Deutschland am Anfang eines neuen Jahrtausends. Ossishows vermitteln einen sentimentalen Blick auf die Zeit als es noch ein zweites Deutschland gab. Auf Berliner Flohmärkten sammelt sich das sozialistische Strandgut. Zwischen alten Amiga-Platten finden sich auch Alben des amerikanischen Countrysängers Dean Reed, dem unbekanntesten Superstar aller Zeiten, der im kalten Krieg zum sowjetischen Propagandamaskottchen avancierte und 1986 im Zeuthener See bei Berlin ums Leben kam. Lange Zeit hatte man den Mann aus Colorado vergessen, aber seit Tom Hanks einen Spielfilm über den berühmtesten Amerikaner, der östlich der Mauer daheim war, angekündigt hat, ist seine Geschichte in aller Munde.
Dean Reed spielte in 18 Filmen mit, produzierte 13 LPs und gab Konzerte in 32 Ländern. Er protestierte international gegen Atomkraft, Militär Juntas oder den Krieg in Vietnam und gab Konzerte in Ländern wie dem Irak, Libanon, Nicaragua, Kuba oder Bangladesch. Dean Reed lebte in Chile, Mexiko, Argentinien, Spanien und Italien und hatte Kontakte zu hochrangigen Oppositionellen in verschiedenen Ländern, KGB-Agenten und Politikern wie Salvador Allende, Daniel Ortega oder Yassir Arafat. Obwohl er von den westlichen Medien ignoriert wurde, soll ihn ein Drittel der Menschheit dereinst für den größten Popstar der Welt gehalten haben. 1972 ließ sich Dean Reed in der DDR nieder, wo er mit offenen Armen empfangen wurde. Dank seiner Staatsbürgerschaft genoß er die volle Reisefreiheit, pries aber in Interviews die Vorzüge der Mauer. Der Stasi galt er als zuverlässiger Informant und den obersten Strategen des Warschauer Paktes als Geschenk des Himmels. Der gutaussehende Sonnyboy ehelichte seine Showbiz-Kollegin Renate Blume und das Paar verlieh dem DDR-Alltag einen Hauch von Glamour. Er gab bei "Ein Kessel Buntes" den Einheizer und drehte eine Reihe von Filmen für die Defa.
Bei keinen anderen Weltstar verliefen die Grenzen zwischen Pop und Propaganda so fließend. Dean Reed ließ sich als Cowboy feiern, der für das Gute in den Kampf ritt, aber stets brav zurück in den Osten kehrte. Sein Erfolg in den Siebzigern und sein späteres Scheitern an den eigenen Ansprüchen steht stellvertretend für das Scheitern der DDR-Kulturpropaganda und einer staatlichen Popkultur, die jungen Menschen hinter dem eisernen Vorhang einen Hauch von weiter Welt vermitteln sollte.
Der seltsame Tod von Dean Reed markierte den Anfang vom Ende einer Kulturpolitik, die nur von Placebo-Künstlern getragen wurde. Sein Selbstmord wurde von Erich Honecker persönlich als Unfall vertuscht um die eine Legende zu erhalten, die bis in die Gegenwart fortwirkt. Der Mythos Dean Reed suggerierte aber, daß sein Tod kein Zufall gewesen sein konnte. Widersprüchliche Aussagen und Verschwörungstheorien ließen zusätzlich den Verdacht aufkommen, daß der Mann aus Colorado nicht einfach nur ein naiver Schlagersänger zwischen den Fronten des kalten Krieges gewesen war.
"Der Rote Elvis" entwickelt sich von der pophistorischen Recherche zur Spionagegeschichte und geht den zahlreichen Gerüchten nach, die sich um Dean Reed ranken. In Interviewausschnitten kommen Verwandte, Freunde, Kollegen, Fans und ehemalige Mitarbeiter hochrangiger Abteilungen der letzten DDR-Regierung zu Wort um ein realistisches Bild von Dean Reed zu zeichnen und seinen Erfolg zu erklären. Das Buch wird ergänzt durch Filmographie, Discographie und Liste aller bekannten TV-Auftritte.
"Ein gutes, ein kluges Buch." (ARD)
"Ein Buch, das mit einigen Ostlegenden und ideologischen Mythen aufräumt" (ZDF)
"Stefan Ernstings Buch über Dean Reed zeigt Widersprüche auf und idealisiert nichts. Distanz ist seine Stärke." (Intro)
"Der Autor fördert bisher wenig bekannte Fakten zu Tage und widerlegt weit verbreitete Legenden, was der Faszination Dean Reeds jedoch keinen Abbruch tut. (Chemnitzer Zeitung)
"Mit dieser Biographie stellt Stefan Ernsting sein Gespür für ungewöhnliche Themen unter beweis." (Weser Kurier)
"Der Tod Dean Reeds wirkte wie der Vorbote eines anderen Untergangs. Der Untergang eines Systems, der drei Jahre später folgen sollte." (arte)
"He was popular because he was playing Elvis and Beatles songs when no-one else was playing that stuff in the East', says Stefan Ernsting, who has written a biography of Reed." (BBC)
"Ernsting ist ein schmaler Mann mit kurzen Haaren. Er trägt Jeans, Sportschuhe und ein rotes T-Shirt." (Berliner Zeitung)