Der Autor über sein Buch
Wenn Eltern zu viel trinken, kann sich kein Mitglied der Familie entziehen, am wenigsten die Kinder. Das übermäßige Trinken von Vater oder Mutter hat Auswirkungen auf die gesamte Familie und verändert das Miteinander grundlegend, die Kinder erleben häufig über Jahre hinweg eine angespannte und angstbesetzte Atmosphäre. Willkürliches und widersprüchliches Verhalten des abhängigen Elternteils, nicht eingelöste Versprechungen und enttäuschte Hoffnungen gehören zum Alltag. Zudem haben oft auch andere Verwandte, wie etwa Onkel oder Großväter, ein Alkoholproblem, so dass es »normal« ist, übermäßig zu trinken. In der Folge finden nicht wenige Jugendliche selbst den Weg zum Alkohol ein Teufelskreis scheint sich zu schließen. Gleichzeitig entwickeln viele Betroffene aber auch Kompetenzen, die sie für ihr weiteres Leben stark machen.
Dieses Buch möchte die mittlerweile erwachsenen Kinder von alkoholkranken Vätern oder Müttern in ihrer Entwicklung unterstützen und ihnen weitere Perspektiven eröffnen. Es ist ebenfalls gedacht für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Sucht- und Jugendhilfe, die ein entsprechendes Angebot für Kinder aus alkoholbelasteten Familien entwickeln möchten.
Aufbauend auf Schilderungen von Männern und Frauen, die in einer Familie mit einem alkoholkranken Elternteil aufgewachsen sind (Erfahrungen mit trinkenden Eltern) wird im zweiten Teil (Alkohol und dessen Auswirkungen auf die Familie) zunächst praktisches Handlungswissen vermittelt: Wie muss man sich die Situation von Kindern in alkoholbelasteten Familien vorstellen, welche spezifischen Risiken können bestehen und welche Möglichkeiten haben die Betroffenen, darauf zu reagieren? Die verschiedenen Facetten einer Alkoholkrankheit werden ebenso beschrieben wie typische Reaktionen von Angehörigen. Da bei mütterlichem Alkoholmissbrauch die Gesundheit der Kinder während der Schwangerschaft gefährdet ist, wird ausführlich auf die mögliche vorgeburtliche Schädigung des Kindes durch Alkohol sowie auf Interventionsmöglichkeiten im späteren Leben eingegangen.
Der dritte Teil des Buches (Kinder stark machen, aber wie?) stellt fundierte Programme für Kinder und Jugendliche aus alkoholbelasteten Familien vor. Ausgehend von Ergebnissen eines Forschungsprojekts werden konkrete Konzepte und Erfahrungen in der präventiven Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus alkoholbelasteten Familien vorgestellt. Auch die Jugendhilfe nimmt Stellung und beschreibt die Arbeit mit alkoholbelasteten Familien aus Sicht eines Jugendamts.
Konkrete Chancen für die Zukunft bilden den Schwerpunkt im vierten Teil. Hier werden Erfahrungen mit Selbsthilfegruppen für erwachsene Kinder aus alkoholbelasteten Familien vermittelt und die Arbeit einer Anlaufstelle für schwangere Frauen mit Suchtproblemen dargestellt. Da eine Reihe von Betroffenen die Nachwirkungen ihrer (Gewalt-) Erfahrungen im Elternhaus auch im späteren Leben noch empfindlich spüren, wird das Phänomen der posttraumatischen Belastungsstörung beschrieben und auf entsprechende Hilfemöglichkeiten verwiesen. Zur Prävention eines eigenen Alkoholproblems wird die Methode des kontrollierten Trinkens erläutert. Neben den konkreten Hilfemöglichkeiten für die Kinder, zeigt die in den USA entwickelte und hier noch wenig praktizierte Methode der Intervention einen Weg, wie Angehörige und Freunde gemeinsam, unter Anleitung eines Therapeuten, den abhängigen Elternteil zu einer Entgiftungs- und Entwöhnungsbehandlung motivieren können.
Schließlich wird auf den Hilfeverein KOALA e.V. verwiesen, einem Zusammenschluss von engagierten Wissenschaftlern und Praktikern zur Unterstützung von betroffenen Kindern und Jugendlichen.
Im Anhang finden Sie eine Checkliste zur Einschätzung der eigenen seelischen Gesundheit sowie des eigenen Umgangs mit Alkohol. Adressen von speziellen Anlaufstellen sowie Literatur zur Vertiefung runden das Buch ab.