George Klein, oder auch GK, wie ihn Elvis nannte, war bei einem ganz besonders exklusiven Elvis Auftritt zu Gast, als der 13-jährige Presley seine Gitarre mit in den Musikunterricht brachte und voller Selbstbewusstsein und ohne Hemmungen sang und dazu Gitarre spielte. Nicht nur Klein war positiv überrascht vom überaus talentierten Mitschüler.
Später verloren sie sich eine Weile aus den Augen. Klein beendete das College und konnte seine Liebe zur Musik und das Geldverdienen unter einen Hut bringen, er wurde Radio-DJ. Als er auf eine Platte seines alten Schulfreundes Elvis stiess wurde die alte Kindheitsfreundschaft reaktiviert und Klein gehörte zur "Memphis-Mafia", der Entourage von Elvis Presley.
Klein beschränkt sich in "Elvis - Mein bester Freund" darauf seine persönlichen Erlebnisse mit Elvis zu beschreiben. Eine vollständige und ausführliche Biografie des Kings ist dieses Buch also nicht. Für Fans, sicher auch dank der Fotos aus GK's Privatarchiv, ein Muss!
Viele der Anekdoten aus dem Buch sind amüsant, etwa als ein weiblicher Johnny Cash Fan Elvis, in dem Glauben mit Cash zu sprechen, um ein Autogramm ihres Idols bat und ihr Elvis mit einem Lächeln kurzerhand als Johnny Cash unterschrieb.
Tragisch und komisch lesen sich die Szenen mit dem Colonel, dem Manager von Elvis, der zwar Ruhm und Reichtum sicherte, an der künstlerischen Entwicklung Presleys nicht interessiert war. Somit verdiente Elvis zwar sehr gutes Geld mit seinen Filmen, musste aber praktisch immer die gleiche Art Film herunterspulen. Klein selbst versuchte sich, recht erfolglos, als Künstler, immerhin auf Sun Records, zum einen mit einer Comedy-Platte, zum anderen mit einem Tanz, der aber keinerlei Chance gegen den Twist hatte.
Der Umgang mit Minderheiten wird an mehreren Stellen des Buchs sehr eindringlich behandelt. Klein folgte Elvis nicht nach Deutschland, als dieser dort seinen Wehrdienst ableistete, da GK Jude ist und der Zweite Weltkrieg noch nicht allzu lang vorbei war. Die Sklaverei hingegen war in den USA längst vorbei, dennoch war es bis in die 1960er Jahre üblich die Rassen zu trennen. Der Film Dreamgirls schildert sehr gut, was auch GK beschreibt, Hits von schwarzen Künstlern wurden von weissen Musikern erneut eingespielt, damit sie dem weissen Publikum besser zu verkaufen waren. Im Gegensatz zu anderen Bundesstaaten, so Klein, habe es in ihrer Heimatstadt Memphis ein recht entspanntes Verhältnis zwischen Schwarz und Weiss gegeben. Besonders tragisch ist es deshalb, dass Martin Luther King ausgerechnet in ihrer Stadt ermordet wurde.
George Klein schildert Elvis Presley so hautnah, das man als Leser fast vergisst, dass es hier doch immerhin um DEN Elvis geht, den Weltstar, die Legende. Klein spart nicht mit Lob für seinen Treuzeugen und Freund seit Kindheitstagen. Wenn im Buch von Elvis die Rede ist, dann scheint er besonders in seinen jungen Jahren permanent lächelnd und gut gelaunt gewesen zu sein. Beatlemania? Hysterie bei Konzerten und geradezu absurd grossen Erfolg bei Frauen gab es auch bei Elvis nicht zu knapp, wie GK lebhaft schildert. Geld spielte keine Rolle für den King. Einige Freunde wollen mit nach Hawaii? Kein Problem, Elvis liess ihnen die Fahrt bezahlen. Zu Weihnachten gab es dann mal spontan einen Neuwagen für GK als Geschenk. Aber im Vergleich zu späteren Rockstar- Exzessen ging es bei Elvis anscheinend eher brav zu. Besonders irritierend: beim Auftritt zweier Stripperin war der Vater von Elvis zugegen.
Wer schon alles über Elvis weiss, dürfte mit diesem Buch trotzdem sehr gut unterhalten werden und Elvis aus der Sichtweise eines Schulfreundes erleben.
381 Seiten, Hardcover, s/w-Fotos Übersetzung: Henning Dedekind & Angelika Inhoffen, Hannibal 2010