Prince (bzw. auf dem vorliegenden Album Schniesenuckendingsmitschnörkeln) hatte definitiv seine beste Zeit in den 80ern, und da verschoss er sein Pulver aus vollen Rohren. Ein Album besser als das andere, immer Trends setzend, statt Trends nachlaufend, und irgendwann dann halt auf dem Zenit. Was sollte man machen, besser als Sign 'O' The Times und Lovesexy ging es einfach nicht mehr. Um's Black Album wurde viel Gewese gemacht, das durch die Qualität der Musik beileibe nicht gerechtfertigt war, der Batman-Soundtrack innovationsmäßig eine herbe Enttäuschung, Graffiti Bridge: Kalter Kaffee, der auch durch Alterung nix dazugewonnen hat. Der Streit mit der Plattenfirma hat dann auch nicht eben zur Kreativitätsförderung beigetragen, und manch einer hat damals den Funk-Prinzen aus Minneapolis schon aufgegeben.
Die Veröffentlichung von "Emancipation" kam dann völlig überraschend. Mir fiel das dicke Set bei einem Bummel durch die Plattenabteilung von Karstadt in die Hände und wurde trotz mulmigem Gefühl angesichts fehlender Vorwarnungen seitens der Presse spontan gekauft. Nach den ersten Takten ließ der Puls dann schon etwas nach, als ich feststellte, dass es nicht eben genial, aber auch nicht richtig mies los ging. Die drei Stunden am Stück durchzuhören war schon eine gehörige Anstrengung, aber am Ende blieben vorwiegend positive Eindrücke. Natürlich, die Hälfte hätte es auch getan. Runterdestilliert auf 80 Minuten hätte man eine Dichte an guten Songs gehabt, die das Werk wesentlich schillernder hätten da stehen lassen. Aber nö, da hatte Prince wohl keinen Bock drauf. Lieber mal alle Stilrichtungen abgrasen, die man schon früher verbraten hat, von schmalztriefenden Balladen über moderate Rocker bis hin zu ganz ordentlichem Hiphop und sogar einigen Elektronikspielereien. Und dann natürlich auch einfach mal aus purem Trotz ein Album in grotesker Länge raushauen, die Freiheit muss man sich dann auch mal nehmen.
Fazit: Warum eigentlich nicht? Es ist ja schon bewundernswert, wie wurscht dem Kerl mittlerweile alles ist. Seinen Anteil an Jahrhundertalben hat er abgeliefert, das kann man eh nicht mehr toppen, und so veröffentlicht man halt halbwegs regelmäßig Alben, die niemanden mehr vom Hocker reißen, die aber halt auch so absolut unangestrengt vorbeikommen, dass die Botschaft "Ich muss euch gar nix mehr beweisen - take it or leave it" unmissverständlicher nicht sein könnte. Bewunderns- und beneidenswert.
Wer Prince mag, muss dieses Album auf jeden Fall haben. Es ist zwar ne Menge Quatsch drauf, aber auch ne ganze Ladung richtig solider Songs, die man sich auch heute noch gemütlich anhören kann; mit etwas Nachsicht sogar ohne allzuviel Geskippe.