China Miéville legt hier beinahe schon eher eine als Science Fiction getarnte kommunikationsphilosophische Abhandlung denn einen Roman vor. Eigentlicher Protagonist der Erzählung ist eine außerirdische Sprache, deren Besonderheit nur vordergründig ist, dass sie nur zweistimmig gesprochen werden kann, deren eigentliches Charakteristikum aber die mentale Unfähigkeit ihrer Sprecher ist, zwischen dem Begriff und dem, was der Begriff bezeichnet, zu differenzieren. Es ist eine Sprache, die nur Wahres, Reales und Existentes bezeichnen kann, mit Sprechern, die nichts anderes als das denken können - und somit mangels Abstraktion eigentlich gar keine Sprache.
Die Handlung folgt nun der Begegnung der Sprache - und somit der Gedankenwelt ihrer Sprecher - mit der Idee, dass Sprache auch Irreales bezeichnen kann. Aus dieser Kollision einer Mentalität ohne jedes Abstraktionsvermögen mit der Abstraktion ergeben sich im Laufe des Buches teils katastrophale Ereignisse, allerdings sind diese nicht die Hauptsache. In erster Linie ist "Embassytown" die Geschichte der Entwicklung einer Sprache und somit eine Gedankenspielerei über Sprache schlechthin, und darüber, wie Begriff und Bezeichnetes eben nicht ident sind, und was das für Denken und Kommunikation eigentlich bedeutet.
So intelligent und interessant dies an sich sein mag, so liegt hierin leider doch auch die Schwäche des Buches. Miéville war es wohl in erster Linie an einer romanhaften Untersuchung von Sprache (und damit Denken) gelegen - eine interessante Handlung bleibt dabei aber etwas auf der Strecke. Zumindest mich konnte der Plot, obgleich routiniert aufgebaut und stilistisch sicher erzählt, zu keinem Zeitpunkt wirklich fesseln, und meine Begierde, zu erfahren, was als nächstes passieren würde, hielt sich in Grenzen. Und wenn die Sprache an sich auch ein großartiges Konstrukt Miévilles ist, so fehlen dem Buch doch ähnlich interessant konstruierte und einprägsame Charaktere von dem Kaliber, das man von diesem Autor gewohnt ist.
Somit kann das Buch nur begrenzt empfohlen werden. Wer einen Faible für Sprachwissenschaft oder Kommunikationsphilosophie hat, sollte unbedingt zugreifen, wer an Miéville aber bisher vor allem seine fantastischen Welten und einfallsreichen Handlungsverläufe geschätzt hat, sollte sich hier vielleicht eher zurückhalten.