehen und erlebt habe, konnte ich Dank der Einsichten in dem Buch nun verstehen. Genaugenommen lag ich gar nicht in der Zielgruppe, denn das Buch richtet sich an Pfarrer und Gemeindeleiter. Aber Dan Kimball beschreibt die Veränderungen in der Gesellschaft so treffend, dass ich das Buch eigentlich jedem empfehlen kann, der sich in einer Gemeine engagiert. Dan Kimbal beschreibt die Veränderungen, die das Ende der industriellen Ära auslösen: die Ablösung der moderne durch die postmoderne Gesellschaft. In der Übergangsphase in der wir uns befinden treffen zwei völlig unterschiedliche Kulturen aufeinander, die andere Werte, andere Geschmäcker und andere Vorbilder haben. Er stellt die Unterschiede sehr anschaulich gegenüber und versucht die typische Missverständnisse und Empfindlichkeiten zu erklären, die sich ergeben, wenn zwei typische Vertreter der Kulturen aufeinandertreffen. Nach meinem Eindruck sind wir in Europa auf dem Weg von der Moderne in die nächste Epoche schon etwas weiter als das noch sehr stark christlich bestimmte Amerika. Der Autor erklärt, wie die "moderne" Kirche auf "postmoderne" Menschen wirkt, welche Art von Gemeinschaft sich Postmoderne wünschen und wie sie in seiner Gemeinden den Glauben vermitteln und Gottesdienste feiern. Dabei bietet er - typisch postmodern - keine Patentrezepte oder 10-Schritt-Programe an, sondern wirbt dafür die neue Kultur ernst zu nehmen und die Chancen in dem Kulturwandel zu erkennen. Die zweite Hälfte beschreibt seine Erfahrungen mit der Gottesdienstgestaltung sehr konkret und verständlich. Sogar der Teil war für mich als Nicht-Theologe sehr interessant.
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