Der Titel hat mich nach dem Tod meiner Eltern sehr angesprochen und ich habe mich auf gute Gedanken und Einfühlung meiner speziellen Situation gefreut. Stattdessen empfand ich das Buch als sehr anstrengend. Trauer wird ähnlich behandelt, wie Wäsche waschen, z.B. wenn man getrauert hat, dann kommt etwas Neues.
Als ob Trauern eine Sache ist, die man jetzt tun sollte (Trauere!)und danach hat man die Chance auf ein glücklicheres Leben als zuvor. Man könnte manchmal meinen, das wahre Leben finge erst an, wenn die Eltern tot sind und man aus ihrem Einfluss befreit ist. So wird das auch direkt geschrieben. Als einen Punkt von mehreren fände ich diesen Gedanken auch in Ordnung, dass sich aus einem Verlust auch neue Chancen bieten können, dass man auch daran wachsen kann und sollte. Aber in diesem Buch wiederholt sich dieser Gedanke immerzu. Auch die Zitate von verschiedenen Menschen, die ihre Eltern verloren haben, ähneln sich sehr und langweilen, weil einige Male immer das Gleiche zu lesen ist, nur mit anderen Worten. Vielleicht muss man das Buch auch erst längere Zeit nach einem Verlust lesen, aber kurz danach klingt manches sehr uneinfühlsam und unpassend. Wenn ich bewusst um Menschen trauere, möchte ich nicht lesen, wie toll mein Leben wird, wie schön ich mich selbst verwirklichen kann, wenn meine Eltern endlich gestorben sind.... Gerade das Wort "Selbstverwirklichung" ist mir in der Trauerphase erst einmal völlig egal und fehl am Platz. Mitunter sind auch Unterstellungen angedeutet, z.B. vielleicht haben sie bislang sehr egoistisch gelebt, haben nur an sich gedacht....
Ich spüre auch das "Amerikanische" durch, was in vielerlei Hinsicht nicht auf mein Leben hier passt. Außerdem gibt es durchaus Menschen, die sich schon vor dem Tod der Eltern von ihnen auf gesunde Weise losgelöst haben. Ich finde das Buch nicht empfehlenswert und durch die Wiederholung des immer Gleichen fehlt irgendwann auch der Reiz des Weiterlesens.