Warum habe ich ad hoc bejaht, ob ich dieses Buch möchte, ohne den Inhalt zu kennen? Elterngespräche gehören zum Alltag eines Lehrers und ich hoffte auf neue Impulse zu dem bereits vohandenen Wissen. Auf Seite 10 habe ich die Lektüre nach folgendem Satz abgebrochen: "Das Versagen des Schülers ist ein Versagen der Schule." Die Autorin hat Philosophie studiert? Dann sollte sie wissen, dass eine These des Beweises bedarf. Zugegeben, da ich mir ein neues Buch aus dem Regal geholt habe, statt weiter zu lesen, weiß ich nicht, ob der Beweis noch nachgeliefert wird. Allerdings habe ich keine Lust, meine Zeit zu verschwenden, während ich möglicherweise auf weitere Pauschalurteile stoße. Gebe ich doch auch einmal ein Gegenbeispiel aus meinem, ja, Lehreralltag: Ein Schüler weigerte sich, bei einer Gruppenarbeit mit zu machen: "Sagen Sie es doch meinen Eltern, denen ist das eh egal." Ich habe mir, während die anderen Schüler arbeiteten, Zeit genommen, dem Schüler zu zu hören und Vorschläge zu unterbreiten, wie sich die Situation bessern ließe. Anschließend ging der Schüler bereitwillig in seine Gruppe, wenig später rief mir ein anderer Schüler aus dieser Gruppe zu: "Frau W. kann ich bitte auch Ihre psychologische Beratung in Anspruch nehmen?" Er erhielt sie nach der Stunde. Damit möchte ich mit Sicherheit nicht die Eltern an den Pranger stellen, sondern darauf hinweisen, dass man mehrere Perspektiven einnehmen muss, um einen Sachverhalt richtig zu verstehen. Sollte der Perspektivenwechsel im Buch noch erfolgen, ist das gut, aber dann ist der Vorbau nichts als überflüssiger Sensationsjournalismus. In dem Fall lege ich der Autorin die Lektüre von Hilbert Meyer "Was ist guter Unterricht?" nahe.